Überblick über die internationale Solidaritätsarbeit der DDR
Um einen Überblick über die internationale Solidarität der DDR zu geben,
könnte über mehrere Stunden gesprochen werden. In dieser Solidaritäts-bewegung
vereinigten sich der Staat, die Parteien und die zivilgesellschaftlichen
Kräfte – wie es heute heißt - . In der DDR waren das die gebildeten Parteien,
Massenorganisationen und die in der Nationalen Front organisierten Bürger,
d.h. von Kindern bis zu Rentnern.
Insgesamt wurde die Solidarität der DDR, von staatlicher und
gesellschaftlicher Seite, für Länder und Völker der so genannten Dritten Welt
mit progressiven politischen und sozialen Zielen verbunden. Sie galt vor allem
jenen Ländern, die einen antikapitalistischern Weg einschlugen und diente den
Interessen und Erwartungen der Menschen dieser Völker. Es war eine Solidarität
von Mensch zu Mensch.
Die internationale Solidarität war von jeher ein der Arbeiterklasse und
aller fortschrittlichen Kräfte innewohnendes Charakteristikum. Das ist sie
auch heute noch. Ohne auf theoretische Fragen einzugehen, werde ich im
Zusammenhang mit der Entwicklung der DDR nach dem Zweiten Weltkrieg die aus
meiner Sicht drei wesentlichsten Abschnitte der internationalen Solidarität
herausarbeiten. Sie stehen natürlich in engem Zusammenhang mit der
Herausbildung sozialistischer Formen der gesellschaftlichen Entwicklung in der
DDR sowie mit dem Gang der internationalen Entwicklung.
Zum besseren Verständnis ist folgende periodische Einordnung vorzunehmen:
Die Periode seit Gründung der DDR bis zu ihrer weltweiten internationalen
Anerkennung.
Die Periode der aktiven und zielgerichteten Solidarität mit
Entwicklungsländern bis zum Ende der staatlichen Existenz der DDR.
Die willkürlichen Akte gegen das Solidaritätskomitee und insgesamt gegen
die DDR nach der Wiedervereinigung, sowie die damit vollzogenen und sich
weiter vollziehenden Veränderungen seit dieser Zeit und das Wirken der
geleisteten Solidarität bis heute.
Zur ersten Periode:
Obwohl die Bürger der DDR nach dem schrecklichen Zweiten Weltkrieg viele
eigene Probleme zu bewältigen hatten, leisteten die Werktätigen schon von 1950
an uneigennützige Hilfe für das koreanische und vietnamesische Volk. Es war
politisch-moralische und materielle Solidarität zugleich, also eine
Solidarität, die nicht nur auf die materielle Seite orientierte. Sie beruhte
ebenso auf Wechselseitigkeit und gegenseitigem Verständnis.
Die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg:
Die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges waren weltweit zu spüren. Das
Kolonialsystem brach in den Folgejahren in Afrika und Asien zusammen. Junge
Nationalstaaten, wie sie damals genannt wurden, entstanden. Wer sich mit der
Geschichte dieser Entwicklung befasst, weiß und sieht bis heute, dass den
Völkern dieser jungen Nationalstaaten die Souveränität, die Unabhängigkeit,
nicht in den Schoß fielen.
Die Entwicklungen verliefen mit unterschiedlichen Kampfformen. In Indien
erreichte die pazifistische Volksbewegung unter Mahatma Gandhi ihr Ziel. In
anderen Teilen der Welt tobte viele Jahre der bewaffnete Kampf. Das Ringen für
selbständige, von den Kolonialmächten unabhängige Staatswesen, war hart,
verlustreich jedoch am Ende erfolgreich.
Diese Ziele der nationalen Befreiungsbewegungen fanden unsere Unterstützung
und forderten auch unsere Solidarität heraus. Und mit der Erringung der
Unabhängigkeit suchten die jungen Nationalstaaten die internationale
Anerkennung, die ökonomische und kulturelle Zusammenarbeit mit anderen
Staaten.
Auch die DDR und ebenso die Bundesrepublik erwarteten nach ihrer Gründung
im Jahre 1949 die internationale Anerkennung bestehender Staaten. Die DDR
wurde von den damaligen sozialistischen Staaten anerkannt. Die westlichen
Staaten lehnten eine Anerkennung der DDR ab. Schon bestehende
Entwicklungsländer beugten sich dem Druck der westlichen Welt und zögerten mit
der diplomatischen Anerkennung. Nur mühsam gelang es der DDR, mit den
existierenden Staaten Handelsbeziehungen aufzunehmen und Handelsvertretungen
einzurichten. Die von der Bundesrepublik Deutschland verkündete
Hallstein-Doktrin verhinderte jahrelang diesen Prozess einer für alle Seiten
notwendigen und nützlichen Kooperation. Der Kampf der DDR um normale
diplomatische Beziehungen mit den Ländern der Dritten Welt vollzog sich
langsam, am Ende erfolgreich. Für manchen jungen Diplomaten abenteuerlich.
