| Ernst-Thälmann-Denkmal an der Greifswalder Straße, Berlin - Prenzlauer Berg (Foto: Andreas Maluga) |
Das aktuellste Beispiel für den widerwärtigen Umgang mit Denkmälern der Arbeiterbe-
wegung sowie Bauten und Kunst der DDR bietet die jüngste Forderung der CDU-Politikerin Angelika Barbe. Sie fordert in einem Berliner Boulevardblatt unverfroren:"Das Thälmann-Denkmal muss abgerissen werden !" Sie versteigt sich in dem an Antikommunismus kaum zu überbietenden Satz: "Ein Thälmann-Denkmal ist ein falsches Symbol in Erinnerung an den Kommunismus und seiner Verbrechen." Stattdessen wünscht sich Frau Barbe an dieser Stelle das Wort "Freiheit" als Hochhaus gebaut. Es wird sicher nicht mehr lange dauern, dann wird Frau Barbe wohl auch die Entfernung der Erinnerungstafel an den feigen Mord Ernst Thälmanns durch die Faschisten in der Mahn- und Gedenkstätte KZ Buchenwald fordern!
Anlass für ihren aktuellen Vorstoß in Berlin ist ein von SPD, Grünen und CDU in der Pankower Bezirksverordnetenversammlung verabschiedeter Antrag für ein neues Entwicklungskonzept für das Gebiet um das Denkmal.
Der Vorstand des DDR-Kabinett-Bochum e.V. unterstützt den Protest gegen die Abrißpläne und schließt sich der Forderung an: Das Thälmann-Denkmal muss erhalten bleiben !
| Ernst-Thälmann-Denkmal an der Greifswalder Straße, Berlin - Prenzlauer Berg (Foto: Andreas Maluga) |
Das Ernst-Thälmann-Denkmal an der Greifswalder Straße im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg wurde in den Jahren 1981–1986 vom sowjetischen Bildhauer Lew Jefimowitsch Kerbel geschaffen.
Das 14 Meter hohe und 15 Meter breite Ernst-Thälmann-Denkmal, das aus Bronze hergestellt wurde, steht auf einem Sockel aus Granit. Es ist 50 Tonnen schwer und besteht aus 200 Einzelteilen.
Nach der Einweihung 1986 fanden vor dem Denkmal – immer zum Geburtstag (16. April 1886) und dem Tag der Ermordung von Ernst Thälmann (18. August 1944) - zahlreiche Würdigungen statt.
| Ernst-Thälmann-Denkmal an der Greifswalder Straße, Berlin - Prenzlauer Berg (Foto: Andreas Maluga) |
Nicht nur heute: Konservative Denkmalstürmer machen mobil
Namen sowjetischer Befreier, antifaschistischer Widerstandskämpferinnen und -kämpfer, revolutionärer Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, Kommunistinnen und Kommunisten wurden bekanntlich nach 1990 vielfach aus ostdeutschen Innenstädten verbannt, d. h. Schulen, viele Straßen und Plätze umbenannt. Im November 1990 standen auf einer Berliner Liste auch Namen wie Arnold Zweig, August Bebel, Bernhard Lichtenberg, Dietrich Bonhoeffer, Geschwister Scholl, Heinrich Heine, Heinrich Mann oder Frank Wedekind. Die Umbenennungen gingen der CDU damals viel zu langsam und nicht weit genug. Rüdiger Landowsky, Anfang der 90er Jahre CDU-Fraktionsvorsitzender im Berliner Abgeordnetenhaus, drängte auf eine baldige Änderung des Berliner Straßengesetzes. Sein Ziel war eine schnelle, möglichst flächendeckende
„Umbenennungsaktion“ im Osten der Stadt – Stichtag 3. Oktober 1991.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Jochen Feilcke forderte – gleichfalls 1991 – die Verantwortung für die Straßenumbenennungen in Berlin „sofort dem Senat zu übertragen“ und den Stadtbezirken zu entziehen.
Feilcke hatte zu jener Zeit bereits „symbolisch“ Straßenschilder der Otto-Grotewohl-Straße mit „Wilhelmstraße“ überklebt. Der Name des Antifaschisten und früheren Sozialdemokraten Grotewohl sollte verschwinden. Die „Wilhelmstraße“ war aber vor 1945 nicht nur Adresse von Regierungsstellen der Weimarer Republik, sondern ab 1933 auch wichtiger faschistischer Ministerien, der Hitlerschen Reichskanzlei, der Gestapo-Zentrale im Prinz-Albrecht-Palais.
Die Umbenennungsaktion ist ihnen nur teilweise gelungen -in manchen Kiezen fast gar nicht. Die Karl-Liebknecht- und die Rosa-Luxemburg-Straße, der Rosa-Luxemburg-Platz stehen heute noch auf dem Straßenverzeichnis von Berlin-Mitte. Die „Straße der Pariser Kommune“ führt nach wie vor von der Karl-Marx-Allee zum Stralauer Platz. Und viele Straßennamen in den Ostberliner Stadtbezirken erinnern wie vor 22 Jahren an progressive Künstlerinnen und Künstler, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, an Antifaschistinnen und Antifaschisten – Mitglieder der KPD, der SPD, an Christen und andere.
