| Vom 8. bis 23. März 1937 tobte bei Guadalajara nordöstlich von Madrid eine erbitterte Schlacht um die Hauptstadt der Spanischen Republik. Franco glaubte, mit der aktiven militärischen Unterstützung Hitlerdeutschlands und Mussolini-Italiens die Zerschlagung der Republik mit der raschen Einnahme von Madrid abschließen zu können. Den ersten Angriff schlugen im November 1936 die gerade aufgestellten ersten Einheiten der Volksarmee zusammen mit etwa 3 000 Interbrigadisten zurück. Den Verteidigern, die bereits vor den Toren der Hauptstadt im Universitätsviertel kämpften, kam der legendäre Anarchist José Buenaventura Durruti von der Aragon-Front mit etwa 4 000 Mann seiner Kolonne zu Hilfe. Bei der Verteidigung Madrids fiel am 1. Dezember der Polit-Kommissar des gerade aufgestellten Thälmann-Bataillons, Hans Beimler. Im Januar eroberte Franco im Cross mit motorisierten italienischen Divisionen Malaga. Südlich von Madrid griffen sie entlang des Jarama-Flusses erneut Madrid an, konnten aber gestoppt werden. Die faschistischen Offensiven wurden durch massive Luftangriffe der "Legion Condor" und italienischer Caproni-Jäger unterstützt. Franco hatte seit dem Putsch im Juli 1936 das westliche Andalusien, große Teile im Westen, Nordwesten und Norden unter seine Kontrolle gebracht. Nur das Baskenland und Asturien hielten stand, im Golf von Biscaya behauptete sich die strategisch wichtige Hafenstadt Santander. Die Franco-Faschisten und ihre deutschen und italienischen Helfershelfer führten zur Zerschlagung der Republik eine barbarische Menschenjagd. "Befürworter der Legalität, loyale Republikaner werden massenweise gequält, verstümmelt, ermordet. Die Methoden der Mordkommandos sind bestialisch", hielt Fritz Teppich, Kämpfer der Internationalen Brigaden, in seinem Buch "Spaniens Himmel" (Berlin 1986) fest. Der Weg der Franco-Truppen "ist von Massenmorden gezeichnet. In Bajadoz, nicht weit von der portugiesischen Grenze, ließ der Kommandeur der marokkanischen Truppen, General Yagüe, einer der Schlächter von Asturien, niedermetzeln, was seinen Söldnern vor die Gewehre kam. Alle Republikaner, derer sie habhaft werden konnten, wurden in die Stierkampfarena getrieben und dort mit Maschinengewehren zusammengeschossen." Zu den ersten Opfern des Mordterrors gehörten loyale Offiziere, die sich widersetzten. Sie wurden "kurzerhand erschossen, darunter die Generäle Batet, Molero, Nunez de Prado, Romerales, Admiral Azarola und andere", schrieb Teppich. Infolgedessen traten kaum frühere Angehörige der alten Armee auf die Seite der Republik. Nur etwa 3 500 ihrer Offiziere blieben loyal und stellten sich der Volksfrontregierung zur Verfügung. Deren bewaffnete Kräfte bestanden Ende August 1936 aus höchstens etwa 100 000 bis 150 000 Mann Milizen, die sich nach dem Putsch formierten. Sie besaßen kaum militärische Erfahrungen, waren nicht zentral organisiert, außerdem an die verschiedenen Parteien der Volksfront und die Gewerkschaften gebunden. Meinungsverschiedenheiten in der Volksfront-Regierung behinderten eine rasche und entschiedene Verteidigung. Ejercito popular entsteht Erst Mitte Oktober begann der Aufbau des Ejercito popular, der Volksarmee, in welche die Milizen als Brigadas mixtas eingegliedert wurden. Die Basis der Volksarmee bildet zunächst das berühmte Quinto Regimento (5. Regiment) unter dem Kommunisten Enrique Lister. Im Oktober 1936 wurde in Albacete eine Zentrale für die Formierung der Internationalen Brigaden eingerichtet, deren Zahl später auf etwa 50 000 anwuchs.
Bei Guadalajara im Monat März,
In Kält´ und Regensturm,
Da bebte manches tapfre Herz
Und in Torija selbst der Turm.
Da stand der Garibaldi auf,
André, Dombrowski ihm zur Seit!
Die brachten bald zum Dauerlauf
Die Mussolini-Herrlichkeit.
