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Samstag, 31. März 2012

Nächste Veranstaltung des DDR-Kabinett-Bochum

Ich bin Bergmann, wer ist mehr?

Nach dem Ende des faschistischen Angriffskrieges stand - nicht nur - in Deutschland an erster Stelle der Wiederaufbau der zerstörten Produktionsanlagen und die Versorgung der Bevölkerung mit den grundlegendsten Gütern. Die USA beschlossen 1948 ein 'Europäisches Wiederaufbauprogramm' - bekannt als 'Marshall-Plan' Aus verständlichen Gründen lehnte dies die Sowjetunion ab, denn die Einbeziehung der osteuropäischen Länder in den US-amerikanischen Machtbereich konnte nur als erneute Bedrohung angesehen werden. So war der wirtschaftliche Wiederaufbau in der damaligen sowjetischen Besatzungszone aus eigener Kraft zu schaffen.

 Es tat sich jedoch zu Beginn ein Teufelskreis auf. Wer hungrig zur Arbeit geht, kann keine Höchstleistung vollbringen. Güter der alltäglichen Versorgung mussten jedoch erst produziert werden - und dies mit oft unzulänglichen Werkzeugen und knappem Material. Aber noch weitere Probleme führten zu mangelnder Arbeitsdisziplin und Materialverschwendung. Viele ehemalige faschistische Richter, Lehrer und sonstige Personen wurden zur Bewährung in die Produktion geschickt. Mit welchem Eifer sie dies taten, war an der hohen Zahl von Sabotageakten und Bummelschichten abzulesen. Aber auch viele Arbeiter, die sich als engagierte Gewerkschafter am Wiederaufbau beteiligten, verhielten sich mitnichten als Herren ihrer eigenen Geschicke. Erfahren im Kampf gegen Arbeitshetze und Ausbeutung hatten sie zu lernen, dass die Arbeitsergebnisse jetzt ihnen, und nicht fremden Herren zugute kamen.

 Wo also beginnen? Die Idee der Wettbewerbe entstand. Sie wurden organisiert von Betriebs-organisationen der SED, der Gewerkschaft IG Bergbau und des Jugendverbandes FDJ. Ausgetragen zwischen einzelnen Arbeitern, zwischen Schichtbelegschaften der Betriebe und in Folge zwischen Betrieben eines Industriezweiges hatten sie das Ziel, die Produktion mengenmäßig zu erhöhen. Im erzgebirgischen Oelsnitz wurde auf der Schachtanlage 'Karl-Liebknecht' eine Aktion besonderer Art vorbereitet. Nicht nur eine überdurchschnittlich hohe Fördermenge pro Schicht ist das Ziel. Nach dem Motto 'Verstand geht vor Körperkraft' soll das Zusammenspiel von guter Arbeitsorganisation, fachlichem Können und hohem Arbeitseinsatz demonstriert werden. Am 13. Oktober 1948 war es soweit: der Bergmann Adolf Hennecke förderte in gut geplanter Zusammenarbeit mit seinen Kollegen 380% des gesetzten Normsolls an Steinkohle.

Als andere Bergleute den Gedanken der eigenständigen Gestaltung ihres Arbeitsplatzes und den Aufbau funktionierender Kollektive aufgreifen und vergleichbare Erfolge vorzuweisen haben, weitet sich die Idee auf andere Bereiche der Wirtschaft in der DDR aus. Die Aktivisten-Bewegung war entstanden.

   Am Freitag, 27. April 2012 um 19:00 Uhr                                        
   ver.di Bezirk Bochum/Herne, Saal 1,
Universitätsstr. 76 (hinterer Eingang), 44789 Bochum

wird die Tochter des ersten Aktivisten Adolf Hennecke,
Hannelore Graff-Hennecke, in einer Lesung die Biographie ihres Vaters 'Ich bin Bergmann, wer ist mehr?' vorstellen. Mit ihr als Zeitzeugin wird es spannend, die Idee und Geschichte einer für viele von uns unbekannten Arbeitsmoral - Rekordleistung auf der Basis von Volkseigentum - zu diskutieren.

(Ein umfangreicher Bücher- und Infotisch zum Thema wird ebenfalls vorhanden sein.)



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