| Auswahl von Exponaten der FDJ im DDR-Kabinett-Bochum. |
Nach der Bildung beider deutscher Staaten entwickelte sich die FDJ Westdeutschlands als ein organisatorisch, politisch und programmatisch eigen- und selbstständiger Verband mit einem Zentralbüro in Frankfurt, dann in Düsseldorf. Sie gab sich sowohl als Organisation der Freizeitgestaltung wie auch als jugendpolitische Kampforganisation. 1950/51 trat die kulturelle Freizeitgestaltung zurück. Sie wurde nahezu ausschließlich eine Widerstandskraft gegen Remilitarisierung mit patriotischer Motivation. Die FDJ war zu einem Vortrupp von jungen Friedenskämpfern und jungen Patrioten geworden.
Ende August 1950 richtete Bundeskanzler Adenauer, von Max Reimann „Quisling“ und von Kurt Schumacher „Kanzler der Alliierten“ genannt, ein geheimes „Sicherheitsmemorandum“ an die Alliierte Hohe Kommission. In ihm erklärte er die Bereitschaft, „ein deutsches Kontingent im Rahmen einer europäischen Streitkraft“ aufzustellen. Adenauer überging mit diesem Angebot das Kabinett. Diese Ungeheuerlichkeit führte zu einer Empörung des Bundesinnenministers und zu dessen Rücktritt aus der Regierung am 9. Oktober. Zu gleicher Zeit fand im Kloster Himmelpfort in der Eifel ein Geheimtreffen ehemaliger Wehrmachtsoffiziere statt. Beschlossen wurde eine „Denkschrift zur Wiederbewaffnung, in der die Aufstellung einer deutschen Armee vorgeschlagen wurde. Wenig später wurde die Dienststelle Theodor Blank, die Vorläuferin des deutschen Kriegsministeriums, geschaffen.
Das Jahr 1951 wurde für die FDJ zu einem Schicksalsjahr. Es begann am 22. Januar mit einer Ehrenerklärung des NATO-Oberbefehlshabers Dwight D. Eisenhower für die deutschen Soldaten. Tage darauf gab der amerikanische Hohe Kommissar John McCloy einen Gnadenerlass für inhaftierte Kriegsverbrecher bekannt. Das war der Anfang der Rehabilitierung des deutschen Militarismus. Durch die Bereitschaft der USA, die Deutschen auch als militärische Bündnispartner anzuerkennen, erlebte die bereits begonnene Remilitarisierung einen alarmierenden Auftrieb. Es entstand ein breites Spektrum militaristischer und neofaschistischer Organisationen. Gründung des „Stahlhelm – Bund der Frontsoldaten“, des „Fürsorgerings ehemaliger Soldaten“ und des „Verbandes deutscher Soldaten“, der Dachorganisation einer ganzen Reihe von Soldatenvereinen, gegen die die westlichen Alliierten nichts einzuwenden hatten, waren schreckliche Beweise für die Renaissance des deutschen Militarismus. Eine der schlimmsten Ausgeburten war die Gründung einer paramilitärischen Geheimorganisation der NATO und CIA, „Gladio“, innerhalb des Bundes Deutscher Jugend(BDJ) gegen den Kommunismus. „United Press“ berichtete, dass selbst Kurt Schumacher und Carlo Schmidt der Meinung waren, dass die Soldatenbünde insgesamt toleriert werden sollten und dass es keinen Grund gebe, ehemalige Angehörige der Waffen-SS anzufeinden.
Die Allianz von USA-Besatzungsmacht, Adenauer-Regierung und deutscher Militaristen war eine Verschwörung und Provokation. Als solche wurde sie auch von der FDJ und Teilen der Jugend aufgefasst. Sie beförderte den emotionalen Protest, dem sich der Jugendverband als Jugendorganisation des Antimilitarismus und Antifaschismus verschrieb.
Die westdeutsche FDJ hatte mit zahlreichen Aktionen begonnen, sich der Remilitarisierung zu widersetzen. Das war durch das im Grundgesetz verankerte Demonstrationsrecht (Artikel 8) legitimiert. Sie trat dem US-amerikanischen Verlangen „German Boys to the Front“ entgegen, engagierte sich in der Bewegung “Ohne uns“, fand sich nicht mit dem Plan des Pentagon ab, im Falle eines Krieges den Loreleyfelsen und Brücken in die Luft zu sprengen. FDJler machten Sprenglöcher zu und riskierten dabei Verhaftungen wie die von Walter Ziemer in Regensburg. Sie landeten sechsmal auf Helgoland, um die Insel vor einer völligen Zerstörung zu retten. Die FDJ veranstaltete trotz Verbot, verteilt über die ganze Bundesrepublik, einen Tag der 100 000 Friedenskämpfer. Um der Wiedervereinigung zu dienen, half sie bei der Organisierung von 30 000 westdeutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmern am ersten Deutschlandtreffen in Berlin. Um einen der Drahtzieher der Remilitarisierung Deutschlands zu entlarven, veranstaltete die FDJ in Reichweite des Petersberges, dem Sitz der Hohen Kommissare, eine Friedensmanifestation.