Die Hallstein-Doktrin war das ideologisches Druckmittel der Politik der BRD
gegen die DDR. Sie war auch gegen die Entwicklungsländer gerichtet und mit der
Drohung verbunden, die wirtschaftlichen Beziehungen und Formen der
Entwicklungshilfe einzufrieren. Die diplomatischen Beziehungen sollten
abgebrochen werden, falls die DDR anerkannt werden sollte. Die
Hallstein-Doktrin war – um es noch einmal deutlich zu sagen - ein Akt der
Ungerechtigkeit nicht nur gegenüber der DDR, sondern vor allem auch gegenüber
den Entwicklungsländern, die nach Erringung ihrer Unabhängigkeit im Kampf
gegen die vormaligen Kolonialmächte nach neuen Wegen suchten, sich politisch
und ökonomisch zu entwickeln, normale und freundschaftliche Beziehungen zu
allen Staaten der Welt herzustellen und zu unterhalten. Die Hallstein-Doktrin
der BRD war Unrecht und völkerrechtswidrig. Das muss auch heute noch deutlich
zum Ausdruck gebracht werden.
Für die von mir genannte 1. Periode möchte ich drei Beispiele nennen:
1964 nahm die DDR diplomatische Beziehungen mit Sansibar auf. Der
Bundesdeutsche Druck auf Sansibar und auf den kurz danach gebildeten
Zentralstaat Tansania führte zur Rücknahme des diplomatischen Status auf
Sansibar, jedoch anschließend zur Einrichtung eines Generalkonsulats der DDR
in Tansania. Folge: Die BRD setzte für mehrere Jahre die Entwicklungshilfe für
Tansania aus.
Die DDR unterstützte den lange währenden Befreiungskampf des algerischen
Volkes gegen die koloniale Unterdrückung durch Frankreich. Nach der
Unabhängigkeitserklärung 1962 kam es infolge des Druckes der BRD und mit
Unterstützung Frankreichs lediglich zur Einrichtung einer Handelsvertretung.
Schon in den 50erJahren entwickelte sich zwischen Ägypten und der DDR ein
reger Handelsaustausch. In beiden Hauptstädten wurden Handelsvertretungen
eingerichtet. 1965 besuchte Walter Ulbricht Ägypten. Obwohl bereits
Handelsvertretungen beider Staaten existierten und ein offizieller
Beauftragter der Regierung tätig war, kam es noch nicht zur vollen Aufnahme
diplomatischer Beziehungen. Der Besuch hatte jedoch weitreichende Folgen
hinsichtlich der Entwicklung der Handels- und kulturellen Beziehungen mit
Ägypten sowie zu anderen arabischen Staaten.
Die Zahl der Staaten, die unter dieser völkerrechtswidrigen Haltung der BRD
litten, ist zahlreicher als die vorher genannten Beispiele.
In der Periode des Strebens nach normalen bilateralen Beziehungen,
wirtschaftlichen und kulturellen Austausch, das möchte ich noch einmal
unterstreichen, waren es vor allem Antifaschisten, die während der Nazizeit
emigrieren mussten, große Erfahrungen in der politischen Arbeit hatten,
sprachkundig waren und sich in den Dienst der Außenpolitik stellten. Sie
nahmen Kontakte zu den schon existierenden jungen Nationalstaaten auf.
Besonders hervorzuheben ist, dass sie nicht scheuten, sich auch zu den noch
kämpfenden nationalen Befreiungsbewegungen zu begeben, um Kontakte und
Verbindungen herzustellen. Das war ein unvergesslicher Akt der Solidarität.
In dieser Zeit wurden die Grundlagen für die spätere Ausprägung der
gegenseitigen Zusammenarbeit und der internationalistischen Solidarität mit
und für Entwicklungsländer einer progressiven Orientierung gelegt.
Mir wurde oft die Frage gestellt, warum sich die progressiven Kräfte der
nationalen Bewegungen in den Entwicklungsländern schon zu diesem Zeitpunkt und
noch stärker in den späteren Jahren bis zum Ende der DDR, auf diesen, auf
unseren antifaschistisch-demokratischen Staat DDR orientierten und als
nachahmenswertes Vorbild ansahen.
Um es mit einfachen Worten zu sagen:
Die politisch handelnden Kräfte in den nationalen Befreiungsbewegungen
gingen davon aus, die kolonialistische Herrschaft und die kapitalistische
Ausbeutung abzuschaffen. Sie wollten ein ausbeutungsfreies politisches Regime
aufbauen, das sich auf sozialistische Werte orientierte. Und dieses Vorbild
sahen sie in den sozialistischen Ländern und vor allem auch in der DDR. Sie
wollten ein Bildungs- und Gesundheitssystem für alle Bürger verwirklichen und
eine solide wirtschaftliche Entwicklung in Gang bringen. Ein solches
Staatswesen war mit den kapitalistischen Staaten nicht zu erreichen. Deshalb
die Orientierung auf die damalige sozialistische Staatengemeinschaft und vor
allem auf die DDR.
Zur zweiten Periode:
Im Jahre 1969 brach die Hallstein-Doktrin zusammen. Das damalige
fortschrittliche Baath-Regime im Irak und die Regierung von Kambodscha nahmen
diplomatische Beziehungen zur DDR auf. Diesem Schritt folgten eine Reihe
weiterer arabischer Staaten. Endgültig besiegelt wurde das Thema
Hallstein-Doktrin mit der Aufnahme beider deutscher Staaten in die UNO und mit
den Vereinbarungen von Helsinki über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
Anfang der 70er Jahre.