1991/92 wurde das Lenin-Denkmal in Berlin-Friedrichshain – trotz großer Proteste – abgerissen, der Lenin-Platz im März 1992 in „Platz der Vereinten Nationen“ umbenannt.
1993 wurde auch der Abriss des 1986 eingeweihten Thälmann-Denkmals im Prenzlauer Berg beschlossen, aber nie ausgeführt. 1997 sprach sich schließlich eine Mehrheit der Bewohner des Kiezes bei einer Umfrage des Bezirksamtes für eine Beibehaltung des Namens „Ernst-Thälmann-Park“ aus. 2000 gründete sich ein linkes Bündnis, dem auch die DKP angehört, das politische Veranstaltungen am Denkmal organisiert und sich bis 2006 allein um dessen Sauberkeit kümmerte. Nun scheinen – nach der Niederlage der Partei „Die Linke“ bei den Berliner Wahlen im vergangenen September und den Vorstößen des Verkehrsminister Ramsauer (CSU), der das Marx-Engels-Denkmal gern aus der Berliner Innenstadt entfernen möchte – einige „Denkmalstürmer“ wieder im Aufwind. Noch aber kommt die Forderung nach dem Abriss des Thälmann-Denkmals im Prenzlauer Berg nur aus den Tiefen der sächsischen Provinz. Die „Bürgerrechtlerin“ Angelika Barbe (CDU), Gründungsmitglied der DDR-SPD, Bundestagsabgeordnete der SPD von 1990 bis 1994, 1996 zur CDU übergelaufen, von der aber wenig später auf einen untergeordneten Posten in Sachsen abgeschoben, fand zudem mit ihrem Anliegen bislang nur beim „Berliner Kurier“ Gehör: Statt Thälmann-Denkmal wünscht sich Barbe im Thälmann-Park das Wort „Freiheit“ als Hochhaus gebaut. Angelika Barbe war übrigens seit 2001 Mitglied des Bundesvorstandes der Dachorganisation „Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft“ e.V., bis Juli 2007 amtierte sie als stellvertretende Vorsitzende. Nicht Frau Barbe, die heute „als Referentin“ bei der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung tätig ist, ist das Problem. Die hat möglicherweise nur eine Gelegenheit genutzt auf sich aufmerksam zu machen. Aber der Thälmann-Park im Prenzlauer Berg soll in der kommenden Zeit tatsächlich „umgestaltet“ werden. Der Öffentlichkeit liegen noch keine konkreten Pläne vor. Erst kürzlich konnte – aufgrund massiver Proteste – das Ende der Kultur im Park verhindert werden. Die Gesellschaft für Stadtentwicklung (GSE) soll nun das Gelände treuhänderisch übernehmen. Allerdings müssten – so die Ankündigung alle bestehenden Kultureinrichtungen in Zukunft enger zusammenrücken, bislang ungenutzte Räume und Zeiten sollen Dritten zur Verfügung gestellt werden ...
Ob geplant ist im Rahmen der „Umgestaltung“ etwa auch das Thälmann-Denkmal abzureißen, ist also noch nicht bekannt. Erhöhte Aufmerksamkeit ist deshalb angesagt.
Nina Hager (UZ)
Namen sowjetischer Befreier, antifaschistischer Widerstandskämpferinnen und -kämpfer, revolutionärer Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, Kommunistinnen und Kommunisten wurden bekanntlich nach 1990 vielfach aus ostdeutschen Innenstädten verbannt, d. h. Schulen, viele Straßen und Plätze umbenannt. Im November 1990 standen auf einer Berliner Liste auch Namen wie Arnold Zweig, August Bebel, Bernhard Lichtenberg, Dietrich Bonhoeffer, Geschwister Scholl, Heinrich Heine, Heinrich Mann oder Frank Wedekind. Die Umbenennungen gingen der CDU damals viel zu langsam und nicht weit genug. Rüdiger Landowsky, Anfang der 90er Jahre CDU-Fraktionsvorsitzender im Berliner Abgeordnetenhaus, drängte auf eine baldige Änderung des Berliner Straßengesetzes. Sein Ziel war eine schnelle, möglichst flächendeckende
„Umbenennungsaktion“ im Osten der Stadt – Stichtag 3. Oktober 1991.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Jochen Feilcke forderte – gleichfalls 1991 – die Verantwortung für die Straßenumbenennungen in Berlin „sofort dem Senat zu übertragen“ und den Stadtbezirken zu entziehen.
Feilcke hatte zu jener Zeit bereits „symbolisch“ Straßenschilder der Otto-Grotewohl-Straße mit „Wilhelmstraße“ überklebt. Der Name des Antifaschisten und früheren Sozialdemokraten Grotewohl sollte verschwinden. Die „Wilhelmstraße“ war aber vor 1945 nicht nur Adresse von Regierungsstellen der Weimarer Republik, sondern ab 1933 auch wichtiger faschistischer Ministerien, der Hitlerschen Reichskanzlei, der Gestapo-Zentrale im Prinz-Albrecht-Palais.
