| Illus Schmidtke 15.10.1951 Berlin 1951 UBz: Das Gebäude der Arbeiter- und Bauernfakultät in der Geschwister-Scholl-Strasse - Bildnachweis: Bundesarchiv Bild 183-12245-0003 |
Die Grundlagebildete der Befehl Nr. 50 des Obersten Chefs der SMAD vom 4.9.1945 zur Vorbereitung der Hochschulen auf den Beginn des Unterrichts.
Waren es bei der Gründung der ABF neun eigenständige Fakultäten, so stieg ihre Anzahl zwischen 1955 und 1961 auf 15 Fakultäten, die in den Standorten Berlin und Berlin (Musik), Leipzig und Leipzig (DHfK), Dresden (Kunst), Dresden/Görlitz, Halle 1 und Halle II, Jena, Rostock, Greifswald, Potsdam, Karl-Marx-Stadt, Freiberg/Sa. und Weimar geschaffen wurden.
In dem Maße, wie in dieser Zeit auch die bildungspolitischen Ziele durch die Schaffung von EOS und Polytechnischen Oberschulen erreicht wurden, konnte ab 1966 die Zahl der ABF bis auf zwei Einrichtungen wieder reduziert werden. Diese beiden Einrichtungen waren die ABF II in Halle und die ABF "Wilhelm Pieck" in Freiberg. In ersterer bereiteten sich Studierende auf ein Auslandsstudium, zumeist in der Sowjetunion, vor. Außerdem schulten sich dort Werktätige für einen Arbeitseinsatz im Ausland. Die ABF in Freiburg hingegen widmete sich weiterhin der allgemeinen Vorbereitung auf ein Fach- oder Hochschulstudium.
Die Zielsetzung:
Die Bildung der ABF orientierte auf die Gewinnung der alten Intelligenz für die aktive Mitwirkung beim demokratischen Aufbau, auf die Gewinnung der neuen Intelligenz und auf beider kameradschaftlicher Zusammenarbeit in enger Verbindung mit den Arbeitern und Bauern. Walter Ulbricht formulierte es am 23. September 1947 so: "Auch heute brauchen wir einen akademischen Nachwuchs. Von diesem Gesichtspunkt aus halten wir die soziale Zusammensetzung der Studentenschaft an den Universitäten für unbefriedigend. An der Universität Halle z. B. studieren nur 8,7 Prozent Arbeiter, 16,7 Prozent Angestellte, 33 Prozent Söhne und Töchter früherer Beamter und 28,9 Prozent Söhne und Töchter der Intelligenz." Otto Grotewohl, später erster Vorsitzender des Ministerrates der DDR, betonte seine Ziele am 5.5.1948 wie folgt: "Wir arbeiten unter anderen Bedingungen und in einer anderen Zeit. Dazu gehört auch, dass wir für die Kinder der Werktätigen die Tore zu den Hochschulen weit aufstoßen. Gerade in der Förderung der Arbeiter- und Bauernstudenten sehen wir eines der wichtigsten Mittel, um eine enge Verbindung der Kulturschaffenden mit den breiten Volksmassen herzustellen."
Wilhelm Pieck, der am 11.10.1949 von der Provisorischen Volkskammer und der Provisorischen Länderkammer der DDR gewählte erste Präsident, skizzierte am 28.10.1949 den bildungspolitischen Weg der DDR auf einer Feierstunde anlässlich der Eingliederung der Arbeiter- und Bauernfakultät in die Humboldt-Universität zu Berlin: "Die Aufnahme der Arbeiter- und Bauernfakultät in den Verband der Humboldt-Universität ist mehr als ein formaler Akt. Darin drückt sich vielmehr aus, dass die alten Schranken, die früher den befähigten jungen Menschen des arbeitenden Volkes den Zugang zu den Höhen der Wissenschaften versperrten, gefallen sind.