Das solidarische Engagement der DDR begann – wie schon erwähnt - bereits zu
Beginn der 50er Jahre. Zu einzelnen Ländern, wie Vietnam, Kuba und Nikaragua,
wird ja auf dieser Konferenz noch gesprochen. Deshalb möchte ich in erster
Linie auf die politisch-ideologischen Probleme und dann auf den Umfang der
solidarischen Leistungen insgesamt eingehen.
Die DDR hatte ein von den politischen Parteien und Massenorganisationen
mehrheitlich akzeptiertes Konzept für die internationale Solidarität. Es galt,
vor allem den Völkern und Staaten solidarische Unterstützung zu gewähren, die
einen nichtkapitalistischen Entwicklungsweg proklamierten. Im Verlaufe der
Jahre gab es bei uns teilweise kontroverse inhaltliche Diskussionen über die
in verschiedenen Ländern festgeschriebenen programmatischen Ziele. So u.a.
über den Weg zu einer Volksdemokratie, einer
nichtkapitalistisch-demokratischen Ordnung oder für eine sozialistische
Orientierung. In allen Fällen – das möchte ich betonen – wurde richtig
eingeschätzt, dass es sich um einen progressiven, überwiegend
antikapitalistischen Entwicklungsweg handelte. Das war für die solidarische
Unterstützung die wegweisende Richtung für alle zivilgesellschaftlichen und
staatlichen Institutionen der DDR. Und immer ging es um die am wenigsten
entwickelten Länder. Mehr will ich dazu nicht sagen.
Fassen wir zusammen:
In der DDR gab es kein Ministerium für Entwicklungshilfe. Staatliche
Hilfsmaßnahmen ergaben sich durch Gespräche und Verhandlungen auf Grund von
Wünschen der Partner und infolge der Erfahrungen bei der Entwicklung der
bilateralen Beziehungen. Sie wurden durch Beschlüsse des Ministerrates und des
Sekretariats des ZK der SED in die Wege geleitet. Ähnlich verlief es bei den gesellschaftlichen Organisationen. Es gab immer
große Erwartungen. Verschiedene Ministerien waren eingebunden. Die
zivilgesellschaftliche Hilfe und Unterstützung wurde durch die
Massenorganisationen und zunehmend vom Solidaritätskomitee der DDR realisiert.
Zum besseren Verständnis:
Wir hatten es in der DDR im Wesentlichen mit drei unterschiedlichen
organisatorischen Formen in der Solidaritäts- bzw. Entwicklungszusammenarbeit
mit den jungen Nationalstaaten in Afrika, Asien und Lateinamerika zu tun:
Entwicklungszusammenarbeit und Solidarität des Staates vor allem bei der
Realisierung von industriellen Projekten, der Kreditgewährung, dem kulturellem
Austausch usw.
Die Solidarität der einzelnen gesellschaftlichen Organisationen in der
Zusammenarbeit mit ihren Partnerorganisationen. Das erfolgte unabhängig von
den Leistungen an und über den zentralen Solidaritätsfonds beim
Solidaritätskomitee.
Die Solidarität, die anfangs über die Solidaritätsausschüsse und später
über das Solidaritätskomitee realisiert wurde, also über den zentralen
Solidaritätsfonds, auf den alle Massenorganisation den größten Teil der
Spenden ihrer Mitglieder einzahlten.
Deutlich ist zu sagen: es gab eine weit reichende, freundschaftliche und
dem Inhalt der Solidaritätsarbeit angemessene konstruktive Zusammenarbeit
zwischen den staatlichen Organen und den zivilgesellschaftlichen Kräften.
Die politisch-moralische Solidarität stand von Anfang an im Zentrum der
Aktivitäten und vollzog sich über all die Jahre. Diese Seite der Solidarität
ist hervorzuheben. Unzählige Beispiele müssten hier angeführt werden. Auf die
vielen Aktivitäten der Parteien und Massenorganisationen wie auch des Staates
kann nicht im einzelnen eingegangen werden. Einige Beispiele sollen hier
genügen.
Solidarität mit den griechischen Freiheitskämpfern, gleich nach Ende des
Zweiten Weltkrieges.
Solidaritätsbekundungen für die im Unabhängigkeitskampf befindlichen Völker
in Afrika, Asien und Lateinamerika.
Solidarität mit eingekerkerten Patrioten wie Louis Corvalan, Angela Davis,
Nelson Mandela und vielen anderen.
Solidarität mit den Verfolgten des Pinochet-Regimes in Chile wie auch mit
den Verfolgten des Apartheid Regimes im südliche Afrika.
Zu den Solidaritätsleistungen:
Nur die wesentlichsten Leistungen der Solidarität der DDR gegenüber den
Ländern, die für die DDR Schwerpunkte waren, können genannt werden. Aus
zeitlichen und übersichtlicheren Gründen wird die gesamte Zeit der Existenz
der DDR für diese Leistungen einbezogen. Einige prägende Beispiele, die auch
heute noch im Bewusstsein vieler DDR-Bürger wie auch von vielen Bürgern der
Entwicklungsländer sind, müssen genannt werden. Die DDR als kleines Land, das
war ja verständlich, musste die solidarischen Leistungen konzentrieren:
Welche Schwerpunktländer gab es für die Solidaritätsarbeit:
Asien: Vietnam, Laos und Kambodscha
Afrika: Angola, Mosambik, Äthiopien sowie die nationalen
Befreiungsbewegungen des ANC/Südafrika und der SWAPO/Namibia
Arabischer Raum: VDR-Jemen, PLO – Palästinensische Befreiungsbewegung
Lateinamerika: Kuba, Chile, Nikaragua
Wobei hinzugefügt werden muss, dass auch gegenüber zahlreichen anderen
Ländern und Befreiungsbewegungen solidarische Hilfe geleistet wurde.
