Wir gratulieren unserem aufrichtigen Genossen, lieben Freund und unverzichtbaren Ratgeber ganz herzlich zu seinem Ehrentage. Wir wünschen Dir, lieber Klaus, für die Zukunft ganz viel Kraft und sind in Gedanken bei Dir. Es grüßen Dich herzlich und in solidarischer Verbundenheit, Deine Genossinnen und Genossen und Freundinnen und Freunde vom DDR-Kabinett-Bochum e.V.
Zum 80. Geburtstag von Dr. Klaus Steiniger am 28. Dezember 2012
Verläßlicher Kompaß
Von Arnold Schölzel in jungeWelt
Leicht ließe sich sagen: Kommunist, Jurist, Journalist zu werden, war Klaus Steiniger in die Wiege gelegt. Das stimmt und stimmt nicht. Wer Ende 1932 in der Familie eines kommunistischen Rechtsanwalts und Publizisten, der wenig später per Gesetz als »Halbjude« eingestuft wurde, geboren wurde, weiß, was Faschismus und Kapitalismus bedeuten. 15 Verwandte wurden in Auschwitz ermordet, er selbst 1943 des Gymnasiums verwiesen. Es erscheint gerade aus heutiger Sicht folgerichtig, wenn er an seinem 16. Geburtstag, damals mit seinem Vater Peter Alfons Steiniger noch in Westberlin lebend, der SED beitrat. Nach dem Sieg der Konterrevolution 1989 blieb er noch kurze Zeit in der PDS, heute ist er Mitglied der DKP.
Diese konsequente politische Haltung hat weit über die Herkunft hinaus ihren Hintergrund in einer ebenso einfachen, wie oft vernachlässigten oder verdrehten Tatsache: Wer in der DDR aufwuchs, erhielt eine »Bildung« in Internationalismus. Bei Klaus Steiniger verband sie sich mit einer professionellen außenpolitischen Ausbildung. 1949 übersiedelten sein Vater und er in den Ostteil der Stadt – die Mutter war 1948 gestorben. Dem Jurastudium in Berlin folgte 1956 eine Tätigkeit als Staatsanwalt und Bürgermeister in Mecklenburg, als Redakteur beim Deutschen Fernsehfunk und dann im DDR-Außenministerium, u.a. in der USA-Abteilung. Nach der Promotion 1966 wechselte Klaus Steiniger 1967 in das Außenpolitikressort der Tageszeitung Neues Deutschland, deren Redaktion er bis 1992 angehörte. Er bereiste zahlreiche Länder der Welt, lernte Kommunisten und Sozialisten, aber auch Politiker ganz anderer Richtung auf allen Kontinenten kennen, war nicht selten der einzige Repräsentant der DDR im jeweiligen Staat. Im Kalten Krieg bedeutete das, selbst manchmal Gegenstand von Berichterstattung zu werden. Das war 1972 so, als er Sonderkorrespondent beim Prozeß gegen Angela Davis in den USA war, aber auch 1974, als er kurz nach Beginn der »Nelkenrevolution« aus Portugal zu berichten begann. In fünf Jahren Aufenthalt wurde er Gesprächspartner, Vertrauter und Freund der wichtigsten Köpfe dieser Umwälzung in einem NATO-Staat und ihr deutschsprachiger Chronist. Die Solidaritätsbewegungen für Angela Davis wie für die portugiesischen Revolutionäre ergriffen seinerzeit im Sinne des Wortes die Massen in der DDR. Ohne Klaus Steinigers Arbeit waren die »eine Million Rosen für Angela Davis« undenkbar, seine Bücher zu beiden Ereignissen wurden Bestseller.
