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| Avers der Auszeichnung "Verdienter Lehrer des Volkes"- aus dem Archivbestand des DDR-Kabinett-Bochum e.V. |
Die erste Etappe der Entwicklung des Bildungswesens der DDR wurde mit dem im Mai/Juni 1946 in den Ländern der Sowjetischen Besatzungszone verabschiedeten „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule" eingeleitet. Am 12. Juni 1946 hatten alle Landesverwaltungen dem Gesetz ihre Zustimmung gegeben. Fünf Jahre später, 1951, wurde dieser Tag erstmalig als „Tag des Lehrers" begangen.
Die Entscheidung, den 12. Juni zum „Tag des Lehrers" zu erklären, war Ausdruck der Anerkennung der großen Leistungen der Pädagogen, die sie tagtäglich für die Bildung und Erziehung der Jugend erbrachten. Ihr humanistischer Auftrag, alle Kinder des Volkes zu allseitig entwickelten Persönlichkeiten zu bilden und zu erziehen, erforderte ein hohes pädagogisches Engagement. Sie erzogen und bildeten die Jugend mit Klugheit, Liebe und Umsicht und bereiteten sie auf das Leben im Sozialismus vor. Sie konzentrierten sich in ihrer Tätigkeit auf die Erteilung eines qualifizierten Unterrichts, förderten die außerunterrichtliche Tätigkeit der Schülerinnen und Schüler und unterstützten sie bei der Gestaltung ihrer Freizeit. Lehrer und Erzieher wirkten bei der Erfüllung ihrer Aufgaben eng mit den Eltern und den von ihnen gewählten Vertretungen zusammen.
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Die Regierung der DDR widmete den Arbeits- und Lebensbedingungen der Pädagogen große Aufmerksamkeit. Mehrere Gehaltserhöhungen, eine zusätzliche Altersversorgung, die schrittweise Verringerung der Unterrichtspflichtzahl auf 21-23 Stunden pro Woche, die schrittweise Verringerung der Klassenfrequenzen auf durchschnittlich 21-22 Schüler pro Klasse, spezielle Arbeitserleichterungen für Lehrerinnen und Erzieherinnen mit eigenen Kindern sowie eine jährliche gehaltsabhängige zusätzliche Vergütung am „Tag des Lehrers" sind Ausdruck der Fürsorge und Wertschätzung der Lehrer und Erzieher durch die sozialistische Gesellschaft.
Der „Tag des Lehrers" war in der DDR aber nicht nur ein Symbol der hohen Wertschätzung und Achtung der Pädagogen. Er war auch Ausdruck der Tatsache, dass sich die DDR auch im Bildungswesen auf alles Wertvolle in der Vergangenheit stützte, es bewahrte und für die Lösung der neuen Aufgaben nutzte.
Am „Tag des Lehrers" erhielten Pädagogen die „Pestalozzi-Medaille für treue Dienste". Damit wurde an einen Pädagogen erinnert, dem das Wohl des Volkes und seiner Kinder tiefstes Anliegen des Herzens war und dessen Wirken sowohl für die Neulehrergeneration als auch für alle später ausgebildeten Pädagogen Richtschnur ihres pädagogischen Handelns war.
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| "Pestalozzi-Medaille" in Gold, Silber und Bronze aus dem Bestand des DDR-Kabinett-Bochum e.V. |
Der „Tag des Lehrers" ist auch mit dem Namen des bedeutenden fortschrittlichen Pädagogen des 19. Jahrhunderts, Friedrich Adolf Wilhelm Diesterweg, verbunden. Die an diesem Tag ausgezeichneten „Verdienten Lehrer des Volkes" erhielten die „Diesterweg-Medaille". Diesterweg forderte eine gediegene wissenschaftliche Ausbildung aller Lehrer; er forderte von ihnen, am politischen Tagesgeschehen teilzunehmen, er rief sie zur ständigen eigenen Weiterbildung auf. Er wollte einen Lehrer, der sich durch ein hohes Berufsethos auszeichnet.
In den 50er Jahren erhielten nicht wenige Lehrer und Erzieher am „Tag des Lehrers" die „Wander-Medaille". Karl Friedrich Wilhelm Wander – ein Freund Diesterwegs – war im vollen Sinne des Wortes ein wahrer Volkslehrer. Seine Freunde nannten ihn in der Mitte des 19. Jahrhunderts den „roten Wander". Bald wurde das zu seinem Ehrennamen. Er kämpfte für die Einheit der Lehrerschaft: „Lasset uns als Brüder arbeiten an dem großen Werke, das uns anvertraut ist: an der Bildung des deutschen Volkes!" Diese Worte stammen aus einem1848 geschriebenen „Aufruf an Deutschlands Lehrer".
Und schließlich ist der „Tag des Lehrers" auch mit dem Namen des antifaschistischen Widerstandskämpfers, des Kommunisten Dr. Theodor Neubauer verbunden. In seiner 1920 in Erfurt erschienenen Schrift „Die Erziehung der sozialistischen Gesellschaft" entwickelte er einen Grundriß der inhaltlichen Gestaltung der sozialistischen Schule, in deren Mittelpunkt die Verbindung von Unterricht und Arbeit stand. Der Kampfgefährte von Clara Zetkin, Reichstagsabgeordneter und führender Funktionär der Kommunistischen Partei wurde von den Faschisten gehasst und verfolgt. Er gab sein Leben für seine politischen und pädagogischen Ideale. Die „Theodor-Neubauer-Medaille" wurde am „Tag des Lehrers" verliehen als Anerkennung für beispielhafte Verdienste bei der Erziehung der Jugend und beim Aufbau eines sozialistischen Schulwesens.