Die Unterstützung für den ANC, die SWAPO und die PLO war für diese
Bewegungen eine politisch bedeutsame und effektive Hilfe. Die klare Position
der DDR - zum Unterschied zur BRD – ist den hier Anwesenden sicher bekannt und
es braucht nicht weiter darauf eingegangen zu werden.
Seitens der DDR war es für diese Bewegungen zuerst eine
politisch-moralische dann zunehmend auch materielle Unterstützung. 1978
erfolgte die Einrichtung von diplomatischen Vertretungen für die genannten
Befreiungsbewegungen in der DDR, die beim Solidaritätskomitee akkreditiert
wurden.
Zahlreiche junge Bürger erhielten in der DDR eine Ausbildung. Sie erfolgte
teilweise auch in den Flüchtlingslagern. Kranke und verwundete Kämpfer wurde
medizinisch behandelt. Die Zentralorgane dieser Bewegungen („Sechaba“ /ANC, –
„Namibia today“ /SWAPO) wurden in der DDR gedruckt und versandt. Auf
internationalen Konferenzen erfolgte eine deutliche Unterstützung für die
politischen Forderungen der Befreiungsbewegungen.
Bildung/Ausbildung
Die größte und bedeutsamste solidarische Leistung der DDR für die
Entwicklungsländer erfolgte auf dem Gebiet des Bildungswesens. Das war ein
wichtiger Schwerpunkt mit großer Nachhaltigkeit in der Solidaritätsarbeit.
Aus den Entwicklungsländern kamen sich wiederholende Bitten, junge Menschen
zur Ausbildung in der DDR aufzunehmen oder auch Ausbildungsstätten in ihren
Ländern zu errichten und Pädagogen aus der DDR zu entsenden.
Bereits 1950 kamen die ersten jungen Menschen aus Afrika, aus Kamerun, in
die DDR.
Von dieser Zeit an bis 1990 erhielten ca. 200 000 Bürger aus
Entwicklungsländern, die Zahl sollte man sich merken, eine berufliche Aus- und
Weiterbildung in der DDR.
In dieser Zahl sind nicht die in Zehntausende gehenden Vertragsarbeiter aus
Vietnam, Mosambik, Algerien u.a. Ländern enthalten, die dabei auch eine
Ausbildung durchliefen.
Hervorzuheben ist, dass über 30 000 junge Menschen aus Afrika, Asien und
Lateinamerika in dieser Zeit ein Hoch- und Fachschulstudium in der DDR
absolvierten. Zahlreiche dieser Absolventen übernahmen nach ihrer Rückkehr
verantwortungsvolle Funktionen im Staatsapparat, in der Wirtschaft sowie im
Bildungs- und Gesundheitswesen.
Hinzuzufügen ist, dass mit Stand vom 1. Januar 1989 noch 2643 Personen zur
Berufsausbildung und 9407 zum Studium an Hoch- und Fachschulen in der DDR
befanden.
Diese Zahlen sprechen für sich!
Was ist in diesem Zusammenhang noch bemerkenswert. Die DDR legte viel Wert
darauf, dass diese jungen Menschen in ihre Heimat zurückkehren, dort am
Wiederaufbau teilnehmen und für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung
zur Verfügung stehen. Die DDR wandte sich gegen den brain drain, gegen die
Abwerbung in kapitalistische Länder. Sie forderte sogar, den betroffenen
Ländern eine Entschädigung für die abgeworbenen Fachkräfte zu zahlen.
Einige konkrete Beispiele aus den Anfangsjahren und im Verlaufe der
Existenz der DDR müssen bei dieser Gelegenheit genannt werden. Viele Bürger
haben das vergessen oder nicht gewusst:
In den 50er und 60 Jahren nahm die DDR infolge der kriegerischen Ereignisse
in Korea und Vietnam mehrere Hundert Kinder in der DDR auf. Sie fanden im
damaligen Käthe-Kollwitz-Heim in Moritzburg bei Dresden eine vorübergehende
Heimat. Sie erhielten eine vorzügliche Betreuung und Ausbildung. Viele dieser
„Moritzburger“ fanden wir später in verantwortlichen Funktionen in ihren
Heimatländern.
Später: In gleicher Weise nahm die DDR 1979 Waisenkinder der SWAPO aus
Namibia auf.
Das Kinderheim in Bellin bei Güstrow ist auch heute noch bei vielen
Namibiern in guter Erinnerung. Es war ihre zweite Heimat. Kindergarten,
Schule, ab 5. Schuljahr in Staßfurt, für einige dann das Abitur und Studium.
1989 lebten in Bellin noch 134 namibische Kinder.
