| Exponate aus dem Sportbereich der DDR im DDR-Kabinett-Bochum |
In der Stunde Null 1945 – nach dem barbarischsten aller Kriege – war in beiden Teilen Deutschlands sportpolitisch die Ausgangslage gleich. Der Westen orientierte sich bei seiner Neugründung an den überkommenen Traditionen. In der "Ostzone", durch die sowjetische Besatzungsmacht geprägt, wollte man völlig neue Wege gehen. „Sportler sein ist gut – Sportler und fortschrittlicher Mensch sein dagegen besser!“ So lautet eine Losung, als sich im Osten 1948 der Deutsche Sportausschuss konstituierte. Eigentlicher „Chef“ dieser Bewegung blieb bis 1952 der Vorsitzende der FDJ – Erich Honecker. Dann wurde er durch Manfred Ewald, eine schillernde sportpolitische Persönlichkeit, ersetzt. Dauerhafte und bis zum Ende gültige Strukturen entstanden 1957 mit der Gründung des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB). Dieser besaß eine zentrale Leitung und territoriale Gliederung in Bezirken und Kreisen. Hießen bis 1945 in Deutschland Sportvereine oft „Teutonia“ oder „Borussia“, wollte man nun das Alte und Reaktionäre wegräumen. Das Neue der Vereine im Osten hieß „Fortschritt“, „Vorwärts“ oder „Aktivist“. Nach der Gründung des DTSB 1957 wuchs dieser schnell bis Mitte der 80er Jahre auf 3,5 Mio. Mitglieder an – eine stolze Zahl für dieses kleine Land.
Die IOC-Aufnahme
Aber um weltweite Aufmerksamkeit zu finden, um bei den Olympischen Spielen teilzunehmen, war eine Anerkennung durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) erforderlich. Als sich 1951im Osten ein Nationales Olympisches Komitee (NOK) gegründet hatte, war dies zugleich der Start der innerdeutschen sportpolitischen Streitereien. Da es laut IOC in jedem Land nur ein NOK geben konnte – und das geteilte Deutschland war in den Augen des IOC nur ein Land – wurde ein ostdeutsches NOK neben dem Westdeutschlands als überflüssig angesehen. Erst 1965 durch das Akzeptieren des „deutschen Ist-Zustandes“ durch das IOC, wurde der DDR eine eigenständige Teilnahme an den Olympischen Spielen zugestanden.
| Exponate aus dem Sportbereich der DDR im DDR-Kabinett-Bochum |
Die Spartakiaden
In der DDR bildete sich mit DTSB und NOK zentrale Organe, das dem Sport die besten Bedingungen schaffen sollte.
Leistungssportler wurden „Diplomaten in Trainingsanzügen“ und genossen von Kindesbeinen an eine besondere Förderung. Aber auch die 1963 gegründeten Betriebsportgemeinschaften (BSG) kümmerten sich um die Ausbildung der Spitzensportler. „Nebenbei“ wurde noch ein großzügiges Sportanlagenprogramm in der DDR durchgeführt. Von 1971 bis 1988 betrugen die Investitionen mehr als ein Milliarde Ostmark. Nach 1960 entstand ein komplexes System von Jugendspartakiaden, woran Hunderttausende DDR-Bürger teilnahmen. Jeder Schüler sollte auch ein guter Schwimmer sein, ihm sollte die Angst vor dem Sprung über den Kasten genommen und eine lückenlose Sichtung der Talente sollte gewährleistet werden – das war der Gedanke der Sportspartakiaden.
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| Olympische Spiele Seoul 1988 - Foto "Jahrbuch des Sports '88" |
Ein Star von vielen: Kristin Otto
Kristin Otto – später ZDF-Reporterin – genoss eine solche staatliche geförderte Ausbildung. In ihren Klassen saßen durchschnittlich nur 8,2 Schüler. Seit 1981 zählte die talentierte Schwimmerin zu einem besonderen Kaderkreis. Für diese Gruppe war oft Einzelunterricht und Schulzeitverlängerung bis zu vier Jahren angesagt. Um diese Mehrbelastungen für die Schulen abzufangen, wurden in der DDR tausend Pädagogen zusätzlich eingestellt. In ihrer dreijährigen Vorbereitungszeit zum Abitur erhielt Kristin Otto – Tochter eine Physikprofessors – Einzelunterricht. 1988 wurde ihr das Reifezeugnis (Note gut) überreicht. Dreieinhalb Monate danach wurde sie sechsfache Olympiasiegerin. Die Spartakiaden fußten auf der Idee auf unterer Ebene alle Kinder einzubeziehen und die sportlich Talentiertesten – wie Kristin Otto – herauszufinden. Ein äußerst erfolgreiches System. Bisher von niemandem kopiert. Ein System, welches der DDR half, sich erfolgreich neben den Sportgiganten USA und UDSSR zu behaupten. Ein System, welches zu den erfolgreichsten und weltweit bewunderten Errungenschaften des „anderen Deutschland“ zählte.
Ein System, welches nach der „Wende“ um so mehr von denen zerrissen wurde, die diese Niederlage auf dem populären Feld der Alltagskultur Sport empfanden. Zu den Verleumdungen und Verdrehungen gehörte z. B: die Aussage: Der Osten hat gedopt – der Westen nicht. Eine Lüge – wie wir heute wissen.
Werner Bischoff

Regrettably this "wir" is restricted enough … Andreas and his genossen have much work in front of them.
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