Die Wiederbewaffnung Westdeutschlands erwies sich als das Ergebnis einer verfassungswidrigen und –feindlichen Verschwörung der USA, der Adenauer-Regierung und der wieder erwachten deutschen Militaristen bei Tolerierung durch SPD-Führer.
Eines der ersten Opfer dieser Verschwörung wurde die Freie Deutsche Jugend. Sie wurde am 26. Juni 1951 verboten. Mit dem Verbot sollte die konsequenteste jugendliche Widerstandskraft gegen Remilitarisierung und für die Wiedervereinigung Deutschlands in die Verbannung der Illegalität und in die politische Isolationshaft geschickt und aus dem politischen Leben herauskatapultiert werden. Dies gelang aber nicht. Die illegale Freie Deutsche Jugend Westdeutschlands lebte und kämpfte weiter. ...
Ab Frühjahr 1951 konzentrierte sich Politik und Praxis der FDJ in Westdeutschland auf die Unterstützung der Volksbefragung zu der Frage: „Sind Sie gegen die Remilitarisierung und für den Abschluss eines Friedensvertrages in Deutschland im Jahre 1951?“ . Vor keiner Aktion in der damaligen Zeit hatten die USA-Besatzung und die Adenauer-Regierung eine solche Angst wie vor diesem Volksbegehren. Es wäre ein Mehrheitsvotum gegen die schon laufende Remilitarisierung und das erste Beispiel für die Ergänzung der parlamentarischen Demokratie durch direkte Demokratie gewesen. Die Volksbefragung wurde am 24. April verboten. Verboten wurden damit auch elf Organisationen, die diese Aktion durchführten, an deren dritter Stelle die FDJ genannt wurde. ....
Die Verfolgung von FDJlern und das Verbot ihrer Veranstaltungen nahmen in den folgenden Jahren ihren brutalen Lauf. Im ersten Halbjahr 1953 wurden 165 FDJ-Funktionäre inhaftiert. In der Zeit zwischen 1950 und März 1955 wurden 1 409 FDJlerinnen und FDJler zu Haftstrafen verurteilt. Jupp Angenfurt erhielt 11 Jahre Zuchthaus, Wolfgang Seiffert vier Jahre Gefängnis. Andere Funktionäre wie Willi Gerns und Sepp Meyer wurden zwischen ein und drei Jahren eingekerkert.
Die FDJ sollte für immer mundtot gemacht werden. Das gelang jedoch nicht, wenn auch mit vielen Opfern, Rückschlägen, inneren Kräfteverlusten, einem infolge der Verhaftung des Leiters des Zentralbüros (ZB), Jupp Angenfort, notwendigen Führungswechsel auf den Autor dieses Beitrages und später auf Richard Kumpf. Die FDJ existierte und kämpfte in Westdeutschland als Verband bis zum Sommer 1956. Sichtbare Beweise hierfür waren die Ermordung von Philipp Müller am 11. Mai 1952, die Deutschlandtreffen, die Weltfestspiele 1953 in Berlin und die Mitarbeit von FDJlerinnen und FDJlern in verschiedenen demokratischen Jugendorganisationen.
Herbert Mies
1951 bis März 1953 Mitglied des Sekretariats des zentralen Büros der FDJ in der BRD;
März 1953 bis 1956 Leiter des Zentralen Büros,
Mitbegründer der DKP 1968, deren Vorsitzender von 1973 bis 1990.
Ein herzlich dankender Gruß von "FREUNDSCHAFT" an den Freund der Jugend und Genossen Herbert Mies für diesen dokumentarisch aufschlußreichen Geschichtsbeitrag!
AntwortenLöschenSinngebende Freie Deutsche Jugend
Ein Menschenleben, dem Sinn nach erzählt,
Speist aus der Jugend. Wem sie fehlt,
Ist zu bedauern, geschichtslos fast -
Liegt sich fortwährend selbst zur Last.
Die Jugend ist frei und von Neugier erfüllt,
Im Drang, zu erobern ihr eigenes Bild,
Benötigt Vertrautsein, Erfahrung als Kraft.
Nur Bücher ergeben nicht Wissenschaft.
Jugend beweist sich, sozial opportun,
Erkennend, wo all ihre Kräfte ruh’n.
Wer führt sie zum Plan, zum Erwachsensein,
Verantwortungsvoll, ohne Heiligenschein?
Die Antwort ist praktisch, bewiesen bis heut’
Durch die Arbeiterklasse. Doch wer sie scheut,
Vergißt auch den Kampf für die eigne Partei
Und spürt nicht den Herzschlag, der in ihm sei.
Die Jugend, sich nähernd der Freiheit als Ziel,
Braucht organisieret ihr Klassengefühl.
Im Gang der Epoche den Fortschritt verheißt,
Wer auch Sonnenaufgänge symbolisch preist.
PS:Im Text steht steht korrekt das Datumsverbot 26.Juni 1951, das harmoniert aber nicht ganz mit der Überschrift, wo der 25. des Monats ausgewiesen ist.
Danke für den Hinweis mit dem Datum. Habe die Überschrift entsprechend geändert.
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