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Donnerstag, 10. November 2011

»Rote Spiegel« - Das Wachregiment des MfS

An einem 3. Oktober steht Eberhard Rebohle mit einer Ehrenkompanie vorm Staatsratsgebäude. Man schreibt das Jahr 1964. Hausherr Walter Ulbricht übernimmt die Schlüssel. Nach dem Festakt marschieren die Soldaten mit den roten Kragenspiegeln wieder in die Kaserne. Drei Jahre zuvor, nach dem "Mauerbau", war Eberhard Rebohle zum Wachregiment gekommen. Er ist dort Fahnenträger, Spezialaufklärer und Waffenwart, also Insider. Er erlebt, was andere nur aus den Akten kennen. Ér berichtet authentisch. Und widerlegt damit spannend die Legenden über die »Dzierzynskis«.

Bestand des DDR-Kabinett-Bochum:
Weiße Handschuhe von Eberhard Rebohle als Fahnenbegleiter der Ehrenkompanie 1963
Wachregimenter sind militärische Formationen, die zum Schutz von Regierungseinrichtungen, Personen sowie zu repräsentativen Zwecken wie Akkreditierungen von Botschaftern, Staatsempfängen oder Paraden eingesetzt werden. Sie gibt es überall auf der Welt. Das Wachbataillon der Bundeswehr heißt trotz Regimentsstärke von etwa 1.800 Mann bescheiden »Wachbataillon«.In der DDR gab es zwei Wachregimenter: das Wachregiment »Friedrich Engels« der Nationalen Volksarmee und das Wachregiment »Feliks Dzierzynski« des Ministeriums für Staatssicherheit. Dieses Buch beschäftigt sich mit dem Wachregiment des MfS, das als der bewaffnete Arm des Ministeriums galt. Es war der Arbeitsgruppe des Ministers (AGM) unterstellt. Erstmals wird hier die Einrichtung aus der Perspektive eines Beteiligten dargestellt. Es ist die Absicht des Autors, damit gegen umlaufende Legenden und Denunziationen anzugehen.