So beschrieb Ernst Busch in seiner Ballade über die XI. Internationale Brigade die Lage im März 1937 bei Guadalajara. Dort eröffnete das italienische Interventionskorps unter General Mario Roatta nordöstlich von Madrid die vierte Offensive. Roatta führte den Hauptstoß auf der Straße Saragossa-Madrid, um die Hauptstadt vom Nordosten her zu umfassen und sich am Jarama mit Francos Truppen zu vereinigen und dann Madrid einzunehmen. Das Terrain mit seinem gut ausgebauten Straßennetz war für die Angreifer, die mit modern ausgerüsteten motorisierten Truppenteilen vorrückten, günstig. Vier italienische Divisionen stießen mit etwa 150 Panzern, 250 Geschützen, fast 4 000 Gefechtsfahrzeugen, unterstützt von einer Division Franco-Faschisten, mehreren Geschwadern der "Legion Condor" und 60 italienischen Flugzeugen vor. Als Reserve stand eine zweite Division der Franquisten bereit. Viele Italiener waren kriegserfahrene Soldaten, die an der Eroberung Äthiopiens 1935/36 teilgenommen hatten. Zu der Offensive hatte Mussolini persönlich den Befehl erteilt. Madrid wurde an diesem Frontabschnitt von einer gerade aufgestellten Division der Volksarmee mit rund 10 000 Mann verteidigt, die nur über knapp 6 000 Gewehre, 85 Maschinengewehre und 15 Geschütze verfügte. Nach Artilleriebeschuss, Luftbombardements und Tieffliegerangriffen durchbrach General Roatta mit Panzern, gefolgt von Infanterie, am 8. März die Stellungen der Verteidiger. In den folgenden Tagen stießen die Faschisten etwa 40 km vor und eroberten über ein Dutzend Städte im Vorfeld der Hauptstadt. Das republikanische Oberkommando verstärkte die Verteidigung durch Einheiten des Regiment Listers sowie die Bataillone "Jaroslaw Dombrowski" und "Giuseppe Garibaldi" der XII. und danach nochmals durch die Bataillone "Ernst Thälmann", "Edgar André" und "Commune de Paris" der XI. Interbrigade und sicherte die linke und rechte Flanke durch Nachbarverbände. Ferner erhielten die Verteidiger mehrere Artillerie-Abteilungen und Panzerbataillone (sowjetische T-26 und BT-5). Das Vordringen der Faschisten wurde zeitweilig mehrmals unterbrochen. Am dritten Tag der Schlacht traf das Garibaldi-Bataillon direkt auf das Corpo Volontarie der Mussolini-Faschisten. Die Garibaldiner forderten ihre Landsleute zum Überlaufen auf. Katjuschka-Bomber greifen ein Obwohl die Zahl der Verteidiger auf über 20 000 anwuchs, waren ihnen die Mussolini-Faschisten (60 000 Mann) und Franquisten (10 000) an Zahl sowie an Panzern und Geschützen weiterhin überlegen. In pausenlosen Einsätzen wurden sie durch die "Legion Condor" und italienische Jäger unterstützt. Nach etwa einer Woche schwerer Kämpfe begann sich das Blatt zu wenden. Der republikanische Generalstab setzte fast 100 Jagdflugzeuge der sowjetischen Typen I-15 und I-16 sowie zwei Staffeln Tupolew SB-2 Bomber ("Katjuschka") ein, die vom Flughafen in Albacete starteten. Volksarmee und Interbrigaden fügten den Faschisten eine schwere Niederlage zu und warfen sie bis zum 23. März hinter ihre Ausgangsstellungen zurück. Von den 60 000 Soldaten des Mussolini-Korps war ein Drittel gefallen. Die Verteidiger erbeuteten große Mengen an Kriegsmaterial, darunter zahlreiche Artilleriegeschütze, gepanzerte Fahrzeuge und Maschinengewehre. In der Schlacht bei Guadalajara kamen zum ersten Mal die Waffenlieferungen der UdSSR und der Einsatz ihrer Militärs zur Wirkung, darunter vor allem die eingesetzten Jagdflugzeuge, Panzer und Geschütze, unter deren Piloten, Fahrern und Kanonieren sich auch sowjetische Spezialisten befanden. Nach offiziellen Angaben aus Moskau waren von den 2 064 Militärs, die nach Spanien kamen, 772 Flieger und 351 Panzerfahrer. Der Generalstab der Hitlerwehrmacht, der Spanien von Anfang an als Experimentierfeld seiner Waffen für den Zweiten Weltkrieg sah, schlussfolgerte aus dem Einsatz der Panzerwaffe, diese für seine künftige Blitzkriegstrategie in ihrer Qualität und Stoßkraft entscheidend zu entwickeln. Der Sieg bei Guadalajara war nicht nur ein militärischer Erfolg der Republik und der Volksfrontregierung, sondern ebenso ein politischer und moralischer. Die Träume Francos und seiner Verbündeten aus Berlin und Rom, mit der Einnahme der Hauptstadt einen raschen Sieg zu erringen, waren gescheitert. Vor allem für das Interventionskorps Mussolinis war es auch eine große moralische Niederlage, die dem antifaschistischen Kampf in Italien Auftrieb gab. Wie Hemingway es sah In Spanien wie bei den Freiheitskämpfern in aller Welt ist der Widerstand gegen den Faschismus für die Verteidigung der Republik bis heute unvergessen. Stellvertretend soll hier Ernest Hemingway, der als Kriegsberichterstatter in Spanien weilte, wiedergegeben werden. In seiner Kurzgeschichte "Nobody ever dies" (der ursprüngliche Titel war länger und lautete: "Niemand stirbt wirklich - weil Größe und Treue und Wahrheit eines jeden Lebens weiterleben") ließ er den kubanischen Interbrigadisten Enrique im Gespräch mit der Geliebten Maria im Angesicht des Todes sagen: "Aber am Ende war es keine Niederlage." "Wir haben die Besten verloren." "Doch, es war die Sache wert."
Erstveröffentlichung "Unsere Zeit" 16. März 2012 |
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