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Dienstag, 22. Januar 2013

Leuchtturm der proletarischen Literatur: Willi Bredel

Vom Dreher zum Akademiepräsidenten


Zeitgenossen rühmten Willi Bredels Bescheidenheit und Humor. Walther Victor schrieb in seinen Erinnerungen: "Willi Bredel hatte etwas zu lachen, sein lachendes, jungenfrohes Gesicht hört nicht auf, uns unvermittelt in Erinnerung zu kommen. Es war in seinen Augen etwas von einer grenzenlosen Neugier, Lebensneugier möchte ich es nennen, er wollte sofort und alles wissen, gewiß, daß es gute, neue, erfolgreiche, weltverändernde Dinge sein würden. Dieser große Junge - und das blieb er bis zum letzten Tage! - war davon überzeugt, daß es vorwärts ging, daß es etwas zu lachen gab."
Bereits zu Lebzeiten Willi Bredels - der 1901 Geborene starb schon 1964 - kündigte der Aufbau-Verlag 1962 eine achtbändige Werkausgabe an, deren erste Bände anläßlich seines 70. Geburtstages erschienen. Später wurden die "Gesammelten Werke in Einzelausgaben" auf 14 Bände erweitert und die Gesamtausgabe 1976 mit der Publizistik des Schriftstellers abgeschlossen. 1981 betrug die Auflage der bei Aufbau erschienenen Bredel-Bücher mehr als 1,5 Millionen Exemplare. An der Spitze lag der Roman "Die Väter" mit 30 Auflagen und mehr als 400.000 Exemplaren. Aus Bredels Nachlaß erschien 1976 die umfangreiche Erzählung "Peters Lehrjahre", die er 1942/43 während des Krieges geschrieben hatte. Der vierzehnjährige Peter gelangt während eines Landeinsatzes der Hitler-Jugend an den Drehpunkt seines Denkens und erinnert sich der Mahnung der Eltern: "Und laß dir kein Unrecht gefallen!"
Ein weiteres umfangreiches Werk Bredels wurde 1975 wiederentdeckt: die 1937 bis 1939 geschriebene "Geschichte der 11. Internationalen Brigade", die neben anderen Arbeiten 1978 im Aufbau-Verlag unter dem Sammeltitel "Spanienkrieg" erschien. Die zweibändige Ausgabe, die Manfred Hahn herausgab, enthielt auch die Urfassung der "Begegnung am Ebro", Protokolle, Reportagen, Dokumente und Tagesberichte.
1968 veröffentlichte die Bredel-Kennerin Lilli Bock den erweiterten Band der Reihe "Schriftsteller der Gegenwart" über diesen Autor. Walther Victor machte mit seinem "Bredel-Lesebuch" Leben und Schaffen einem breiten Publikum bekannt. Die Leiterin des Willi-Bredel-Archivs Gerda Weißenfels brachte 1976 im Eulenspiegel-Verlag ein Bändchen Anekdoten unter dem Titel "Faust auf der Reeperbahn" heraus, in das größtenteils unveröffentlichte Materialien aufgenommen wurden.
Zum 65. Geburtstag des Schriftstellers benannte man die Buchhandlung am Berliner Rathaus nach Willi Bredel. Der damaligen Stadt- und Bezirksbibliothek Rostock wurde aus gleichem Anlaß sein Name verliehen. Der Komponist Wilhelm Neef schuf nach Bredels Novelle "Das verurteilte Dorf" eine Oper, die ihre Erstaufführung 1971 am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin erlebte. An dem Kolloquium "Arbeiterklasse und Literatur" zu Bredels 70. Geburtstag 1971 nahmen 170 Literaturwissenschaftler und Bibliothekare in Schwerin teil. Zu seinem 75. Geburtstag zeigte die Berliner Stadtbibliothek eine Willi-Bredel-Ausstellung, in der eine umfassende Übersicht über sein Wirken vom ehemaligen Dreher bis zum Präsidenten der Akademie der Künste der DDR gegeben wurde.