»Rote Spiegel« - Wachsoldaten in der DDR  von Eberhard Rebohle



Verlag Edition Ost , ISBN 978-3-360-01809-0



Rezension von Lothar Tyb’l, 13.11. 2009
Eberhard Rebohle ist weder Schriftsteller noch Historiker, er schrieb weder einen Roman noch eine Geschichte des Wachregiments. Dass er zur Feder griff und ein 250-seitiges Buch mit dem Titel „Rote Spiegel“ veröffentlichte, ist auch nicht dem Rentenalter geschuldet, das Erinnerungen aufleben lässt. Es ist der Stolz auf das, was er als junger Soldat von 1961 bis 1964 im Wachregiment erlebte und für die DDR aus Überzeugung freiwillig leistete und es ist die Empörung über die schon 20 Jahre währenden Versuche, solche Leistungen zu missachten.
Dass der Verlag „edition ost“ seinem Anliegen eine öffentliche Stimme gibt, ist anerkennenswert. Das einleitende Kapitel vermittelt dem Leser zahlreiche, bisher unveröffentlichte Fakten und Befehle aus der Gründungsphase des Wachregiments und seiner Entwicklung in den 50er Jahren. Die oft geleugnete Legitimität der Aufstellung dieser Spezialeinheit am 4. November 1949 und ihres Auftrages leitet der Autor aus dem widerspruchs-vollen Gang der deutschen Geschichte nach dem Ende des II. Weltkrieges und dem bald darauf entfachten „Kalten Krieg“ ab. Für viele Leser wird anregend sein, die Sicherung der Staatsgrenze der DDR am 13. August 1961 aus der Sicht eines jungen Soldaten nachzuvollziehen. In den folgenden Kapiteln schildert der Autor anschaulich seine soldatische Grundausbildung und seine Spezialausbildung als Aufklärer, Fallschirmspringer und Waffenwart. Sie verdeutlichen das Ringen um die Lösung des Widerspruchs einerseits althergebrachte Formen und bewährte Methoden militärischen Lebens zu nutzen und andererseits ihnen einen neuen, sozialistischen Inhalt zu geben. Rebohle erinnert sich des anstrengenden Soldatenalltags und an das kameradschaftliche Verhältnis zu seinen Kommandeuren. Verschwiegen wird nicht jener Vorgesetzte, der bei der Stubenkontrolle mit dem Zeigefinger den Staub von der Heizung aufnahm und ihm höhnisch an der Wange abwischte. Aber der Leser wird dem Autor abnehmen, wenn er diese Episode als nicht repräsentativ für das Wachregiment bezeichnet.
Wachposten am Sitz der Regierung in der Klosterstraße, Vorsicherung im Keller des Hauses der Ministerien für einen Staatsempfang, Ehrenposten beim Begräbnis des DDR Ministerpräsidenten Otto Grotewohl, Sicherung der Transporte beim Geldumtausch in der DDR, Bewachung der Gästehäuser während der Leipziger Messe, Komparserie bei der Verfilmung des Romans von Bruno Apitz „Nackt unter Wölfen“, Soldat in der Ehrenkompanie bei der Akkreditierung ausländischer Botschafter – die Vielfalt der erfüllten Wach- und Sicherungsaufgaben ist beeindruckend. Sie unterstreicht dreierlei: Erstens die Härte des dreijährigen Dienstes der Wachsoldaten, die dem Gerede von Privilegierung die Grundlage nimmt. Zweitens den militärischen Charakter des Dienstes im Wachregiment, der sich von den geheimdienstlichen Funktionen des MfS unterschied. Und drittens die Legitimität der Aufgaben, die international üblich sind und in der Verfassung und im geltenden Recht der DDR ihre Grundlage hatten. Die Sonderstellung dieser Spezialeinheit zwischen Armee, Polizei und Staatssicherheit verständlich zu machen, ist ein großes Verdienst des Buches. Das abschließende Kapitel und das Interview mit dem letzten Kommandeur des Wachregiments, Generalmajor Manfred Döring, geben überraschende Einblicke in das widerspruchsvolle Innenleben des Wachregiments im ‚Wendejahr’ 1989 und machen deutlich, warum und wie es bis zum 31. März 1990, ein halbes Jahr vor dem Beitritt zur BRD,
abgewickelt wurde. Döring und Rebohle weisen nach, dass die Bewaffnung des Regiments -ebenso wie bei den Grenztruppen und der NVA - in den zugespitzten Auseinandersetzungen des Herbstes 1989 nicht zum Einsatz kam, weil entsprechende Einsatzbefehle von keiner Führungsebene gegeben wurden und dies der Haltung der Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere als Teil des Volkes entsprach. Das viel beschriebene ‚Wunder der friedlichen Revolution’ ist nur solange unerklärlich, solange solche Tatsachen ausgeklammert werden. Mit der Konzentration auf seinen Dienst in den Jahren 1961 bis 1964 und die Entwicklung der Aufklärungs- und Ehrenkompanie verzichtet der Autor auf eine kritische und selbstkritische Gesamtgeschichte des Wachregiments; diese Teilaufgabe einer Einschätzung der Militär- und Sicherheitspolitik der untergegangenen DDR bleibt noch zu leisten. Das streitbare Buch Rebohles, dessen Titel auf die roten Kragenspiegel des Wachregiments zu Beginn der 50er Jahre zurückgeht, liefert dafür wichtige Einblicke und Ansätze.

9 Kommentare:

  1. Ein Angebot zum Reden und Erinnern für alle ehemaligen Angehörigen des Wachregiments Feliks Dzierzynski gibt es hier: www.das-regiment.de

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    1. Tatsächlich erhalten nicht alle Ehemaligen Zugang zu dieser Plattform oder sie werden nach kurzer Zeit wieder gesperrt.

      Viele Grüße von einem Ehemaligen

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  2. Danke für den Kommentar und ich nehme den Link auch in unsere Liste auf.

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  3. Anbei:

    www.ddr-hautnah.de

    www.transportpolizei.de

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  4. Berichtigungen zum Buch "Rote Spiegel":
    In der DDR gab es 3 Wachregimenter.
    Das Ditte: Wachregiment der NVA "Hugo Eberlein"
    Das Wachregiment F.E.D. unterstand anfangs der Hauptabteilung Personenschutz.


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  5. Ehemaliger des WR25. März 2013 um 19:29

    Zum Buch "Rote Spiegel"

    Ich lese oben 3 Unkorrektheiten:
    - es gab 3 Wachregimenter in der DDR
    - anfangs unterstand das WR der HA Personenschutz
    - ein Ehemaliger hat schon vordem ein Buch über das WR "Die Garde des Erich Mielke" geschrieben

    Viele Grüße von einem Ehemaligen des WR

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