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| Teilnehmerausweis 1951 aus dem Archivbestand des DDR-Kabinett-Bochum. |
Die professionellen DDR-Hasser erfinden immer wieder Gründe, neue Greuelmärchen unter die Leute zu bringen. Wenn ich die Nachrichtenkolporteure am Bildschirm erlebe, muß ich stets auf die wildesten Ungereimtheiten gefaßt sein. Doch was wissen denn solche Leute eigentlich von unseren Anfängen, von der Freude junger Menschen, die in ihrer Freizeit den unendlichen Trümmerbergen ihrer Städte zu Leibe rückten und selbst dabei noch Spaß hatten! Wir freuten uns damals unbeschreiblich, als die im Frühjahr 1946 - vor nunmehr 65 Jahren - gegründete Freie Deutsche Jugend nicht nur in den Weltbund der Demokratischen Jugend (WBDJ) aufgenommen wurde, sondern überdies den Auftrag erhielt, im Sommer 1951 die III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Berlin auszurichten. Zuvor - 1949 - war bereits eine Abordnung der FDJ nach Budapest gereist, um dort am II. Festival teilzunehmen.
In vom Bombenkrieg verschonten Gebäuden Berlins wurde durch die Hausgemeinschaften überall auf den Dachböden für Schlafplätze gesorgt. Viele Mieter kümmerten sich liebevoll um die bei ihnen untergebrachten Jugendlichen. Auch Schulen und sämtliche erhalten gebliebenen öffentlichen Bauten dienten als Quartier für das große Fest. Den jungen Menschen aller Hautfarben und Rassen bereitete die Bevölkerung in dieser vom Krieg schwer gezeichneten Metropole einen überwältigenden Empfang. Dabei ist in Erwägung zu ziehen, daß die Deutschen in ihrer Gesamtheit noch sechs Jahre zuvor der rassistischen und völkerverhetzenden Indoktrination der Faschisten ausgesetzt gewesen waren, was internationalistische Solidarität auf dem Boden ihres Landes um so eindrucksvoller erscheinen ließ.
Damals sangen wir ein wunderbar eingängiges Lied, dessen erste Strophe mir noch heute im Ohr klingt:
im August, im August blüh'n die Rosen.
Die Jugend der Welt zieht als Gast bei uns ein,
und der Frieden wird gut und uns näher sein.
Im August, im August blüh'n die Rosen."
In den Heimatländern der insgesamt 26.000 Teilnehmer aus 104 Staaten war zuvor - oft genug gegen den Willen der dort Herrschenden, die mit Repressalien drohten oder diese auch anwandten - Geld zur Finanzierung der Reise gesammelt worden. In Berlin trafen die Abgesandten aus aller Welt mit zwei Millionen Jugendlichen und 20 000 Jungen Pionieren aus der DDR zusammen.
Auch in der BRD bereitete man sich - im entgegengesetzten Sinne - auf die III. Weltfestspiele vor. Wenige Monate vor deren Eröffnung - im April 1951 - wurde die westdeutsche FDJ für verfassungsfeindlich erklärt und verboten. Das konnte aber die Teilnahme von 35.000 Jugendlichen aus der BRD und Westberlin nicht verhindern, obwohl bis Ende Juli etwa 6000 an der Grenze aufgegriffene FDJler durch die bundesdeutsche Polizei zwangsweise in ihre Wohnorte zurückgeführt worden waren.
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| Blaue Mütze für Teilnehmer an den Weltfestspielen 1951 aus dem Bestand des DDR-Kabinett-Bochum. |
"Berlin - Stadt der Jugend" lautete ein Slogan der Gastgeber des Festivals, der aber so nicht zutraf. Die alte deutsche Hauptstadt bestand zu jener Zeit nämlich aus vier Sektoren, die eintreffenden Jugendlichen wurden indes nur im vormals sowjetischen Sektor, den man damals schon als Demokratischen Sektor bezeichnete, empfangen und untergebracht.
Aus taktischen Gründen und zur Irreführung der Öffentlichkeit lud der Westberliner Bürgermeister Ernst Reuter (SPD) - ein besonders übler Renegat, der früher einmal der KPD angehört hatte - die FDJler und deren ausländische Freunde dazu ein, sich ein "warmes Essen" abzuholen.
