Von Arnold Schölzel in Junge Welt 03. April 2012
Am gestrigen Montag abend strahlte Das Erste den 90minütigen Dokumentarfilm »Der Sturz – Honeckers Ende« von Eric Friedler aus. Für zahlreiche Medien war das Anlaß für hochgradig erregte Berichterstattung. Der NDR, der den Film produziert hatte, lieferte bereits am Freitag in einer Pressemitteilung unter dem Titel »Margot Honecker gibt erstes TV-Interview seit mehr als 20 Jahren« eine Richtlinie zum richtigen Sehen: Sie sei die »einst mächtigste Frau der DDR, Volksbildungsministerin und Gattin des letzten Diktators auf deutschem Boden«. Anlaß, »sich etwa für das Agieren der Stasi oder für die Mauertoten zu entschuldigen«, sehe »die umstrittene Rentnerin weder für sich noch die DDR-Führung«. Den Tod derjenigen, »die in die Freiheit fliehen wollten und erschossen wurden«, bezeichne sie als »Dummheit«. Der NDR zitiert sie allerdings mit den Worten: »Es läßt einen nicht ruhig, wenn ein junger Mensch auf diese Weise ums Leben kommt. Man hat sich vor allem auch immer gefragt: Wieso hat er das riskiert?«
Ebenfalls am Freitag befaßte sich die FAZ ausführlich mit dem Film. Margot Honecker spreche darin »in aller Klarheit aus, was eine Partei wie Die Linke angesichts der allgemein obwaltenden Kritik an einem Finanzkapitalismus, der Staaten in den Ruin treibt und die Demokratie bedroht, unterschwellig in die Debatte einführt: Die DDR war das bessere Deutschland (…)«. Dem FAZ-Autor kommt es vor, als liege »zwischen dem Herbst 1989 und dem Herbst 2011, in dem dieses Interview geführt wurde«, nur ein Wimpernschlag. Folgerichtig ist sein Text in der Diktion des Kalten Krieges verfaßt – bis hin zu der Wendung, Erich Honecker habe sich 1991 »zu den Russen gerettet«.
Eine ähnliche Hilfestellung zum korrekten Verständnis veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung am Montag. Der Autor Gustav Seibt »beginnt« dort, das Ehepaar Honecker »physiognomisch zu lesen: als Chiffre einer autoritären Blockwart- und Hausmeisterpsychopathologie, die sich über ein ganzes Land zu legen vermochte.« Man müsse sagen, Margot Honecker sei keine Winifred Wagner. Die »Hitler bis zu ihrem Ende verehrende Bayreuther Festspielleiterin« sei »umso viel flackernd-interessanter wie das Dritte Reich verheerend-abgründiger war als der sowjetische Kasernenstaat DDR.« Analog berichteten Internetportale wie Spiegel online und tagesschau.de.
Am selben Tag veröffentlichte der Spiegel außerdem unter dem Titel »Gehörnte Böcke« einen Artikel über Akten der DDR-Staatssicherheit zum langjährigen Verteidigungsminister des Landes, Heinz Hoffmann. Die Zeitschrift kolportiert u.a. aus einem Bericht über »Saufgelage« in der Militärführung des ostdeutschen Staates (in den 60er Jahren) Details wie das folgende: »Ein General setzte sich im Suff neben seinen Stuhl, ein anderer fiel hin und kam nicht wieder hoch (…).«
Geschichtsbetrachtung dieser Art scheint allerdings nicht die erwünschte Wirkung zu entfalten. Dafür sprechen zahlreiche kritische Leserkommentare im Internet. Auf tagesschau.de hieß es: »So wie hier die Aufarbeitung erfolgt, wäre das auch im Blick auf die alte Bundesrepublik notwendig. (…) Ich habe erlebt, wie viele Freunde und Bekannte Berufsverbot erhielten, ich habe erlebt, wie Kommunisten ihrer Überzeugung wegen ins Gefängnis mußten. Ich habe selbst erlebt, wie in Heimen für sogenannte schwer erziehbare Jugendliche geprügelt und unmäßiger Druck ausgeübt wurde. (…) Wann wird sich jemand aus dem Kreis der Journalisten da rantrauen?«
Ebenfalls am Freitag befaßte sich die FAZ ausführlich mit dem Film. Margot Honecker spreche darin »in aller Klarheit aus, was eine Partei wie Die Linke angesichts der allgemein obwaltenden Kritik an einem Finanzkapitalismus, der Staaten in den Ruin treibt und die Demokratie bedroht, unterschwellig in die Debatte einführt: Die DDR war das bessere Deutschland (…)«. Dem FAZ-Autor kommt es vor, als liege »zwischen dem Herbst 1989 und dem Herbst 2011, in dem dieses Interview geführt wurde«, nur ein Wimpernschlag. Folgerichtig ist sein Text in der Diktion des Kalten Krieges verfaßt – bis hin zu der Wendung, Erich Honecker habe sich 1991 »zu den Russen gerettet«.
Eine ähnliche Hilfestellung zum korrekten Verständnis veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung am Montag. Der Autor Gustav Seibt »beginnt« dort, das Ehepaar Honecker »physiognomisch zu lesen: als Chiffre einer autoritären Blockwart- und Hausmeisterpsychopathologie, die sich über ein ganzes Land zu legen vermochte.« Man müsse sagen, Margot Honecker sei keine Winifred Wagner. Die »Hitler bis zu ihrem Ende verehrende Bayreuther Festspielleiterin« sei »umso viel flackernd-interessanter wie das Dritte Reich verheerend-abgründiger war als der sowjetische Kasernenstaat DDR.« Analog berichteten Internetportale wie Spiegel online und tagesschau.de.
Am selben Tag veröffentlichte der Spiegel außerdem unter dem Titel »Gehörnte Böcke« einen Artikel über Akten der DDR-Staatssicherheit zum langjährigen Verteidigungsminister des Landes, Heinz Hoffmann. Die Zeitschrift kolportiert u.a. aus einem Bericht über »Saufgelage« in der Militärführung des ostdeutschen Staates (in den 60er Jahren) Details wie das folgende: »Ein General setzte sich im Suff neben seinen Stuhl, ein anderer fiel hin und kam nicht wieder hoch (…).«
Geschichtsbetrachtung dieser Art scheint allerdings nicht die erwünschte Wirkung zu entfalten. Dafür sprechen zahlreiche kritische Leserkommentare im Internet. Auf tagesschau.de hieß es: »So wie hier die Aufarbeitung erfolgt, wäre das auch im Blick auf die alte Bundesrepublik notwendig. (…) Ich habe erlebt, wie viele Freunde und Bekannte Berufsverbot erhielten, ich habe erlebt, wie Kommunisten ihrer Überzeugung wegen ins Gefängnis mußten. Ich habe selbst erlebt, wie in Heimen für sogenannte schwer erziehbare Jugendliche geprügelt und unmäßiger Druck ausgeübt wurde. (…) Wann wird sich jemand aus dem Kreis der Journalisten da rantrauen?«

In der DDR haben die Generäle nicht nur mit Knarren im Sandkasten gespielt sondern sogar mal einen gesoffen?
AntwortenLöschenDie B"R"D Propaganda war auch schon mal besser.
Wäre aber interessant zu wissen, ob die Margot sich wenigstens eine Kopie der Aufnahmen geben lassen hat.
Zum 60. Jahrestag der DDR war ja auch ein schöner Film im Internet.
Sicher gibt es in der B"R"D auch bessere Interviewpartner als Das Erste.