Am 23. November 2012 konnten wir erfolgreich die Wanderausstellung der "Ernst-Thälmann-Gedenkstätte - Ziegenhals" in Essen eröffnen. Alle Besucher waren beeindruckt von den sorgfältig und informativ gestalteten Ausstellungs-tafeln des Freundeskreises der Gedenkstätte und den ergänzenden Exponaten aus dem DDR-Kabinett-Bochum. Nachfolgend dokumentieren wir die inhaltlichen Beiträge und einige Fotoeindrücke der Ausstellung.
Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Genossinnen und
Genossen,
wir freuen uns sehr, dass die Wanderausstellung nun im
Ruhrgebiet, hier in Essen Station machen kann – dafür wollen wir uns erstmal
bei allen, die das möglich gemacht haben herzlich bedanken, vor allem bei
Andreas und Brigitte vom DDR-Kabinett Bochum und bei der DKP für die
Bereitstellung der Räume in der DKP-Parteizentrale.
Wir können selbst leider nicht anwesend sein, um die
Ausstellung hier bei Euch zu eröffnen,
aber wir wollen jedoch auf diesem Weg mit einigen Worten zur Eröffnung der
Wanderausstellung in Essen beitragen.
Die Wanderausstellung der
Ernst-Thälmann-Gedenkstätte ist unsere Antwort auf den Abriss, also die
Schändung und Zerstörung der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals, im Mai
2010.
Dass diese Antwort richtig war, und
dass es richtig war den Kampf um die Ernst-Thälmann-Gedenkstätte, um das
Andenken an Thälmann und seine Genossinnen und Genossen weiter zu führen, dass
hat die große Zustimmung für unseren Kampf und unser Vorhaben beweisen, aber
auch ein Teilerfolg, den wir im August 2011 erringen konnten – dazu mehr am
Schluss.
Die Ausstellung der
Ernst-Thälmann-Gedenkstätte selbst hat bereits ihre eigene Geschichte. Sie
entstand Anfang der fünfziger Jahre, wurde 1953 eröffnet, 1959 erneuert und
nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen durch das Museum für Deutsche
Geschichte und dem Institut für Marxismus-Leninismus (IML) beim ZK der SED
fortwährend – bis 1989 – ergänzt.
Inhaltlicher Schwerpunkt der Ausstellung
der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte sind die Jahre 1929 bis 1933. Gerade diese
Jahre der Weltwirtschaftskrise waren gekennzeichnet von wirtschaftlicher Not
und politischem Notstand der herrschenden Klasse. Sie waren begleitet von
tiefgehenden Einschnitten in die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Werktätigen
in Deutschland, durchgesetzt mittels Notverordnungen, mit Polizeiknüppel und
Gefängnisstrafen. In dieser Zeit wurde die Errichtung der faschistischen
Herrschaft vorbereitet, sie gilt als die Aufstiegsphase der NSDAP bis hin zur
Machtübernahme am 30. Januar 1933.
Die Kommunisten und ihre Partei, die
KPD, die sich den Keimzellen der Nazis bereits zu Beginn der 20er Jahre aktiv
entgegensetzten, bewährten sich zwischen 1929 und 1933 als starke, wenn nicht
als stärkste, antifaschistische Kraft – das bewiesen die Organisations- und vor
allem die Mobilisierungsfähigkeiten des Roten Frontkämpferbundes (RFB), des
Kampfbundes gegen den Faschismus und der Antifaschistischen Aktion, sowie der
Roten Hilfe u. a.. Das Fundament dieser konsequenten antifaschistischen Politik
wurde gelegt, seit Ernst Thälmann an die Spitze der KPD berufen wurde.
Ernst Thälmann gilt, mit Rosa Luxemburg
und Karl Liebknecht, als einer der bekanntesten deutschen Revolutionäre des 20.
Jahrhunderts. Er wurde zum Symbol für den weltweiten antifaschistischen
Kampfes. Aus diesem Grund trägt die antifaschistische Gedenkstätte in
Ziegenhals den Namen Ernst Thälmann, aber auch, weil die illegale Tagung des ZK
der KPD, die in Ziegenhals am 7. Februar 1933 stattfand, unter seinem Vorsitz
durchgeführt wurde.
Thälmann hielt das zentrale Referat
dieser Tagung, das als „Ziegenhalser Rede“ in die Geschichte der
Arbeiterbewegung eingegangen ist. Es war seine letzte Rede die vor diesem
Partei-Gremium halten konnte.
Die Ausstellung ist so konzipiert, dass
sie wesentliche Stationen des Kampfes der KPD gegen den aufkommenden Faschismus
nachzeichnet und sie durch Zitate, Exponate, Bilder und Lebensdaten Ernst
Thälmanns chronologisch anordnet.
Die Ausstellung der Gedenkstätte in
Ziegenhals zeigt den Kenntnis-Stand aus 40 Jahren Forschung und
wissenschaftlicher Arbeit in der DDR, an der eine Vielzahl von Historikern und
Wissenschaftlern beteiligt waren. Der Freundeskreis „
Ernst-Thälmann-Gedenkstätte “ e.V., Ziegenhals gibt sie, nach der Schändung und
dem Abriss der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte im Mai 2010 durch den
Ex-Ministerialbeamten Gerd Gröger aus dem brandenburgischen Bauministerium,
originalgetreu wider.
