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Mittwoch, 7. März 2012

7. März 1946 - Die Gründung der Freien Deutschen Jugend


Die KPD-Führung unter Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht hatten bereits in Moskau vor ihrer Rückkehr nach Deutschland Beratungen durchgeführt, wie die Nachkriegsjugend in die antifaschistisch-demokratische Ordnung in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) einbezogen werden kann. Auf einen kommunistischen Jugendverband hatte die KPD verzichtet. Sie wollte eine breite antifaschistische, demokratische Jugendorganisation unter dem Namen „Freie Deutsche Jugend“ (FDJ). Erste Gruppen der FDJ entstanden schon vor dem 2.Weltkrieg im Exil in Paris (Juni 1936) und in Prag ( 8.Mai 1938). Ab April 1939 wurden in Großbrittanien FDJ-Gruppen von meist jüdischen Jugendlichen gegründet, die mit Kindertransporten aus Deutschland ausreisen konnten.
Im Sommer 1945 hat die „Sowjetische Militäradministration“ (SMAD) die Bildung von Jugendausschüssen genehmigt. Am 1.September trafen sich Vertreter der KPD und der SPD, um einen Ausschuß zur Schaffung von Jugendgruppen zu bilden. Auf der Gründungssitzung des „Zentralen Antifaschistischen Jugendausschusses“ wurde Erich Honecker mit der Leitung beauftragt. Aus der katholischen Jugend wurde ein Mitglied für den Ausschuß gewonnen. Aus den Jugendausschüssen sollte eine friedliebende deutsche Jugend entstehen. So wurde am 7.März 1946 die FDJ in der SBZ gegründet. Als Vorsitzender des Zentralrates der FDJ wurde Erich Honecker gewählt. Die FDJ hatte in den ersten Jahren der antifaschistisch-demokratischen Ordnung einen schweren Weg vor sich. Die Jugend war im Hitlerstaat über 10 Jahre lang in der „Hitlerjugend“(HJ) und im „Bund Deutscher Mädchen“ (BDM) im Geist des Faschismus, der Menschenfeindlichkeit, des Antisemitismus und für Angriffskriege erzogen worden. Auf dem 1.Parlament (8. bis 10. Juni 1946) in Brandenburg verkündete die FDJ die 4 Grundrechte:
 
- das Recht auf politische Mitbestimmung
- das Recht auf Arbeit und Erholung, gleicher Lohn für gleiche Arbeit
- das Recht auf Bildung
- das Recht auf Freude und Frohsinn
 
Im August 1948 wurde die FDJ in den „Weltbund der demokratischen Jugend“ aufgenommen. Als internationale Ziele hatte sich die FDJ die Freundschaft zur Sowjetunion und die Unterstützung aller Völker im Kampf für ihre Unabhängigkeit vom imperialistischen Joch zum Ziel gesetzt. 

So wurden FDJ-Brigaden am Bau der „Freundschaftstrasse ( 1975 -1979), am Bau der Erdgasleitung von Orenburg bis zur westlichen Grenze der UdSSR (1982-1985) und am Bau der Eisenbahnstrecke Baikal-Amur-Magistrale (BAM) beteiligt.
Die FDJ leistete auch Aufbauhilfe im sandinistischen Nicaragua, in Masambic und Angola. 

Weitere FDJ-Initiativen zum Aufbau der DDR:
- Dorf der Jugend in Adelsdorf bei Großenhain (1945-1950)
- Bau einer Wasserleitung für die „Maxhütte“ zur Roheisenproduktion (1948/1949)
- Talsperre Sosa (1949-1952)
- Friedländer Wiese (1958-1962)
- Kernkraftwerk Greifswald (1967-1975)
- Sreckenelektrifizierung der Deutschen Reichsbahn
- Aufbau Berlin (Stadtteil Berlin,Marzahn im Rahmen des Wohnungsbauprogramms
- Bau der Landebahn des Flughafens Berlin-Schönefeld
 
1985 hatte die FDJ etwa 2,3 Millionen Mitglieder. Das waren zirka 80 % der DDR-Jugend.
Höhepunkte der FDJ waren die Weltfestspiele in Berlin :
1951 ( 26.000 Teilnehmer aus 104 Ländern)
1973 (25.000 Teilnehmer aus 140 Ländern)

 
Die FDJ rief 1950,1954 und 1964 zu Pfingsten in Berlin zum „Deutschlandtreffen der Jugend“ für Frieden und Völkerfreundschaft auf. 1950 nahmen 700.000 Jugendliche teil.
 
