Vom Dreher zum Akademiepräsidenten
Zeitgenossen rühmten Willi Bredels Bescheidenheit und Humor. Walther
Victor schrieb in seinen Erinnerungen: "Willi Bredel hatte etwas zu
lachen, sein lachendes, jungenfrohes Gesicht hört nicht auf, uns
unvermittelt in Erinnerung zu kommen. Es war in seinen Augen etwas von
einer grenzenlosen Neugier, Lebensneugier möchte ich es nennen, er
wollte sofort und alles wissen, gewiß, daß es gute, neue,
erfolgreiche, weltverändernde Dinge sein würden. Dieser große Junge -
und das blieb er bis zum letzten Tage! - war davon überzeugt, daß es
vorwärts ging, daß es etwas zu lachen gab."
Bereits zu Lebzeiten Willi Bredels - der 1901 Geborene starb schon
1964 - kündigte der Aufbau-Verlag 1962 eine achtbändige Werkausgabe
an, deren erste Bände anläßlich seines 70. Geburtstages erschienen.
Später wurden die "Gesammelten Werke in Einzelausgaben" auf 14 Bände
erweitert und die Gesamtausgabe 1976 mit der Publizistik des
Schriftstellers abgeschlossen. 1981 betrug die Auflage der bei Aufbau
erschienenen Bredel-Bücher mehr als 1,5 Millionen Exemplare. An der
Spitze lag der Roman "Die Väter" mit 30 Auflagen und mehr als 400.000
Exemplaren. Aus Bredels Nachlaß erschien 1976 die umfangreiche
Erzählung "Peters Lehrjahre", die er 1942/43 während des Krieges
geschrieben hatte. Der vierzehnjährige Peter gelangt während eines
Landeinsatzes der Hitler-Jugend an den Drehpunkt seines Denkens und
erinnert sich der Mahnung der Eltern: "Und laß dir kein Unrecht
gefallen!"
Ein weiteres umfangreiches Werk Bredels wurde 1975 wiederentdeckt: die
1937 bis 1939 geschriebene "Geschichte der 11. Internationalen
Brigade", die neben anderen Arbeiten 1978 im Aufbau-Verlag unter dem
Sammeltitel "Spanienkrieg" erschien. Die zweibändige Ausgabe, die
Manfred Hahn herausgab, enthielt auch die Urfassung der "Begegnung am
Ebro", Protokolle, Reportagen, Dokumente und Tagesberichte.
1968 veröffentlichte die Bredel-Kennerin Lilli Bock den erweiterten
Band der Reihe "Schriftsteller der Gegenwart" über diesen Autor.
Walther Victor machte mit seinem "Bredel-Lesebuch" Leben und Schaffen
einem breiten Publikum bekannt. Die Leiterin des Willi-Bredel-Archivs
Gerda Weißenfels brachte 1976 im Eulenspiegel-Verlag ein Bändchen
Anekdoten unter dem Titel "Faust auf der Reeperbahn" heraus, in das
größtenteils unveröffentlichte Materialien aufgenommen wurden.
Zum 65. Geburtstag des Schriftstellers benannte man die Buchhandlung
am Berliner Rathaus nach Willi Bredel. Der damaligen Stadt- und
Bezirksbibliothek Rostock wurde aus gleichem Anlaß sein Name
verliehen. Der Komponist Wilhelm Neef schuf nach Bredels Novelle "Das
verurteilte Dorf" eine Oper, die ihre Erstaufführung 1971 am
Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin erlebte. An dem Kolloquium
"Arbeiterklasse und Literatur" zu Bredels 70. Geburtstag 1971 nahmen
170 Literaturwissenschaftler und Bibliothekare in Schwerin teil. Zu
seinem 75. Geburtstag zeigte die Berliner Stadtbibliothek eine
Willi-Bredel-Ausstellung, in der eine umfassende Übersicht über sein
Wirken vom ehemaligen Dreher bis zum Präsidenten der Akademie der
Künste der DDR gegeben wurde.
