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Samstag, 24. November 2012

Ernst-Thälmann-Ausstellung erfolgreich eröffnet!

Am 23. November 2012 konnten wir erfolgreich die Wanderausstellung der "Ernst-Thälmann-Gedenkstätte - Ziegenhals" in Essen eröffnen. Alle Besucher waren beeindruckt von den sorgfältig und informativ gestalteten Ausstellungs-tafeln des Freundeskreises der Gedenkstätte und den ergänzenden Exponaten aus dem DDR-Kabinett-Bochum. Nachfolgend dokumentieren wir die inhaltlichen Beiträge und einige Fotoeindrücke der Ausstellung.

 


 

 

 
 
 
 

 
 
Grußwort zur Eröffnung der Ernst-Thälmann-Ausstellung des:
 
 
Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Genossinnen und Genossen,
wir freuen uns sehr, dass die Wanderausstellung nun im Ruhrgebiet, hier in Essen Station machen kann – dafür wollen wir uns erstmal bei allen, die das möglich gemacht haben herzlich bedanken, vor allem bei Andreas und Brigitte vom DDR-Kabinett Bochum und bei der DKP für die Bereitstellung der Räume in der DKP-Parteizentrale.
Wir können selbst leider nicht anwesend sein, um die Ausstellung  hier bei Euch zu eröffnen, aber wir wollen jedoch auf diesem Weg mit einigen Worten zur Eröffnung der Wanderausstellung in Essen beitragen.
Die Wanderausstellung der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte ist unsere Antwort auf den Abriss, also die Schändung und Zerstörung der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals, im Mai 2010.
Dass diese Antwort richtig war, und dass es richtig war den Kampf um die Ernst-Thälmann-Gedenkstätte, um das Andenken an Thälmann und seine Genossinnen und Genossen weiter zu führen, dass hat die große Zustimmung für unseren Kampf und unser Vorhaben beweisen, aber auch ein Teilerfolg, den wir im August 2011 erringen konnten – dazu mehr am Schluss.
Die Ausstellung der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte selbst hat bereits ihre eigene Geschichte. Sie entstand Anfang der fünfziger Jahre, wurde 1953 eröffnet, 1959 erneuert und nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen durch das Museum für Deutsche Geschichte und dem Institut für Marxismus-Leninismus (IML) beim ZK der SED fortwährend – bis 1989 – ergänzt. 
Inhaltlicher Schwerpunkt der Ausstellung der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte sind die Jahre 1929 bis 1933. Gerade diese Jahre der Weltwirtschaftskrise waren gekennzeichnet von wirtschaftlicher Not und politischem Notstand der herrschenden Klasse. Sie waren begleitet von tiefgehenden Einschnitten in die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Werktätigen in Deutschland, durchgesetzt mittels Notverordnungen, mit Polizeiknüppel und Gefängnisstrafen. In dieser Zeit wurde die Errichtung der faschistischen Herrschaft vorbereitet, sie gilt als die Aufstiegsphase der NSDAP bis hin zur Machtübernahme am 30. Januar 1933.
Die Kommunisten und ihre Partei, die KPD, die sich den Keimzellen der Nazis bereits zu Beginn der 20er Jahre aktiv entgegensetzten, bewährten sich zwischen 1929 und 1933 als starke, wenn nicht als stärkste, antifaschistische Kraft – das bewiesen die Organisations- und vor allem die Mobilisierungsfähigkeiten des Roten Frontkämpferbundes (RFB), des Kampfbundes gegen den Faschismus und der Antifaschistischen Aktion, sowie der Roten Hilfe u. a.. Das Fundament dieser konsequenten antifaschistischen Politik wurde gelegt, seit Ernst Thälmann an die Spitze der KPD berufen wurde. 