Im September 1982 wurde in Staßfurt die Schule der Freundschaft für 900
Kinder aus Mosambik eröffnet. Das war eine Initiative der Regierung. Die
Schule wurde jedoch in den Folgejahren ein Solidaritätsobjekt unterstützt mit
Spenden über das Solidaritätskomitee. Die pädagogische Verantwortung lag in
den Händen des Volksbildungsministeriums. Ziel war, den Kindern eine gute
Schulbildung und danach eine Berufsausbildung oder sogar ein Studium zu
ermöglichen. Das Projekt hatte viele Befürworter, aber auch Kritiker. Das es
1989/90 abgebrochen und beendet wurde, lag nicht an den Pädagogen der DDR. Und
die Probleme und Schwierigkeiten bei dem überstürzten Abbruch der Ausbildung
und ebenso unvorbereiteten Rückkehr kann man nicht der DDR in die Schuhe
schieben.
Die Medizinische Fachschule in Quedlinburg, 1961 gegründet, war ein Zentrum
für die Ausbildung von mittleren medizinischen Personal, wie z.B.
Krankenschwestern und –pfleger, Hebammen, Feldscheren und Medizinpädagogen.
Gerade dieses mittlere medizinische Personal wurde in den Entwicklungsländern
gebraucht.
Erst einmal genug mit diesen Beispielen. Bei den anderen Vorträgen werden
sicher noch weitere genannt werden.
Die direkte Ausbildung in der DDR war die eine Seite. Die andere war u.a.,
dass Lehr- und Lernmittel für die Bildungssysteme in zahlreichen Ländern zur
Verfügung gestellt wurden. Die Alphabetisierungskampagnen wurden nachhaltig
gefördert, u.a. durch sogenannte Alphabetisierungs-Sets. Auf diesem Gebiet
erfolgte eine bemerkenswerte Zusammenarbeit mit UNICEF. Und nicht zuletzt
erfolgte eine weitgehende Unterstützung für Universitäten und Hochschulen.
Das umfangreichste Projekt auf dem Gebiet der Überwindung des
Analphabetentums waren die Bereitstellung von Schulbüchern. Angefangen hatte
es mit Mosambik (FRELIMO) und Guinea-Bissau, wo ca. 300 000 Mathematikbücher
in portugiesisch geschickt wurden. Für
Nikaragua wurden nach 1979 Schulhefte, Schreibblöcke usw. übermittelt. Die
solidarische Unterstützung gipfelte dann in der pädagogisch gemeinsamen
Herausgabe von 3,5 Mio. Schulbüchern für alle Fächer der Klassen 1-3, die in
der DDR gedruckt wurden.
Darüber hinaus wurden in einige Länder Druckereien mit Solidaritätsmitteln
installiert, um die Herstellung eigener Schulbücher usw. zu ermöglichen.
Gesundheitswesen:
Die Hilfe und Unterstützung für das Gesundheitswesen war ein weiterer
sozialer Schwerpunkt der Solidaritätsarbeit.
In der DDR erfolgte die kostenlose Heilbehandlung von Kranken und
Verwundeten an verschiedenen medizinischen Einrichtungen. Im
Gesundheitszentrum in Berlin-Buch wurde eine besondere Solidaritätsstation zu
diesem Zweck eingerichtet.
Auf die medizinische Unterstützung für Vietnam und Nikaragua wird in
weiteren Vorträgen eingegangen. In Vietnam ist der Ausbau von Krankenhäusern
und die Errichtung eines Orthopädietechnisches Zentrum hervorzuheben. In
Nikaragua wurde das größte medizinische Solidaritätsobjekt der DDR realisiert.
Bemerkenswert die Hilfe für Äthiopien: Seit 1979 unterstützte das
Solidaritätskomitee in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium die
Ausbildung von Ärzten an der Medizinischen Fakultät Gondar. Bis 1989 waren
über 150 Experten, Ärzte, Medizinpädagogen der DDR in Gondar tätig. Ab 1984
konnten jährlich etwa 60 Studenten ihr Medizinstudium abschließen. An der
Karl-Marx-Universität in Leipzig erfolgte die Ausbildung von 25
wissenschaftlichen Nachwuchskräften.
In Nordwesten von Äthiopien wurde ein Tropenhospital errichtet, wo täglich
300 – 350 Personen, hauptsächlich Frauen und Kinder, ambulant behandelt
wurden. Darüber hinaus waren 40 Betten ständig belegt.
Auf die vielen kleineren Projekte wird hier nicht eingegangen.
Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung
Bei der Entwicklung einer neuen wirtschaftlichen und wissenschaftlich
technischen Basis in Entwicklungsländern und dem Aufbau industrieller Projekte
leistete die DDR einen auch heute noch spürbaren wertvollen Beitrag.
Die Möglichkeiten für den Aufbau derartiger Projekte wuchsen im Verlaufe
der Entwicklung einer industriellen Basis in der DDR. Zementwerke, Zucker- und
Textilfabriken u. a. wurden errichtet. Im Rahmen der Handelstätigkeit wurden
Projekte der Infrastruktur, des Verkehrswesen, der Landwirtschaft sowie
Kleinindustrie und Werkstätten für verschiedene handwerkliche Tätigkeiten
unterstützt und Maschinen und Werkzeuge geliefert.
Die progressiven Entwicklungsländer hatten, ebenso wie die DDR, unter dem
von den Westmächten verhängten Embargos zu leiden. Die solidarischen
Aktivitäten wurden dadurch, wie durch die Hallstein-Doktrin, in
Mitleidenschaft gezogen.