Das Ziel, das wir mit der
Wanderausstellung bezwecken ist: Wir wollen Menschen für die Wiedererrichtung
der Gedenkstätte in Ziegenhals gewinnen. Die Forderung nach einer
Ernst-Thälmann-Gedenkstätte am authentisch-historischen Ort ist u. E. das
mindeste, was man in diesem Land verlangen muss, besonders nach der Zerstörung
der Gedenkstätte gegen den Protest vieler Tausender Menschen aus dem In- und
Ausland.
Wir sind jetzt unserem Ziel ein
wichtiges Stück weitergekommen: Wir haben unser gesamtes Eigentum und das
komplette Inventar der Gedenkstätte wieder zurück erhalten. Das heißt wir
können endlich wieder die Originalausstellung der Öffentlichkeit zeigen,
nachdem sie seit 2002 durch Gerd Gröger und seit 2010 durch die Stadt Königs
Wusterhausen allen Interessierten vorenthalten wurde.
Außerdem dürfen wir mit Freude
berichten, dass am 10. Februar 2013, an dem Tag an dem wir unser Doppeljubiläum
begehen werden (80 Jahre „Ziegenhalser Tagung“, 60 Jahre
Ernst-Thälmann-Gedenkstätte) auch ein Gedenkstein zu Ehren der Tagung und ihrer
Teilnehmer/-innen eingeweiht wird. Das sehen wir als einen Schritt in die
richtige Richtung, nämlich in Richtung Grundstein für eine neue Gedenkstätte.
Wir sind froh, dass dieser Stein kommen wird und dass sich alle Beteiligten auf
eine politisch richtige Inschrift einigen konnten.
Wir können also den brechtschen Satz
insofern verändern: Wer kämpft, kann auch einmal gewinnen!
Der gemeinsame Kampf von so vielen – auch
von Euch aus dem Ruhrgebiet – hat diesen entscheidenden Etappensieg möglich
gemacht. Der Kampf um ein würdiges Andenken an Ernst Thälmann und an die
„Ziegenhalser Tagung“ ist noch nicht zu Ende, er tritt jetzt in eine Phase, bei
der es vor allem um das Grundstück geht. Dafür aber vorerst auch für den
Gedenkstein werden wir jetzt Spenden sammeln.
Wir wünschen Euch eine gute
Ausstellungseröffnung, eine angeregte Diskussion und viel Erkenntnis für
unseren gemeinsamen Kampf gegen Krieg und Faschismus, gegen Krisen und
Ausbeutung.
Mit
den besten solidarischen Grüßen, für den Vorstand des Freundeskreises
Ernst-Thälmann-Gedenkstätte Ziegenhals - Max Renkl -
Redebeitrag zur Eröffnung der Ernst-Thälmann-Ausstellung des Vorstandes:
Als Vorstand des
DDR-Kabinetts Bochum e.V. - begrüssen wir euch herzlich zur Eröffnung der
Wanderausstellung der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte-Ziegenhals.
Nun
möchten wir ungern Eulen nach Athen tragen. Dennoch ist es für
einige von euch vielleicht hilfreich, wenn die Ereignisse in und
um diese Gedenkstätte noch einmal kurz in Erinnerung gerufen werden.
Das
Sporthaus Ziegenhals war in den 20er und 30er Jahren eine
Ausflugsgaststätte im Landkreis Dahme-Spreewald südlich von Berlin.
Am 7. Februar 1933 tagten hier - getarnt als Sport-Aktivisten - ca.
40 KPD-Funktionäre, u.a. Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht, Hans
Beimler, Karl Barthel und John Schehr.
Der
Vorsitzende der KPD - Ernst Thälmann - nahm hier das letzte Mal vor
seiner Verhaftung durch die Gestapo an einer Parteiversammlung teil.
In seiner Rede - bekanntgeworden als ' Ziegenhalser Rede' -
analysierte er die nach der Machtübertragung an die Faschisten
entstandene innen- und aussenpolitische Situation. Ein weiterer
Schwerpunkt seiner Rede war die Vorbereitung der Genossinnen und
Genossen auf den bevorstehenden klandestinen Widerstandskampf. Hier
nahm er u.a. die erst im Jahr 1936 proklamierte Aktionseinheit der
Kommunisten und Sozialdemokraten als Forderung an die Tagespolitik
vorweg.
Nun
hatte das Sporthaus Ziegenhals Glück: es lag auf dem Gebiet der DDR.
Und so verwundert es nicht, dass die historische Zusammenkunft der
KPD nach dem Ende der faschistischen Barbarei entsprechend gewürdigt
wurde. Da das originale Gebäude dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen
war, wurde mittels Spenden aus Betrieben und gesellschaftlichen
Organisationen sowie freiwilliger Arbeitseinsätze - u.a. auch
seitens der NVA - ein neues Haus errichtet. Am 16. April 1959 wurde
es als 'Ernst-Thälmann-Gedenkstätte' feierlich eröffnet. Bis zur
Konterrevolution konnten sich die Besucher über die
gesellschaftlich-politische Situation in Deutschland zwischen 1929
und 1933 und über den antifaschistischen Kampf der KPD informieren.