Er selbst hat dieses politische und journalistische Miterleben und -gestalten von Geschichte im November-Heft der Monatszeitung RotFuchs, deren Mitgründer er 1998 war und die er seither als Chefredakteur zu einer Auflage von weit über 10000 Exemplaren führte, so zusammengefaßt: »Erstens sollten Menschen aus unserem Holz einen festen Klassenstandpunkt besitzen. Ihm entspringen die Liebe zu den Arbeitenden oder an den sozialen Rand Gedrängten und der Haß auf deren Ausbeuter. Diese Position ist der einzig verläßliche Kompaß für Kommunisten und Sozialisten. Zweitens gehört der proletarische Internationalismus seit den Tagen von Marx und Engels zu den unveräußerlichen Wesenszügen einer revolutionären Arbeiterpartei.« Er gibt den Rat eines Genossen wieder, der ihm in der Frühzeit der DDR sagte: »Vergiß niemals, daß wir zu 50 Prozent der DDR und zu 50 Prozent der ganzen Welt verpflichtet sind.«
Diese Haltung prägte ihn gemeinsam mit vielen, die in der DDR außenpolitisch tätig waren. Kaum einer aber kann auf eine solche Vielfalt von Begegnungen und Freundschaften verweisen wie er. Die Namen reichen von Marx’ Urenkel Robert-Jean Longuet, Portugals herausragendem kommunistischen Politiker Álvaro Cunhal, dem in der Haft erblindeten Vorsitzenden der KP der USA Henry Winston, dem KKE-Vorsitzenden Harilaos Florakis bis zu Rodney Arismendi, dem marxistischen Theoretiker und Politiker aus Uruguay. Kampfgefährten, die ihn besonders imponierten, fand er in der UdSSR, in China und in Kuba. Seine Erfahrungen in der Welt prägten seinen scharfen Blick auf hiesige Ereignisse, d. h. der deutsche Tellerrand war nie sein Horizont. Er selbst resümierte im RotFuchs: »Mit den Gaucks und Merkels wollen wir deren ›Deutschtum‹ nicht teilen. Afrikanische oder asiatische Proletarier stehen uns tausendmal näher als deutsche Bourgeois. Zugleich lehnen wir die würdelose Preisgabe echter nationaler Werte ab. Weder liberales Weltbürgertum noch der vom Kapital betriebene globale Mißbrauch der historisch herangereiften internationalen Verzahnung haben mit unserer Welt- und Lebenssicht irgend etwas gemein. Wir waren, sind und bleiben in allen heraufziehenden Stürmen proletarische Internationalisten!«
Interessant und ergänzend ist übrigens auch der Artikel zu Klaus Steiniger im "Berliner Anstoß" als Regionalzeitung der Landesparteiorganisation der DKP, wo die Mühen Klaus Steinigers auch beim Aufbau der Berliner DKP-Organisation und der Gruppe Nord-Ost gewürdigt werden. Aus dieser Zeit als Sympathisant kenne ich ihn als warmherzigen, zielstrebigen Menschen. Wir kamen damals in der früheren nach dem ersten Kulturminister der DDR und bedeutenden Dichter Johannes R. Becher benannten Straße in Pankow zu Mitgliederversammlungen und auch anderen Veranstaltungen zusammen. Und der "Anstoß" war damals sein erstes "Kind", bis der "RotFuchs" von Klaus gemeinsam mit Genossen der Gruppe Nordost Licht in diese Welt brachte.
AntwortenLöschenAuch, wenn er nicht viel von Lobeshymnen hält, so sei ihm eine kleine Eloge doch gewidmet:
Klaus Steiniger zum 80sten
Oh, welcher Tatkraft Lebensweise,
Mit der der Jubilar beschenkt
Sich selber doch, bescheiden, weise,
Als Zeugnis einer langen Reise,
Auf der er heut’ ein Flaggschiff lenkt,
Voll Gleichmut, der ihm anerzogen
Von Jugend an, sozial bedacht,
Durch Wellentäler, Schäume, Wogen.
Er kennt des Lebens Geistesdrogen
Und gibt stets auf die Wahrheit acht.
In fremde Länder und Kulturen
Trug er die Botschaft Wahrheit hin -
Aufklärend, da auch wir erfuhren
Den Zeittakt uns noch fremder Spuren
Mit Solidaritätsgewinn.
Ein Lebenswerk voll Geistesglut,
Rot, wie die Sonne ist,
Die nicht an Kraft verliert, nicht ruht,
Gibt Richtung, Sinn und macht uns Mut.
Klaus ist ein Kommunist.