Die Umbenennungsaktion ist ihnen nur teilweise gelungen -in manchen Kiezen fast gar nicht. Die Karl-Liebknecht- und die Rosa-Luxemburg-Straße, der Rosa-Luxemburg-Platz stehen heute noch auf dem Straßenverzeichnis von Berlin-Mitte. Die „Straße der Pariser Kommune“ führt nach wie vor von der Karl-Marx-Allee zum Stralauer Platz. Und viele Straßennamen in den Ostberliner Stadtbezirken erinnern wie vor 22 Jahren an progressive Künstlerinnen und Künstler, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, an Antifaschistinnen und Antifaschisten – Mitglieder der KPD, der SPD, an Christen und andere.
1991/92 wurde das Lenin-Denkmal in Berlin-Friedrichshain – trotz großer Proteste – abgerissen, der Lenin-Platz im März 1992 in „Platz der Vereinten Nationen“ umbenannt.
1993 wurde auch der Abriss des 1986 eingeweihten Thälmann-Denkmals im Prenzlauer Berg beschlossen, aber nie ausgeführt. 1997 sprach sich schließlich eine Mehrheit der Bewohner des Kiezes bei einer Umfrage des Bezirksamtes für eine Beibehaltung des Namens „Ernst-Thälmann-Park“ aus. 2000 gründete sich ein linkes Bündnis, dem auch die DKP angehört, das politische Veranstaltungen am Denkmal organisiert und sich bis 2006 allein um dessen Sauberkeit kümmerte. Nun scheinen – nach der Niederlage der Partei „Die Linke“ bei den Berliner Wahlen im vergangenen September und den Vorstößen des Verkehrsminister Ramsauer (CSU), der das Marx-Engels-Denkmal gern aus der Berliner Innenstadt entfernen möchte – einige „Denkmalstürmer“ wieder im Aufwind. Noch aber kommt die Forderung nach dem Abriss des Thälmann-Denkmals im Prenzlauer Berg nur aus den Tiefen der sächsischen Provinz. Die „Bürgerrechtlerin“ Angelika Barbe (CDU), Gründungsmitglied der DDR-SPD, Bundestagsabgeordnete der SPD von 1990 bis 1994, 1996 zur CDU übergelaufen, von der aber wenig später auf einen untergeordneten Posten in Sachsen abgeschoben, fand zudem mit ihrem Anliegen bislang nur beim „Berliner Kurier“ Gehör: Statt Thälmann-Denkmal wünscht sich Barbe im Thälmann-Park das Wort „Freiheit“ als Hochhaus gebaut. Angelika Barbe war übrigens seit 2001 Mitglied des Bundesvorstandes der Dachorganisation „Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft“ e.V., bis Juli 2007 amtierte sie als stellvertretende Vorsitzende. Nicht Frau Barbe, die heute „als Referentin“ bei der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung tätig ist, ist das Problem. Die hat möglicherweise nur eine Gelegenheit genutzt auf sich aufmerksam zu machen. Aber der Thälmann-Park im Prenzlauer Berg soll in der kommenden Zeit tatsächlich „umgestaltet“ werden. Der Öffentlichkeit liegen noch keine konkreten Pläne vor. Erst kürzlich konnte – aufgrund massiver Proteste – das Ende der Kultur im Park verhindert werden. Die Gesellschaft für Stadtentwicklung (GSE) soll nun das Gelände treuhänderisch übernehmen. Allerdings müssten – so die Ankündigung alle bestehenden Kultureinrichtungen in Zukunft enger zusammenrücken, bislang ungenutzte Räume und Zeiten sollen Dritten zur Verfügung gestellt werden ...
Ob geplant ist im Rahmen der „Umgestaltung“ etwa auch das Thälmann-Denkmal abzureißen, ist also noch nicht bekannt. Erhöhte Aufmerksamkeit ist deshalb angesagt.
Nina Hager (UZ)
Geschichte und Gegenwart mahnen!
AntwortenLöschenDie Freiheit ist in Wort und Tat
Mißbraucht durch Psychopathen
Als Hur’ in einem Sudelbad
Der Bourgeois’, in deren Staat
Sich bräunen Bankmagnaten
Und woll’n wir nicht das Hurenkind
Erretten vorm Verderben,
Erstickt es, weil wir uneins sind.
Sein Mäntelchen, wo Blut gerinnt,
Liegt unter braunen Scherben.
PS: wie nannte doch Stefan Heym (10.04.1913 bis 16.12.2001) einmal zurecht die ehemals DDR-"Bürgerbewegten"? sie seien Psychopathen!
Dumm und gefährlich, so etwas zu wählen
„Sie fordert in einem Berliner Boulevardblatt unverfroren:"Das Thälmann-Denkmal muss abgerissen werden!"“
AntwortenLöschenWhat's the name of this “newspaper”?
Hallo Joseph, the name of this newspaper is BERLINER KURIER
Löschen