Ernst Thälmann gilt, mit Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, als einer der bekanntesten deutschen Revolutionäre des 20. Jahrhunderts. Er wurde zum Symbol für den weltweiten antifaschistischen Kampfes. Aus diesem Grund trägt die antifaschistische Gedenkstätte in Ziegenhals den Namen Ernst Thälmann, aber auch, weil die illegale Tagung des ZK der KPD, die in Ziegenhals am 7. Februar 1933 stattfand, unter seinem Vorsitz durchgeführt wurde.
Thälmann hielt das zentrale Referat dieser Tagung, das als „Ziegenhalser Rede“ in die Geschichte der Arbeiterbewegung eingegangen ist. Es war seine letzte Rede die vor diesem Partei-Gremium halten konnte.
Die Ausstellung ist so konzipiert, dass sie wesentliche Stationen des Kampfes der KPD gegen den aufkommenden Faschismus nachzeichnet und sie durch Zitate, Exponate, Bilder und Lebensdaten Ernst Thälmanns chronologisch anordnet.
Die Ausstellung der Gedenkstätte in Ziegenhals zeigt den Kenntnis-Stand aus 40 Jahren Forschung und wissenschaftlicher Arbeit in der DDR, an der eine Vielzahl von Historikern und Wissenschaftlern beteiligt waren. Der Freundeskreis „ Ernst-Thälmann-Gedenkstätte “ e.V., Ziegenhals gibt sie, nach der Schändung und dem Abriss der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte im Mai 2010 durch den Ex-Ministerialbeamten Gerd Gröger aus dem brandenburgischen Bauministerium, originalgetreu wider. 
Das Ziel, das wir mit der Wanderausstellung bezwecken ist: Wir wollen Menschen für die Wiedererrichtung der Gedenkstätte in Ziegenhals gewinnen. Die Forderung nach einer Ernst-Thälmann-Gedenkstätte am authentisch-historischen Ort ist u. E. das mindeste, was man in diesem Land verlangen muss, besonders nach der Zerstörung der Gedenkstätte gegen den Protest vieler Tausender Menschen aus dem In- und Ausland.
 Die Bedeutung der „Ziegenhalser Tagung“ bleibt bis heute hochaktuell. Es waren die deutschen Kommunisten die als erste Partei der Weimarer Republik den organisierten Widerstand gegen die Hitler-Barbarei begonnen. Diese Erinnerung muss wachgehalten werden, genauso wie das ehrende Andenken an diese Genossinnen und Genossen von Format, die sich dort in Ziegenhals am 7.2.1933 trafen.
Wir sind jetzt unserem Ziel ein wichtiges Stück weitergekommen: Wir haben unser gesamtes Eigentum und das komplette Inventar der Gedenkstätte wieder zurück erhalten. Das heißt wir können endlich wieder die Originalausstellung der Öffentlichkeit zeigen, nachdem sie seit 2002 durch Gerd Gröger und seit 2010 durch die Stadt Königs Wusterhausen allen Interessierten vorenthalten wurde.
Außerdem dürfen wir mit Freude berichten, dass am 10. Februar 2013, an dem Tag an dem wir unser Doppeljubiläum begehen werden (80 Jahre „Ziegenhalser Tagung“, 60 Jahre Ernst-Thälmann-Gedenkstätte) auch ein Gedenkstein zu Ehren der Tagung und ihrer Teilnehmer/-innen eingeweiht wird. Das sehen wir als einen Schritt in die richtige Richtung, nämlich in Richtung Grundstein für eine neue Gedenkstätte. Wir sind froh, dass dieser Stein kommen wird und dass sich alle Beteiligten auf eine politisch richtige Inschrift einigen konnten.
Wir können also den brechtschen Satz insofern verändern: Wer kämpft, kann auch einmal gewinnen!
Der gemeinsame Kampf von so vielen – auch von Euch aus dem Ruhrgebiet – hat diesen entscheidenden Etappensieg möglich gemacht. Der Kampf um ein würdiges Andenken an Ernst Thälmann und an die „Ziegenhalser Tagung“ ist noch nicht zu Ende, er tritt jetzt in eine Phase, bei der es vor allem um das Grundstück geht. Dafür aber vorerst auch für den Gedenkstein werden wir jetzt Spenden sammeln.
Wir wünschen Euch eine gute Ausstellungseröffnung, eine angeregte Diskussion und viel Erkenntnis für unseren gemeinsamen Kampf gegen Krieg und Faschismus, gegen Krisen und Ausbeutung.
Mit den besten solidarischen Grüßen, für den Vorstand des Freundeskreises Ernst-Thälmann-Gedenkstätte Ziegenhals - Max Renkl -
 
