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Mittwoch, 9. November 2011

Kann die Erinnerung an die Leistungen der DDR dazu inspirieren.......


......den Kampf um eine gesellschaftliche Alternative aufzunehmen?



Vielleicht sollten wir hier an die eigene Adresse gerichtet fragen, ob wir genügend dafür getan haben und tun, dies den Arbeitern bewusst zu machen. Wenn der Arbeitsplatz verloren geht, stehen die Sorgen um die Familie vor der Tür. Die Medienkampagne konnte nicht ohne Wirkung bleiben.
Der Kapitalismus tut einiges dafür, dass ein solcher Zusammenhang im Denken so niedrig wie möglich gehalten wird. Zudem ist inzwischen auch im Osten eine Generation herangewachsen, die keine DDR-Erfahrungen sammeln konnte, im Westen gilt das für die Generation, die ohne den „Nachbarn" DDR aufwuchs, auf den die BRD jahrzehntelang „soziale Rücksicht" nehmen musste, wenn sie ihre antisozialen Entscheidungen traf und Gesetze erließ.
Die Ende der 80er Jahre den Kapitalismus erschütternde Krise konnte sie aus diesem Grund nicht restlos auf die Schultern der Arbeiter abwälzen. Mit dem Wegfall der Systemkonkurrenz kann nun der Kapitalismus operieren, wie sich das gerade in der gegenwärtigen Krise zeigt.
Ja, wenn man den Kampf für eine gesellschaftliche Alternative aufnimmt, muss man über die Leistungen, die im Sozialismus mit dem Volk für das Volk geschaffen wurden, sprechen. Ich meine, es genügt jedoch nicht, nur über die sozialen Leistungen zu sprechen, sondern es ist notwendig, mehr auch darüber zu reden, was die Voraussetzungen dafür waren, dass der Sozialismus sich solche sozialen Leistungen „leisten" konnte.
Die Voraussetzung dafür, den Sozialismus zu errichten, war die Lösung der Eigentumsfrage und damit die Überwindung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse. Ohne die Errichtung der politischen Macht – das ist nun mal unumstößliche Wahrheit – , ohne die Schaffung eines Staates der Arbeiter und Bauern lassen sich jedoch weder die Eigentumsfrage noch die Schaffung neuer Produktionsverhältnisse lösen.
Und wenn von der DDR die Rede ist, so ist auch daran zu erinnern, dass das nicht in einem Spaziergang zu machen ist, sondern im harten Klassenkampf errungen werden musste. Und das alles unter den Bedingungen der faschistischen Hinterlassenschaften, einer durch den Krieg zerstörten Wirtschaft und einer faschistisch verseuchten Ideologie. Und wir waren ein Land ohne Rohstoffe. Wenn wir in der Lausitz statt Braunkohle Erdölfelder gefunden hätten, wäre manches leichter gewesen.
Heute, wo wir mit Arbeitslosigkeit, zunehmender Leiharbeit, Lohndrückerei, Verlängerung der Arbeitszeit konfrontiert sind, sollten wir wohl daran erinnern, dass das Recht auf Arbeit, der gesicherte Arbeitsplatz in der DDR
alltägliche Selbstverständlichkeit war und das bei gleichem Lohn für gleiche Arbeitsleistung für Männer und Frauen. Die Frauen wurden ökonomisch unabhängig – eine entscheidende Voraussetzung für die verwirklichte Gleichberechtigung der Frau.
Da ist man schon bewegt, wenn man über die Lebensgeschichte eines Arbeiters aus dem volkseigenen Obertrikotagenwerk Apolda liest, der nach der Treuhand-Attacke erst seine Arbeit, dann seine Wohnung und schließlich auch seine Familie verlor und nun sein Leben als Bettler in Aachen fristet.
Kürzlich las ich in einer Berliner Zeitung, dass jedes zwölfte Kind bereits Privatschüler ist, in Deutschland stieg die Zahl von 1992 bis 2010 um 55 Prozent, besagt eine Untersuchung der „Friedrich-Ebert-Stiftung".
Noch alarmierender fand ich das Ergebnis, dass mehr als die Hälfte aller deutscher Eltern ihre Kinder auf Privatschulen schicken würden, wenn sie das nötige Geld hätten. Den Kapitalismus tangieren die Missstände im Schulsystem nicht, denn der Nachwuchs der „Elite" ist gesichert.
Soll man da nicht an das in der DDR verwirklichte Recht auf Bildung erinnern? Mit der Brechung des Bildungsprivilegs wurde der Weg frei für eine solide wissenschaftliche Bildung für alle Kinder ohne soziale Unterschiede in Stadt und Land. Und allen war nach Abschluss der Schule ein Berufsausbildungsplatz sicher.
Auch darüber sollten wir reden – gerade weil es immer wieder geleugnet wird: das Mitbestimmungsrecht in den volkseigenen Betrieben bei der Erarbeitung der Produktionsziele, beim Arbeitsschutz, zu Fragen des Erholungswesens, der Kultur im Betrieb wurde von den Arbeitern, den Brigaden, den Gewerkschaften entschieden genutzt.
Da die bürgerliche Propaganda alles tut, Wahrheiten zu unterdrücken, müssen wir über diese Wahrheiten sprechen und ich meine, wir sollten es viel offensiver tun.

Margot Honecker

(Aus einem im Juli 2011 in den „Marxistischen Blättern" veröffentlichten Interview)

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