Wiederholt wurde versucht, die Persönlichkeit Willi Bredels künstlerisch zu gestalten. Die Bildhauer Johannes Friedrich Rogge, Gerhard Rommel, Hans Eickworth und Klaus Freytag sowie die Maler Bert Heller und Heinz Wodzicka und die Grafikerin Elizabeth Shaw schufen entsprechende Werke. 1968 gestalteten Peter Gugisch und Rolf Gumlich eine funkdramatische Bearbeitung von Bredels Roman "Die Väter", Regie führte bei der achtteiligen, beeindruckenden Hörspielfolge Fritz-Ernst Fechner. Für den dreiteiligen Fernsehfilm "Verwandte und Bekannte" schrieb Hans-Albert Pederzani das Drehbuch, Regisseur war Georg Leopold. Der Fernsehtrilogie über den Erkenntnisweg des Johann Hardekopf - gespielt von Gerhard Bienert - lag Bredels Roman "Die Väter" zugrunde. 1981 diente der Roman "Dein unbekannter Bruder" als Vorlage für den gleichnamigen DEFA-Film von Ulrich Weiß. Nach Motiven von Bredels Erzählung "Peters Lehrjahre" drehte Gunter Friedrich den Fernsehfilm "Und laß dir kein Unrecht gefallen!" 1976 wurde der DFF-Dokumentarfilm "Willi Bredel: Schriftsteller - Kämpfer - Genosse" geschaffen.
In späteren Jahren bemühte sich das Bredel-Archiv in Berlin, die russischsprachigen Veröffentlichungen des Schriftstellers zu ermitteln und aufzuarbeiten. Sowjetischen Angaben zufolge sind in der Zeit von 1932 bis 1941 in der UdSSR 45 Publikationen mit einer Gesamtauflage von 672.000 Exemplaren erschienen. Danach wurden noch 159.000 Exemplare seiner Bücher herausgegeben. Aus den unterschiedlichen und sicher nur unvollständigen Angaben läßt sich erkennen: Willi Bredels "Bücher wurden Volksbesitz und sind nicht mehr wegzudenken ..." (Walther Victor).
Der Schriftsteller war auch ein ausgezeichneter Kenner früher Geschichtsepochen. Während seiner Gefängnishaft nach dem Hamburger Aufstand 1924 konzipierte er die Arbeit "Marat, der Volksfreund". Bredels historische Erzählungen sind besonders in der Französischen Revolution angesiedelt, darunter "Die Feinde des Berges" über Marat, "Der Kommissar am Rhein" über Saint Just oder "Der Tod des Generals Moreau". In der Erzählung "Sieger ohne Sieg" enthüllte Bredel die Größe und die historischen Grenzen Gneisenaus. In seiner Geschichtenfolge "Unter Türmen und Masten" ließ er dem Leser 1000 Jahre Geschichte seiner Heimatstadt Hamburg lebendig werden. Ein Ergebnis umfangreicher Geschichtsstudien bildet wohl die bekannteste und umfangreichste historische Erzählung "Die Vitalienbrüder" (1950). Das Werk über Klaus Störtebeker und die Likedeeler gilt als eine der besten Arbeiten zu diesem Stoff. Bredel wollte keine "Lehrbücher im Schulsinne" schreiben, sondern beabsichtigte vielmehr, "die historische Wahrheit, die sozialen Spannungen und Kämpfe jener Zeit" deutlich zu machen.
Anzumerken ist, daß am 1. November 1988 in Hamburg die "Willi-Bredel-Gesellschaft Geschichtswerkstatt e.V. (WBG)" gegründet wurde. Diese bemüht sich seither in vielfältiger Weise um die Pflege des literarischen Erbes des Schriftstellers. Analysiert werden bestimmte Lebens- und Schaffensphasen Bredels. Es wird viel getan, um dem entgegenzuwirken, daß der Schriftsteller in Vergessenheit gerät. Dazu gehörten eine "Busrundfahrt auf den Spuren Willi Bredels" in Hamburg oder die 9. Fuhlsbütteler Filmtage anläßlich seines 100. Geburtstages im Jahre 2001.

Dieter Fechner

2 Kommentare:

  1. Hallo Genosse Maluga,

    Ergänzend möchte ich dieses gute Buch von Willi Bredel erwähnen und empfehlen:

    „Ernst Thälmann : Beitrag zu einem politischen Lebensbild“ Willi Bredel. Mit e. Vorwort von Wilhelm Pieck und eine Gedenkrede von Walter Ulbricht, gehalten am 18. August 1949 im Dietz Verlag1950

    Mit sozialistischen Grüßen,
    Nadja

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