Keinesfalls darf vergessen werden, dass im Rahmen der Solidarität für das
Bildungs- und Gesundheitswesen sowie der wirtschaftlichen,
wissenschaftlich-technischen Hilfe und Unterstützung, mehrere Zehntausend
Experte im Ausland, vor allem in den Entwicklungsländern, tätig waren. Dabei
spielten die Jugendbrigaden der Freien Deutschen Jugend (FDJ), die vom
Solidaritätskomitee vertraglich gebundenen Experten – wie auch die durch
verschiedene Massenorganisationen eingesetzten Kräfte - eine nicht
unbedeutende Rolle.
Als Beispiel der Verbindung wirtschaftlicher Hilfe mit der Solidarität sei
hier nur Mosambik erwähnt. Dort leisteten Unternehmen der DDR, hier konkret
Werktätige aus dem Stein- und Braunkohlebergau aus dem Kombinat „Schwarze
Pumpe“ Hilfe bei der Wiederingangsetzung des Steinkohlebergbaus im Norden
dieses Landes. Im Gebiet von Moatize in der Provinz Tete wurden die
wirtschaftlichen Maßnahmen durch solidarische Leistungen unterstützt. Mit der
Einrichtung eines Kultur- und Sozialzentrums wurde für die Bergarbeiter und
Bewohner der Region ein soziales, bildungspolitisches und medizinisches
Zentrum geschaffen. Es wurde 1982 seiner Bestimmung übergeben und ist der
Wende, wie so vieles andere, zum Opfer gefallen.
Wertung:
Zu dem bisher Gesagten ist festzustellen:
Die progressiven Entwicklungsländer waren auf der Suche nach einer
Alternative zur Überwindung der kolonialen Herrschaft und ihrer Strukturen.
Die Gesamtkonzeption in der außenpolitischen und solidarischen Politik der
DDR stand in Übereinstimmung mit der internationalen Entwicklung, das
sozialistische Weltsystem und die progressiven Kräfte in Afrika, Asien und
Lateinamerika zu stärken. Zunehmend wurde natürlicherweise seitens der DDR die
Frage des gegenseitigen Vorteils angesprochen. Manchmal wurden die eigenen
Möglichkeiten überschätzt.
Die DDR hat sich nicht in den inneren Entwicklungsweg eingemischt, ihr
eigenes System diesen Kräften nicht aufgedrängt. Die Funktionäre der
Entwicklungsländer, meist im Westen ausgebildet, haben sich immer eine
Hintertür offen gehalten, um ihren Machterhalt zu sichern.
Trotz des Zusammenbruchs des sozialistischen Weltsystems konnten sich
Regimes in Entwicklungsländern an der Macht halten. Sie mussten Abstriche von
ehemaligen Zielen vornehmen.
Der Wegfall der Blockkonfrontation hatte vor allem in Afrika große spürbare
negative Auswirkungen. Seit ca. 2000 ist zu sehen, dass mit der Entdeckung
bedeutender Bodenschätze, vor allem Erdöl und spezieller Erze, die
imperialistischen Staaten ihren Einfluss dort zu verstärken suchen. Die Armut
der Bevölkerung ist für sie zweitrangig.
Mitte 2007 weilte der ehemaliger Vizepräsident von Mosambik, Marcelinho dos
Santos, in Berlin. Er erklärte zu den Entwicklungen der vergangenen Jahre:
„Nach der Herstellung des Friedens waren wir müde, wir haben uns in einer
ausweglosen Lage dem internationalen Finanzdiktat gebeugt. Wir sind unseren
Weg zu einer sozial gerechten Gesellschaft nicht weitergegangen, sondern
mussten das kapitalistische Modell akzeptieren.“ (SODI-Report 3-2007). Das
sagt alles.
Nur eine kurze Bemerkung zur solidarischen Hilfe und Unterstützung bei
Naturkatastrophen:
Sie erfolgte weltweit, jedoch in unterschiedlicher finanzieller und
materieller Höhe.
Erinnernswert waren die solidarischen Leistungen bei den schweren Erdbeben
in Armenien 1988 und Rumänien 1989. Letztere wurden noch bis über das Ende der
DDR hinaus realisiert.
Zur dritten Periode:
Wie war das möglich? Wie konnte diese Hilfe und andere
Solidaritätsmaßnahmen nach dem Anschluss der DDR an die BRD fortgesetzt
werden?
Generell endeten mit dem Ende der DDR auch ihre Entwicklungs- und
Solidaritätsprojekte. Sie aufzuzählen lohnt sich nicht. Aus eigenen
Erfahrungen möchte der Autor dazu folgendes feststellen.
Zuerst einige Bemerkungen zum Solidaritätskomitee/SODI. Am 6. Oktober 1990,
also 3 Tage nach der Einheit, wurde der Solidaritätsdienst-international (SODI)
als eingetragener Verein entsprechend den Gesetzen der Bundesrepublik
gegründet und als e. V. ordnungsgemäß beim Amtsgericht registriert.
An diese Zeit erinnert sich der Autor mit sehr unterschiedlichen Gefühlen.
Viele Jahre in ehemaligen Kolonien tätig, kann das Vorgehen der BRD-Organe
gegen das Solidaritätskomitee/SODI nur mit kolonialistischen Methoden
verglichen werden. Mit Blick auf die neue Welt ist dieses Vorgehen als
neokolonialistisch zu bezeichnen.
