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Dienstag, 8. Oktober 2024

Die Russische Botschaft zum 75. Jahrestages der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik

Am 7. Oktober 1949 wurde auf dem Gebiet der nach dem Krieg gebildeten Sowjetischen Besatzungszone die Deutsche Demokratische Republik gegründet. Das geschah als Reaktion auf die Gründung der Bundesrepublik Deutschland aus der amerikanischen, britischen und französischen Besatzungszone am 23. Mai desselben Jahres. Der Separatbeschluss des Westens hat die Hoffnung auf die Schaffung eines einheitlichen, entnazifizierten, entmilitarisierten, demokratischen und neutralen deutschen Staates zunichtegemacht sowie die Teilung des deutschen Volkes und die Konfrontation der Systeme auf Jahrzehnte vorbestimmt.

Im Westen werden die Kapitel der Geschichte, die mit dem Bestehen der DDR im Zusammenhang stehen, nicht selten diskreditiert und haltlos schwarzgemalt. Der Fokus gilt ausschließlich negativen Aspekten. Abgestritten oder verschwiegen werden soziale, wissenschaftliche, kulturelle, sportliche und sonstige Errungenschaften des ostdeutschen Staates. Verdrängt werden die einzigartigen Erfahrungen eines Staatsaufbaus im Sinne der sozialen Gerechtigkeit, zum Schutz von Arbeitermenschen, zur Gestaltung von Zukunftsperspektiven für nachkommende Generationen und im Interesse von Kindern und Müttern. Die Leistungen also, die vor dem Hintergrund des Nachkriegsruins und der kontinuierlichen Versuche, die DDR zu destabilisieren, erbracht wurden. Es ist klar, dass die im Krieg ausgeblutete Sowjetunion dem ostdeutschen Staat keinen eigenen „Marshall-Plan“ anbieten konnte. Einige Jahre später machte die Sowjetunion jedoch einen anderen Schritt von großer Tragweite: 1953 verzichtete die UdSSR auf Reparationen, die nach Expertenschätzungen bis dahin nicht einmal ein Zehntel des der sowjetischen Volkswirtschaft zugefügten Kriegsschadens ausgeglichen hatten. Unser Land zog es jedoch vor, in die Zukunft zu schauen und diese Zukunft gemeinsam mit dem deutschen Volk zu gestalten.

Zwar können die politischen, ideologischen und sozio-ökonomischen Realitäten in der DDR in den verschiedenen Stadien der ostdeutschen Entwicklung unterschiedlich gesehen werden. Außer Zweifel steht jedoch der Beitrag, den die DDR zur beispiellosen Aussöhnung zwischen dem sowjetischen und dem deutschen Volk nach dem Krieg leistete. Eine entscheidende Rolle spielten dabei die bewusste Ausrichtung der DDR auf eine regelrechte Entnazifizierung und den Ausbau guter nachbarschaftlicher und freundschaftlicher Beziehungen zur UdSSR, u. a. zwischen den Gesellschaften und einzelnen Menschen. Der Hass, den die einstigen Feinde gegeneinander gehegt hatten, wich den Werten der Freundschaft und des Respekts, die durch eine Vielzahl von Kontakten zwischen Berufsgruppen, Gesellschaftsinitiativen, Forschungs-, Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie durch einen intensiven Touristen- und Jugendaustausch zustande kamen. Wir kannten und verstanden einander gut. Auch bis in den heutigen Tag hinein spüren wir, mit wie viel Sympathie die Menschen in den ostdeutschen Bundesländern, von denen viele in der DDR lebten und arbeiteten, auf Russland schauen. Nichts hat sich daran geändert. Nicht in den Jahrzehnten, die seit dem Tag der Deutschen Wiedervereinigung verstrichen sind, an der unser Land auch einen entscheidenden Anteil hatte, aber auch nicht angesichts der aktuellen politischen Turbulenzen und der Versuche, mit Falschinformationen und Propaganda einen Keil zwischen unsere Völker zu treiben. Unstrittig ist auch, dass die Menschen in der Sowjetunion die Deutschen nie als Vertreter des ehemaligen Nazireichs betrachteten. Jeder in Deutschland, der jemals unser Land besuchte, wird bestätigen, dass deutsche Gäste dort immer als Freunde empfangen wurden.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die grausamen Verbrechen des Nazismus in Russland vergessen wurden. Die Doktrinen und Planungen des Dritten Reiches sahen von vornherein einen Vernichtungskrieg und eine barbarische Ausrottung der gesamten Bevölkerung in den besetzten sowjetischen Gebieten vor. Es galt, diese Planungen mit erbarmungslosen und ungeheuerlichen Methoden umzusetzen. 27 Millionen Sowjetbürger wurden Opfer der Nazihenker, mehr als die Hälfte von ihnen waren Zivilisten. Diese Ereignisse dürfen nicht aus dem Gedächtnis gelöscht werden. Sie müssen uns auf alle Zeiten in Erinnerung bleiben. Darüber darf nicht geschwiegen werden.

Wir sind überzeugt, dass es im Hinblick auf den 80. Jahrestag des Sieges über den Nazismus an der Zeit ist, die historische Gerechtigkeit wiederherzustellen, indem die beispiellosen Verbrechen, die vom Dritten Reich und seinen Mittätern gegen die Bevölkerung auf dem Gebiet der UdSSR begangen wurden, als Genozid an den Völkern der Sowjetunion eingestuft werden. Wir hoffen, dass die deutsche Regierung in der Lage ist, Mut und Willen aufzubringen, um diesen Beschluss zu fassen.

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