Die jungen Leute wollten von dem Angebot Gebrauch machen und zogen mit Kampf- und Jugendliedern unter ihren Fahnen zu den Sektorengrenzen. Dort wurden sie von Wasserwerfern und Knüppelgarden des sozialdemokratischen Polizeipräsidenten Dr. Stumm brutal attackiert, wobei es zahlreiche Verletzte gab. Diese mußten zum Teil in Krankenhäusern stationär versorgt werden.
So handelten jene, welche unter dem Geläut der "Freiheitsglocke" am Schöneberger Rathaus ohne Unterlaß die Vorzüge ihrer "Demokratie" gepriesen hatten. Natürlich behaupteten die Medien der Bourgeoisie unisono, die FDJler aus der "Sowjetzone" hätten in den Westsektor "einrücken" wollen.
1973 war in Berlin die Weltjugend dann noch einmal zu Gast, wobei das X. Festival einen anderen Charakter trug. Die Jugend der DDR war inzwischen selbstbewußter geworden, die Sportveranstaltungen erinnerten fast an Olympiaden, die diplomatische Anerkennung des sozialistischen deutschen Staates nahm ihren Lauf. Doch zugleich war ein Hauch des Kalten Krieges zu spüren. Personen aus der BRD, die in der DDR wegen ihres provokatorischen Auftretens nicht unbekannt waren, erhielten vorsorglich keine Einreisegenehmigung, was wiederum zur Verschärfung antikommunistischer Aktivitäten führte.
Obwohl wir - inzwischen zu Großeltern geworden - diesmal die menschliche Wärme von 1951 ein wenig vermißten, trug auch dieses Festival ungeachtet seines bisweilen plakativen und pompösen Charakters zur Festigung der Solidarität unter den jungen Menschen aus aller Welt bei. Unvergessen bleibt mir, daß die erst im Jahr zuvor freigekämpfte afroamerikanische Kommunistin Angela Davis auf der Abschlußkundgebung das Gelöbnis der Teilnehmer sprach.
Noch einmal möchte ich auf die anfangs erwähnten Nachrichtenkolporteure der bürgerlichen Medien zurückkommen, die in aller Regel keine Ahnung von der Wirklichkeit der DDR haben, aber bedenkenlos die ihnen aufgegebenen Sprüche klopfen.
Doch was immer sie auch vom Stapel lassen: Damals hat die Welt erfahren, daß Solidarität in der DDR kein leeres Wort gewesen ist. Als international anerkannter deutscher Friedensstaat, der keine geringe Rolle in der UNO spielte, stellte sie das von der ersten Stunde ihrer Existenz an unter Beweis.
Trotz der Niederlage bin ich mir sicher: Auch wenn es noch lange dauern sollte - die Zeit wird kommen, in welcher unser Stern, den heute so manche für erloschen halten, seine alte Leuchtkraft wiedererlangen und den Ausgebeuteten aller Erdteile den Weg zu ihrer Befreiung erhellen wird. Dann dürfte man sich auch jenes Liedes erinnern, das wir im Sommer 1951 voller Inbrunst und Begeisterung wieder und wieder gesungen haben: "Im August, im August blüh'n die Rosen ..."


Weltfestspiele der Jugend und Studenten - eine Erinnerung die man nie vergisst. Meine Eltern hatten 1951 die Möglichkeit an den III. Weltfestspielen teilzunehmen. Meine Frau und ich waren dann bei den X. Spielen dabei. Dagegen ist ein Kirchentag der blanke Dr...
AntwortenLöschenIch bin Jahrgang 1945 und war zur Zeit der Weltfestspiele 6 Jahre.
AntwortenLöschenMeine Eltern nahmen ein junges Mädchen bei uns auf und über uns im Haus hatte noch ein junges Mädchen Quartier. Der Wohnhaus-Dachboden wurde mit Stroh ausgelegt und dort waren die Schlafstellen mehrerer Weltfestspiele-Teilnehmer.
Ich war oft abends mit auf dem Dachboden, wenn gesungen wurde.
Die Fröhlichkeit der jungen Leute hatte ich direkt miterleben können.
Kann mich noch sehr gut an diese turbulenten Tage erinnern.