Mit einer Verfügung der Treuhandanstalt vom 13. August 1991, dem 30.
Jahrestag des Mauerbaus, wurden bei SODI, dem Rechtsnachfolger des
Solidaritätskomitees, alle Konten gesperrt und die weitere Realisierung der
laufenden entwicklungspolitischen Projekte untersagt. Das erfolgte, obwohl die
Unabhängige Kommission Parteivermögen der DDR festgestellt hatte, dass das
Solidaritätskomitee ordentlich mit den Spendengeldern umgegangen war und nicht
weiter überprüft wird. Die Einzelheiten sind im Buch des Autors „Nie vergessen
– Solidarität üben“ (ISBN 3-89706-871-0) ausführlich beschrieben. Deshalb wird
hier nicht im einzelnen darauf eingegangen.
Kurz gesagt:
Das Solidaritätskomitee/SODI verfügte zu diesem Zeitpunkt über 53 Mio. DM
Spendenmittel der Bevölkerung der DDR. Es waren Spenden, die von Millionen
Bürgern, einschließlich von Angehörigen der bewaffneten Organe, auf die
vielfältigste Weise erbracht und auf das Solidaritätskonto überwiesen worden
waren. Das war Ergebnis der humanistischen Überzeugung, die der DDR und ihren
Bürgern innewohnte. Und diese Spenden, um 1960 jährlich ca. 2 Mio. und in den
80er Jahren durchschnittlich 200 Mio. Mark der DDR jährlich, sollten einen
anderen Verwendungszweck zugeführt und das bisher Geleistete diskreditiert
werden.
Funktionäre der Treuhand forderten in ideologischer Verblendung, diese
Mittel den alten „kommunistischen“ Funktionären der SED zu entziehen. Es waren
„Allmachtphantasien“ und eine „Keule der diskriminierenden Behandlung“ gegen
das Solidaritätskomitee, wie es der vertretende Rechtsanwalt bezeichnete.
Diese diskriminierende Politik richtete sich gegen die Millionen Bürger der
DDR, die dieses Geld gespendet hatten.
Nach monatelangen gerichtlichen Auseinandersetzungen wurde erreicht:
Der Solidaritätsdienst-international e.V. (SODI) kann seine Tätigkeit
fortsetzen. Ihm standen rd. 13 Mio. DM für die weitere Arbeit zur Verfügung.
SODI gründete mit 33 Mio. DM die “Stiftung Nord-Süd-Brücken“, die auch
heute noch existiert und die entwicklungspolitischen Vereine in den neuen
Bundesländern in ihrer Arbeit unterstützt.
Weitere Mittel, 1,3 Mio. DM, erhielten – entgegen den Richtlinien des
Finanzamtes – die neu gebildeten Vereine, und der Staat gemäß Einigungsvertrag
5,0 Mio. DM.
Dieser Entscheidung liegt der Kompromiss zu Grunde, nicht jahrelang zu
prozessieren, sondern die weitere zivilgesellschaftliche Entwicklungsarbeit zu
fördern.
Das erfolgte, um die laufenden Projekte in Vietnam, Laos, Kambodscha, für
Namibia, Südafrika, Angola, Mosambik, Madagaskar sowie in Lateinamerika für
Nikaragua und Chile, in Europa für Rumänien und die Sowjetunion (Tschernobyl)
weiter zu fördern.
Obwohl es seitens der BRD kein Interesse gab, auch nur einen kleinen Teil
ehemaliger DDR-Projekte – nicht einmal auf nichtstaatlichem Gebiet -
realisieren zu lassen, wurde diese Solidarität durch SODI fortgesetzt.
Für die Entwicklungsländer war das Ende der Blockkonfrontation und der
Wegfall der DDR ein Schock. Wirtschaftliche, wissenschaftlich-technische
Kooperation und zivilgesellschaftliche Unterstützung wurden abrupt beendet. Im
Aufbau befindliche industrielle Projekte wurden gestoppt, ihr Weiterbau
verzögert und in manchen Fällen gänzlich eingestellt. Dennoch, so erklärte der
ehem. mosambikanische Vizepräsident dos Santos in dem o.g. Interview, „kommen
wir nicht umhin, die Realitäten klar zu erfassen und die Menschen auf den
weiteren Entwicklungsweg mitzunehmen. Dieser Weg soll unter allen Umständen
ein friedlicher sein.“
Abschließend noch eine Bemerkung zu Unterschieden DDR – BRD in der
zivilgesellschaftlichen entwicklungspolitischen Arbeit:
In der DDR waren die entscheidenden Kräfte die demokratischen
Massenorganisationen, wie die Gewerkschaften, Frauen-, Jugend- und
Bauernorganisationen. Sie stimmten überein, Solidaritätsmaßnahmen zentral über
das Solidaritätskomitee zu leiten. Dadurch war es möglich, sich auf
Schwerpunkte und einen effektiven Einsatz der Mittel zu konzentrieren.
In der BRD finden sich auf diesem Feld der Solidarität Hunderte, ja
Tausende Vereine. Jeder mit dem Anspruch, das Richtige zu tun.
Armutsbekämpfung, Hilfe zur Selbsthilfe und eine entwicklungspolitische
Bildungsarbeit, das ist das anvisierte Ziel der zivilgesellschaftlichen
Kräfte, einschließlich der Kirchen. Der Staat konzentriert sich auf zum Teil
inhaltsvolle technisch-wissenschaftliche und kulturelle Projekte, die
vorwiegend den Interessen der Wirtschaftskreise entsprechen.