 
Redebeitrag zur Eröffnung der Ernst-Thälmann-Ausstellung des Vorstandes:

 
Als Vorstand des DDR-Kabinetts Bochum e.V. - begrüssen wir euch herzlich zur Eröffnung der Wanderausstellung der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte-Ziegenhals.
Nun möchten wir ungern Eulen nach Athen tragen. Dennoch ist es für einige von euch vielleicht hilfreich, wenn die Ereignisse in und um diese Gedenkstätte noch einmal kurz in Erinnerung gerufen werden.
Das Sporthaus Ziegenhals war in den 20er und 30er Jahren eine Ausflugsgaststätte im Landkreis Dahme-Spreewald südlich von Berlin. Am 7. Februar 1933 tagten hier - getarnt als Sport-Aktivisten - ca. 40 KPD-Funktionäre, u.a. Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht, Hans Beimler, Karl Barthel und John Schehr.
Der Vorsitzende der KPD - Ernst Thälmann - nahm hier das letzte Mal vor seiner Verhaftung durch die Gestapo an einer Parteiversammlung teil. In seiner Rede - bekanntgeworden als ' Ziegenhalser Rede' - analysierte er die nach der Machtübertragung an die Faschisten entstandene innen- und aussenpolitische Situation. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Rede war die Vorbereitung der Genossinnen und Genossen auf den bevorstehenden klandestinen Widerstandskampf. Hier nahm er u.a. die erst im Jahr 1936 proklamierte Aktionseinheit der Kommunisten und Sozialdemokraten als Forderung an die Tagespolitik vorweg.
Nun hatte das Sporthaus Ziegenhals Glück: es lag auf dem Gebiet der DDR. Und so verwundert es nicht, dass die historische Zusammenkunft der KPD nach dem Ende der faschistischen Barbarei entsprechend gewürdigt wurde. Da das originale Gebäude dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen war, wurde mittels Spenden aus Betrieben und gesellschaftlichen Organisationen sowie freiwilliger Arbeitseinsätze - u.a. auch seitens der NVA - ein neues Haus errichtet. Am 16. April 1959 wurde es als 'Ernst-Thälmann-Gedenkstätte' feierlich eröffnet. Bis zur Konterrevolution konnten sich die Besucher über die gesellschaftlich-politische Situation in Deutschland zwischen 1929 und 1933 und über den antifaschistischen Kampf der KPD informieren.
Und nach der Konterrevolution? Zunächst nahm die Treuhand-Gesellschaft das Objekt samt Grundstück - wie den Rest der DDR - in Beschlag, überliess aber die Nutzung des Geländes dem Trägerverein Freundeskreis 'Ernst Thälmann Gedenkstätte'. Aber das Grundstück, auf dem die Gedenkstätte lag, weckte Begehrlichkeiten. Die Grundstückspreise für Liegenschaften mit direktem Seezugang waren nach der Annexion explodiert. Und dann gab es ja die Seilschaften, nämlich diejenigen aus dem Westen. Und die sicherten sich mittels wundersamen Entscheidungen und 'Rechtsurteilen' entsprechende Sahnestückchen. So auch der bayrische Ex-Ministerialbeamte Gerd Gröger. Er ersteigerte ohne Gegengebot für einen Spottpreis das Grundstück. In Folge verschenkte er das Inventar der Gedenkstätte, dessen Eigentümer er nicht war, und liess die Gedenkstätte abreissen. Strafbar war das in den Augen der Siegerjustiz nicht.
Seit diesen Ereignissen kämpft der Freundeskreis 'Ernst Thälmann Gedenkstätte' für den Wiederaufbau einer solchen. Neben öffentlichkeitswirksamen Aktionen hat der Freundeskreis diese Ausstellungstafeln erstellt. Das Ziel ist eine breite Mobilisierung für die Unterstützung ihrer Forderungen.
Aber geht es hier nur um das Andenken an ein singuläres Ereigniss - nämlich der letzten Rede des KPD-Vorsitzenden vor seiner Verhaftung? Wir denken, dass die Forderung nach dem Wiederaufbau einer Gedenkstätte weit darüber hinausweist.
Zum einen geht es hier um ein bedeutsames Ereignis in der Geschichte der deutschen Kommunisten: die Zusammenkunft in Ziegenhals war der Auftakt für den antifaschistischen Widerstandskampf der KPD - dem wohl gewichtigsten innerdeutschen in der Zeit der faschistischen Barbarei. Ihn vergessen zu machen, hiesse, aus ihm auch nichts mehr für zukünftigen Widerstand lernen zu können.
Zum anderen steht in der Auseinandersetzung um die Gedenkstätte die Legitimität einer 40jährigen deutschen Geschichte zur Debatte. Die Enteignung und Zerstörung von Gedenkstätten - die nebenbei gesagt selbst gegen bürgerliches Eigentumsrecht verstiessen - haben das Ziel, die Identität derjenigen zu zerstören, die ein anderes, ein nicht-kapitalistisches Deutschland aufgebaut haben. Für die Abwehr derartiger Versuche gilt jedoch ebenfalls: nicht der Wunsch nach Konservierung treibt uns an, sondern die Einsicht in die Notwendigkeit, aus den Erfahrungen eben dieser Menschen beim Kampf um einen erneuten sozialistischen Versuch zu lernen.
Aus dem eben gesagten folgt für uns die Forderung an euch: überlegt, wie ihr die Arbeit des Freundeskreises in Eurem Kreis bekanntmachen/unterstützen könnt.
Wir wünschen Euch nun einen interessanten Rundgang durch die  Ausstellung und hoffen auf zahlreiche weitere Besucher.
 