Rückblickend auf die Jahre der DDR gilt:
Die Lehrer und Erzieher in der DDR waren sich in ihrer überwiegenden Mehrheit ihrer großen Verantwortung immer bewusst und wurden zu Recht nicht nur am „Tag des Lehrers" geachtet, anerkannt und gewürdigt!
Und die Tatsache, dass es in der BRD einen solchen Tag des Lehrers nicht gibt und auch in der alten BRD nie gegeben hat, und dass das Bildungswesen der BRD unsozial ist und das Bildungsprivileg der Reichen bedient, verdeutlicht ein weiteres Mal, was die DDR geschaffen und geleistet hat und was für grundlegende Veränderungen in der BRD erforderlich sind und erkämpft werden müssen.
Prof. Dr. habil. Günter Wilms
Vizepräsident und Institutsdirektor an der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR



Zunächst sei hier zu ergänzen, daß der Autor auch Verfasser des im Wiljo Heinen Verlag erschienenen Buches "Perspektive Menschenbildung" mit dem Untertitel "Argumente und Anregungen für eine demokratische Bildungsreform" ist. Und damit sind keinesfalls die besorgniserregenden Bestrebungen der Monopole gemeint, immer mehr direkten Einfluß auf die Bildungsausrichtung für die Maximierung der Profite zu nehmen. In der heutigen Zeit, wo Wissenschaft sowohl eine wesentliche Produktivkraft als auch u. a. durch den Einfluß der Bundeswehr im Auftrag der Monopole - so ebenfalls der Rüstungsindustrie zur Destruktivkraft geworden ist, hat sich m. E. gleichermaßen der ideologische Gehalt der Bildung enorm erhöht. Deshalb waren z. Bsp. auch die Freundschaftspionierleiter, die ersten, die die Restauration des reaktionären Gesellschaftssystems á la BRD mit Entlassung zu spüren bekamen. Bildung des Volkes, das erfordert die Einheit aller demokratischen Kräfte und deswegen bestand auch eine sich im Laufe der Entwicklung auf dem sozialistischen Wege unbedingt tiefgehende Verschmelzung von Schule, Elternhaus und der Pionierorganisation "Ernst Thälmann" und Freier Deutscher Jugend sowie der Verbindung über sozialistische Patenschaften mit Brigaden aus den Volkseigenen Betrieben von Industrie und Landwirtschaft bei der Erziehung und allseitigen Entwicklung der Heranwachsenden. Nicht unerwähnt lassen möchte ich, daß beispielsweise die stellvertretenden Direktoren der Polytechnischen Oberschulen auch verantwortlich waren für die außerunterrichtliche Erziehung. An den Schulen und in den Pionierhäusern, in den Stationen Junger Techniker existierten eine Vielzahl von Zirkeln und Arbeitsgemeinschaften. Der DTSB der DDR (Deutscher Turn- und Sportbund) zeichnete auf allen Ebenen gemeinsam mit der FDJ für die Spartakiadebewegung in den Trainingszentren Verantwortung.
AntwortenLöschenVolksbildung, das bedeutet die erklärte gesellschaftlich-demokratische Tagesaufgabe für die Erziehung allseitig gebildeter sozialistischer Persönlichkeiten. Und das war nur mit der Sicherung des Friedens möglich. Deswegen kam auch der bewußten patriotischen Erziehung zur Verteidigung eben dieser ersten humanistischen Pflicht fürs Leben unter Klassenkampfbedingungen zwischen Imperialismus und Sozialismus, zwischen der Welt des Friedens und der der Ausbeutung und Aggression eine prinzipiell-staatliche Bedeutung im Sinne von Sein oder Nichtsein zu.
Grundlegende Veränderungen, um an Günter Wilms Forderung anzuknüpfen in der BRD, hießen das divide et impera abzuschaffen, also das imperialistische Herrschaftssystem. Unsere Volksbildung trug Pioniercharakter, dessen Wesen nur im Sozialismus zum Tragen kommen konnte und kann. Wer, wenn nicht unsere Volksbildungsministerin bringt das besser als Ehrung der Lehrer zum Ausdruck. Margot Honecker sagt in ihrem Buch des Verlags DAS NEUE BERLIN "Zur Volksbildung" im "Gespräch mit Frank Schumann" absolut zutreffend auf Seite 176: "Wir hatten, ... eine Schule, die in der Welt hohe Anerkennung genoß und von vielen Ländern (z. Bsp. Finnland übernahm viele Grundzüge im Rahmen der Möglichkeiten des kapitalistischen Systems - Einfügung E.R.) für ein humanistisches Bildungswesen gesehen wurde. Dahinter verblassen zu Recht die Unzulänglichkeiten und Ärgernisse, die es überall gibt. Sie als das Wesentliche hervorzukehren und anzuprangern provoziert doch die Frage: Warum und mit welcher Absicht? Unterm Strich bleibt: Die meisten Frauen und Männer, die in der Volksbildung tätig waren, können stolz auf ihre ordentliche Arbeit sein. Die meisten Kinder, die durch diese Schule gingen, sind ihnen unverändert dankbar."