Hier treten deutlich die unterschiedlichen gesellschaftspolitischen
Konzepte DDR – BRD in Erscheinung. Mehr ist dazu nicht sagen.
Mitte 1990 gab es noch wenige Vereine in der Noch-DDR, deren Ziel es war,
entwicklungspolitische solidarische Aktivitäten in den Mittelpunkt ihrer
Arbeit zu stellen. Inzwischen gibt es mehrere Hundert solcher Vereine, die
Spenden sammeln und diese für entwicklungspolitische Projekte einsetzen bzw.
einsetzen wollen. Alle hoffen auf Zuwendungen der Stiftung Nord-Süd-Brücken,
privater Sponsoren und von staatlichen Institutionen. Sie realisieren
vornehmlich kleinere Projekte, deren Wirkung örtlich, höchstens regional zur
Entfaltung kommt. Und es sind mehrheitlich so genannte Projekte der
entwicklungspolitischen Bildungsarbeit im eigenen Lande. Es ist hier nicht
sinnvoll, im einzelnen darauf einzugehen.
Zum Schluss ist festzustellen:
Die gesamte Solidarität der DDR in Zahlen auszudrücken, ist bisher nicht
errechnet worden. Es sind schon allein mehrere Milliarden DDR-Mark, wenn die
Ausbildungsleistungen in Geld umgerechnet würden. Weitere Milliarden wurden
erbracht durch die Leistungen der Werktätigen, der Lehrer und Ausbilder, Ärzte
und Krankenschwestern. All dies aufzuzählen, ist nicht Sinn dieser
Zusammenfassung über die Solidarität der DDR gegenüber Entwicklungsländern und
Nationalen Befreiungsbewegungen. Der moralische Wert der Solidarität überwiegt
den finanziellen.
Nicht nur SODI als Nachfolger des Solidaritätskomitees, als die verkörperte
Solidarität der DDR, sondern auch andere gesellschaftliche Institutionen in
der Bundesrepublik machen die Erfahrung, dass die von der DDR geleistete
Solidarität in den Köpfen und Herzen vieler Menschen in Afrika, Asien und
Lateinamerika weiter lebt und die Erfahrungen des sozialistischen
Entwicklungsweges der DDR mit seinen sozialen Errungenschaften belebend in
vielen Ländern wirkt.
Der Versuch, einen gerechten sozialistischen Staat in der DDR aufzubauen
und Entwicklungsländern auf ihren Weg in eine bessere Zukunft zu unterstützen,
wurde durch die internationalistische Solidarität in die Welt hinausgetragen
und wird deshalb weiter leben.
Es lebe die internationale Solidarität!
(Achim Reichardt, ehemaliger Generalsekretär des Solidaritätskomitees der DDR und erster Geschäftsführer von Solidaritätsdienst-international e.V.)
Diesem Beitrag hier gebe ich meine volle Zustimmung. Das eine oder andere hätte m. E. (habe ich es überlesen?) noch erwähnt werden müssen, so denke ich an die in der Vorweihnachtszeit vom Deutschlandsender - der späteren "Stimme der DDR" - über Jahrzehnte unter dem Motto: "Dem Frieden die Freiheit" ausgestrahlten Solidaritätskonzerte, an denen sich unzählige Kollektive und Einzelpersonen mit Spenden beteiligten und natürlich auch an die Solidarität mit Kuba nach der „Wende“. Aber das war auf der Konferenz, wie erwähnt, ja ein spezielles Thema. Die „Wende“ hätte der Autor natürlich besser in Anführung setzen sollen.
AntwortenLöschenEine Ergänzung sei noch getattet zu der am Anfang des Vortrages wesentlichen Bemerkung auf die Nationale Front – zunächst des demokratischen Deutschlands – der DDR, wo neben den im demokratischen Block vertretenen Parteien und Massenorganisationen ebenso auf kommunaler Ebene die Wohnbezirksausschüsse in den Wahlkreisen wirkten, worin auch die Betriebe und Einrichtungen mit ihrer territorialen Verantwortung eingebunden, angefangen vom Nationalen Aufbauwerk (NAW) bis zu „Mach mit – schöner unsre Städte und Gemeinden!“ in der zuletzt unter Federführung der Nationalen Front gestalteten "Bürgerinitiative", teil hatten. Hier bestand eine in sich gewachsen historische Form solidarischer Zusammengehörigkeit mit kommunistischen Keimen. Die Nationale Front insgesamt – ist insofern als nationale Solidaritätsbewegung und als höchster Ausdruck organisierter Demokratie zu bezeichnen, die sich ebenso dem proletarischen Internationalismus verpflichtet fühlte.
Apropos Bananen. Die haben wir - im Gegensatz zu Westdeutschland - stets teuer bezahlt – und das mit der „Wende“ tragisch im doppelten Sinne.
PS:
AntwortenLöschenElf Buchstaben, die es in sich haben
Kennst du das Wort, das auch Berge versetzt?
Wie nötig es ist, doch immer - auch jetzt!
Sichtbar und unsichtbar - lebendig, konkret.
Ein Begriff für all die Schwachen ist die Solidarität.