Vorstand des DDR-Kabinett-Bochum e.V.






1 Kommentar:

  1. Gut, daß es den Freundeskreis gibt! Gut, daß es das DDR-Kabinett Bochum gibt, wie auch Publikationen, die das Erbe der Arbeiterbewegung mit bewahren helfen!


    »Thälmann und Thälmann vor allen!
    Deutschlands unsterblicher Sohn.
    Thälmann ist niemals gefallen,
    Stimme und Faust der Nation!«

    heißt es im Refrain des Thälmannliedes von Kurt Barthel – bekannt unter dem Pseudonym Kuba. Am 12. November jährte sich übrigens zum 45sten Male dessen Todestag. Er starb während der Aufführung der Revolutionsrevue »50 Rote Nelken« bei einem Gastspiel des Volkstheaters Rostock, dessen Chefdramaturg er war, erst 53jährig an Herzversagen in Frankfurt/M. So wie Kurt Barthel gemeinsam mit dem Komponisten Eberhard Schmidt dem großen Sohn des deutschen Volkes ein Denkmal setzte, hatte 1934 bereits Erich Weinert ein Thälmannlied für den von den Faschisten zu der Zeit schon über ein Jahr widerrechtlich inhaftierten Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Deutschlands verfaßt, das mit den Zeilen schließt:

    »Die Welt ist wach, die Empörung braust!
    Für den Kameraden Thälmann: Hoch die Faust!«


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