Wiederholt wurde versucht, die Persönlichkeit Willi Bredels
künstlerisch zu gestalten. Die Bildhauer Johannes Friedrich Rogge,
Gerhard Rommel, Hans Eickworth und Klaus Freytag sowie die Maler Bert
Heller und Heinz Wodzicka und die Grafikerin Elizabeth Shaw schufen
entsprechende Werke. 1968 gestalteten Peter Gugisch und Rolf Gumlich
eine funkdramatische Bearbeitung von Bredels Roman "Die Väter", Regie
führte bei der achtteiligen, beeindruckenden Hörspielfolge Fritz-Ernst
Fechner. Für den dreiteiligen Fernsehfilm "Verwandte und Bekannte"
schrieb Hans-Albert Pederzani das Drehbuch, Regisseur war Georg
Leopold. Der Fernsehtrilogie über den Erkenntnisweg des Johann
Hardekopf - gespielt von Gerhard Bienert - lag Bredels Roman "Die
Väter" zugrunde. 1981 diente der Roman "Dein unbekannter Bruder" als
Vorlage für den gleichnamigen DEFA-Film von Ulrich Weiß. Nach Motiven
von Bredels Erzählung "Peters Lehrjahre" drehte Gunter Friedrich den
Fernsehfilm "Und laß dir kein Unrecht gefallen!" 1976 wurde der
DFF-Dokumentarfilm "Willi Bredel: Schriftsteller - Kämpfer - Genosse"
geschaffen.
In späteren Jahren bemühte sich das Bredel-Archiv in Berlin, die
russischsprachigen Veröffentlichungen des Schriftstellers zu ermitteln
und aufzuarbeiten. Sowjetischen Angaben zufolge sind in der Zeit von
1932 bis 1941 in der UdSSR 45 Publikationen mit einer Gesamtauflage
von 672.000 Exemplaren erschienen. Danach wurden noch 159.000
Exemplare seiner Bücher herausgegeben. Aus den unterschiedlichen und
sicher nur unvollständigen Angaben läßt sich erkennen: Willi Bredels
"Bücher wurden Volksbesitz und sind nicht mehr wegzudenken ..."
(Walther Victor).
Der Schriftsteller war auch ein ausgezeichneter Kenner früher
Geschichtsepochen. Während seiner Gefängnishaft nach dem Hamburger
Aufstand 1924 konzipierte er die Arbeit "Marat, der Volksfreund".
Bredels historische Erzählungen sind besonders in der Französischen
Revolution angesiedelt, darunter "Die Feinde des Berges" über Marat,
"Der Kommissar am Rhein" über Saint Just oder "Der Tod des Generals
Moreau". In der Erzählung "Sieger ohne Sieg" enthüllte Bredel die
Größe und die historischen Grenzen Gneisenaus. In seiner
Geschichtenfolge "Unter Türmen und Masten" ließ er dem Leser 1000
Jahre Geschichte seiner Heimatstadt Hamburg lebendig werden. Ein
Ergebnis umfangreicher Geschichtsstudien bildet wohl die bekannteste
und umfangreichste historische Erzählung "Die Vitalienbrüder" (1950).
Das Werk über Klaus Störtebeker und die Likedeeler gilt als eine der
besten Arbeiten zu diesem Stoff. Bredel wollte keine "Lehrbücher im
Schulsinne" schreiben, sondern beabsichtigte vielmehr, "die
historische Wahrheit, die sozialen Spannungen und Kämpfe jener Zeit"
deutlich zu machen.
Anzumerken ist, daß am 1. November 1988 in Hamburg die
"Willi-Bredel-Gesellschaft Geschichtswerkstatt e.V. (WBG)" gegründet
wurde. Diese bemüht sich seither in vielfältiger Weise um die Pflege
des literarischen Erbes des Schriftstellers. Analysiert werden
bestimmte Lebens- und Schaffensphasen Bredels. Es wird viel getan, um
dem entgegenzuwirken, daß der Schriftsteller in Vergessenheit gerät.
Dazu gehörten eine "Busrundfahrt auf den Spuren Willi Bredels" in
Hamburg oder die 9. Fuhlsbütteler Filmtage anläßlich seines 100.
Geburtstages im Jahre 2001.
Dieter Fechner

Hallo Genosse Maluga,
AntwortenLöschenErgänzend möchte ich dieses gute Buch von Willi Bredel erwähnen und empfehlen:
„Ernst Thälmann : Beitrag zu einem politischen Lebensbild“ Willi Bredel. Mit e. Vorwort von Wilhelm Pieck und eine Gedenkrede von Walter Ulbricht, gehalten am 18. August 1949 im Dietz Verlag1950
Mit sozialistischen Grüßen,
Nadja
Vielen Dank für den guten Buchhinweis !
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