Und
nach der Konterrevolution? Zunächst nahm die Treuhand-Gesellschaft
das Objekt samt Grundstück - wie den Rest der DDR - in Beschlag,
überliess aber die Nutzung des Geländes dem Trägerverein
Freundeskreis 'Ernst Thälmann Gedenkstätte'. Aber das Grundstück,
auf dem die Gedenkstätte lag, weckte Begehrlichkeiten. Die
Grundstückspreise für Liegenschaften mit direktem Seezugang waren
nach der Annexion explodiert. Und dann gab es ja die Seilschaften,
nämlich diejenigen aus dem Westen. Und die sicherten sich mittels
wundersamen Entscheidungen und 'Rechtsurteilen' entsprechende
Sahnestückchen. So auch der bayrische Ex-Ministerialbeamte Gerd
Gröger. Er ersteigerte ohne Gegengebot für einen Spottpreis das
Grundstück. In Folge verschenkte er das Inventar der Gedenkstätte,
dessen Eigentümer er nicht war, und liess die Gedenkstätte
abreissen. Strafbar war das in den Augen der Siegerjustiz nicht.
Seit
diesen Ereignissen kämpft der Freundeskreis 'Ernst Thälmann
Gedenkstätte' für den Wiederaufbau einer solchen. Neben
öffentlichkeitswirksamen Aktionen hat der Freundeskreis diese
Ausstellungstafeln erstellt. Das Ziel ist eine breite Mobilisierung
für die Unterstützung ihrer Forderungen.
Aber
geht es hier nur um das Andenken an ein singuläres Ereigniss -
nämlich der letzten Rede des KPD-Vorsitzenden vor seiner Verhaftung?
Wir denken, dass die Forderung nach dem Wiederaufbau einer
Gedenkstätte weit darüber hinausweist.
Zum
einen geht es hier um ein bedeutsames Ereignis in der Geschichte der
deutschen Kommunisten: die Zusammenkunft in Ziegenhals war der
Auftakt für den antifaschistischen Widerstandskampf der KPD - dem
wohl gewichtigsten innerdeutschen in der Zeit der faschistischen
Barbarei. Ihn vergessen zu machen, hiesse, aus ihm auch nichts mehr
für zukünftigen Widerstand lernen zu können.
Zum
anderen steht in der Auseinandersetzung um die Gedenkstätte die
Legitimität einer 40jährigen deutschen Geschichte zur Debatte. Die
Enteignung und Zerstörung von Gedenkstätten - die nebenbei gesagt
selbst gegen bürgerliches Eigentumsrecht verstiessen - haben das
Ziel, die Identität derjenigen zu zerstören, die ein anderes, ein
nicht-kapitalistisches Deutschland aufgebaut haben. Für die Abwehr
derartiger Versuche gilt jedoch ebenfalls: nicht der Wunsch nach
Konservierung treibt uns an, sondern die Einsicht in die
Notwendigkeit, aus den Erfahrungen eben dieser Menschen beim Kampf um
einen erneuten sozialistischen Versuch zu lernen.
Aus
dem eben gesagten folgt für uns die Forderung an euch: überlegt,
wie ihr die Arbeit des Freundeskreises in Eurem Kreis
bekanntmachen/unterstützen könnt.
Wir wünschen Euch nun einen interessanten Rundgang durch die Ausstellung und hoffen auf zahlreiche weitere Besucher.
Vorstand des DDR-Kabinett-Bochum e.V.






Gut, daß es den Freundeskreis gibt! Gut, daß es das DDR-Kabinett Bochum gibt, wie auch Publikationen, die das Erbe der Arbeiterbewegung mit bewahren helfen!
AntwortenLöschen»Thälmann und Thälmann vor allen!
Deutschlands unsterblicher Sohn.
Thälmann ist niemals gefallen,
Stimme und Faust der Nation!«
heißt es im Refrain des Thälmannliedes von Kurt Barthel – bekannt unter dem Pseudonym Kuba. Am 12. November jährte sich übrigens zum 45sten Male dessen Todestag. Er starb während der Aufführung der Revolutionsrevue »50 Rote Nelken« bei einem Gastspiel des Volkstheaters Rostock, dessen Chefdramaturg er war, erst 53jährig an Herzversagen in Frankfurt/M. So wie Kurt Barthel gemeinsam mit dem Komponisten Eberhard Schmidt dem großen Sohn des deutschen Volkes ein Denkmal setzte, hatte 1934 bereits Erich Weinert ein Thälmannlied für den von den Faschisten zu der Zeit schon über ein Jahr widerrechtlich inhaftierten Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Deutschlands verfaßt, das mit den Zeilen schließt:
»Die Welt ist wach, die Empörung braust!
Für den Kameraden Thälmann: Hoch die Faust!«