Einige Exponate aus dem DDR-Kabinett-Bochum.
 Auch in den Westsektoren wurde die FDJ gegründet. Von den Besatzungsmächten und später unter der BRD-Regierung unter Adenauer erhielten sie keine Unterstützung. Die FDJ hatte 1950 in der BRD etwa 30.0000 Mitglieder, vor allem aus der Gewerkschaftsjugend. Der Vorsitzende der FDJ in der BRD,Josef Angenfort (KPD) wurde 1953 wegen seines Kampfes gegen die Remilitarisierung der Adenauer-Regierung angeklagt und zu einer Zuchthausstrafe von 5 Jahren verurteilt. Die FDJ kämpfte gegen die Wiederbewaffnung der BRD. So verfügte die Bundesregierung am 19.September 1950 für FDJ-Mitglieder und gleichzeitig auch für Mitglieder der KPD und der VVN ein Berufsverbot im öffentlichen Dienst.
Trotz des Berufsverbots bereitete die FDJ eine Volksbefragung gegen die Wiederbewaffnung vor. Am 24.April 1951 verbot die Bundesregierung die Volksbefragung als verfassungswidrig und am 26.Juni 1951 erging das vollständige Verbot der FDJ. 
Am 11.Mai 1952 wurde der FDJ-Funktionär Philipp Müller auf einer Demonstration gegen die Remilitarisierung in Essen von der Polizei erschossen.
Die verbotene FDJ rief zur Teilnahme an den Weltfestspielen 1951 auf. Bis zum 28.Juli 1951 wurden über 6000 Jugendliche von der Grenze zwangsweise zurück in ihre Heimatorte gebracht. Allein in Niedersachsen wurden 10.000 Polizisten in Alarmbereitschaft versetzt. Trotzdem nahmen 35.000 junge Menschen aus der BRD und West-Berlin an den Weltfestspielen teil.
An diesen Beispielen zeigt sich die „freiheitlich-demokratische“ Ordnung der BRD. Demonstrationen gegen Remilitarisierung wurden mit Waffengewalt aufgelöst. Menschen, die gegen Krieg und Militarisierung öffentlich auftraten wurden eingesperrt oder mit Berufsverbot bestraft. Jugendliche, die an den Weltfestspielen für Frieden und Völkerfreundschaft teilnehmen wollten, wurden zwangsweise daran gehindert. So ziehen heute die gleichen herrschenden Kreise wie damals über die angeblichen Berufsverbote, von „verfolgten und verurteilten SED-Regimegegner“ in der so „undemokratischen“ DDR her
.

1 Kommentar:

  1. Eine wichtige Ergänzung sei mir gestattet. Bereits in der ersten Verfassung der DDR von 1949 wird im Abschnitt "IV. Erziehung und Bildung", Artikel 35, Absatz (2) ausgeführt: "Die Bildung der Jugend sowie die geistige und fachliche Weiterbildung der Bürger werden auf allen Gebieten des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens durch die öffentlichen Einrichtungen gesichert."
    Bereits am 08.02.1950 beschloß die Volkskammer als eines ihrer ersten Gesetze das Jugendgesetz der DDR.
    Zur gewährleistenden Mitbestimmung der Rechte der Jugend bei der Gestaltung der Arbeiter-und Bauern-Macht war die FDJ mit einer eigenen Fraktion von 40 Abgeordneten in der Volkskammer vertreten; das setzte sich bis in die unteren Ebenen - später vom Bezirkstag über den Kreistag bis in die Städte- und Gemeindevertretungen - fort. So, wie bereits in der ersten Verfassung hier fixiert, kam dem einheitlichen Jugendverband zunehmend quasi in allen Lebensbereichen Verantwortung zu. Für deren zielgerichtet umfassende Wahrnehmung der FDJ, schon beginnend bei der Pionierorganisation "Ernst Thälmann", eigenständige Publikationsmittel geschaffen wurden wie zu allererst der Verlag "Junge Welt" mit der gleichnamigen Tageszeitung (für die Pionierorganisation "Die Trommel" als Wochenschrift und "Fröhlich sein und singen" als Monatschrift u.a.). Beim Recht auf Erholung gab es durch staatliche Sicherstellung in der Folge beispielsweise eine Vielzahl von Jugendherbergen und neu eingerichteten bzw. erbauten Jugentouristenhotels schließlich auch das Jugendreisebüro "Jugendtourist" der FDJ nach dem Vorbild des sowjetischen Jugendreisebüros "Sputnik" mit Bezirkstellen, ehrenamtlichen Kreis- und Betriebskommissionen. Und , nicht zuletzt sind ebenso die vielen Häuser der Jungen Pioniere als auch die FDJ-Jugendklubs und -Klubhäuser zu nennen.
    Das alles war, meine ich, Ausdruck praktizierter sozialistischer Demokratie. Die FDJ hatt sich hierbei vorbildhaft bewährt. "Sag mir, wo du stehst und welchen Weg du gehst ..." war nicht nur ein bekanntes Jugendlied, sondern eine täglich gestellte Aufgabe.
    Freundschaft!

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