In der Deutschen Demokratischen Republik soll aus sozialer Not keine wirkliche Befähigung mehr verkümmern. Den Söhnen und Töchtern unserer Arbeiter und Bauern soll jede Möglichkeit geboten werden, zum Wohl des ganzen deutschen Volkes ihre Fähigkeiten voll zu entwickeln. Der Arbeiter- und Bauernfakultät anzugehören, ist eine hohe Verpflichtung und gewährt keine Vorrechte. Diese hohe Verpflichtung heißt für sie ganz besonders: Lernen, lernen und immer wieder lernen.
Ein neues Verhältnis, beruhend auf dem Prinzip der gegenseitigen Achtung und Gleichberechtigung, beginnt sich zwischen den friedliebenden Staaten der Welt und der Deutschen Demokratischen Republik herauszubilden. Ein solches Verhältnis zu anderen Völkern und ihren Leistungen ist mit dem alten preußisch-deutschen Hochmut nicht zu vereinbaren. Vergessen Sie nie, dass Sie an der Humboldt-Universität nicht zu Ihrem eigenen Nutzen arbeiten und lernen, sondern zum Wohle des ganzen deutschen Volkes, zum Wohle der Deutschen demokratischen Republik."
Die sozialen Wurzeln:
Die jungen Menschen kamen oft direkt aus dem Berufsleben, waren meist Kinder aus Arbeiter-, Bauern-, Intelligenz- und Umsiedlerfamilien. Alle ABF hatten die Aufgabe, junge Werktätige aus der Produktion, der Verwaltung, aus der Kasernierten Volkspolizei und anderen Bereichen von Bildung, Kultur und Gesundheitswesen aufzunehmen und auf ein Fach- oder Hochschulstudium vorzubereiten. Ihnen wurde die Chance geboten, das Abitur zu erwerben. Nicht selten waren es junge Menschen, die wegen zu geringer Kenntnisse oder wegen der Kriegs- und Nachkriegsereignisse den Bildungsweg über die Oberschule nicht gehen konnten.
Es war die neue Arbeiter- und Bauernmacht, die mir und vielen anderen diese Bildungschance geboten hat, und die wir mit Begier und Dankbarkeit genutzt haben.
Mein Weg als Kind einer Spätaussiedlerfamilie
aus Polen führte mich zunächst in die Sowjetische Besatzungszone in das Aufnahmelager Leipzig. Alsbald ging es nach Wiesenburg. Meine Wiedereingliederung in den deutschen Grundschulunterricht erlebte ich am 15. Juni 1949 in der dortigen "Hanno-Günter-Schule". Doch schon Ende Oktober siedelten wir nach Garrey bei Niemegk über, wo ich im Sommer 1950 die Schule mit der 8. Klasse abgeschlossen habe. Nachfolgend wurde ich als Jungarbeiter auf dem Bauernhof des privaten Gärtner A. Gebbers beschäftigt. Diese Landarbeit dauerte bis zum 18. September 1951, bis zu meinem Lehrbeginn im VEB Volksbaumschule "Ernst Thälmann" in Ketzin/Havel.
Nach dem Abschluss der 8. Klasse war ich immer noch der Meinung, nicht alle Wissensdefizite meiner lückenhaften Schullaufbahn ausgeglichen zu haben. Sehr zum Verdruss meiner Eltern hatte ich mich deshalb einer Bewerbung an der Oberschule in Belzig widersetzt.
Als Lehrling nahm ich nun am Berufsschulunterricht in Niemegk teil, engagierte mich mit anderen Jugendlichen im Dorf und in der Berufsschule, was damit belohnt wurde, dass ich mit der FDJ-Delegation der Landjugend des Kreises zu den III. Weltfestspielen der Jugend und Studenten im August 1951 nach Berlin fahren durfte.
Berufsausbildung und Nominierung zur ABF waren die nächsten Aufgaben für mich. Bald war ich gewählter FDJ-Sekretär des 1. Lehrjahres.
Mit dem Berufswettbewerb war den Lehrlingen eine wichtige Gelegenheit gegeben, sich in der Praxis weiter zu qualifizieren. Zunehmend engagierte ich mich in der Neuererbewegung und durfte darum im 2. Lehrjahr 1952 an der Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR am Institut für Landmaschinentechnik in Quedlinburg einen zweiwöchigen Speziallehrgang besuchen. Somit konnte ich die gewonnenen Erkenntnisse in die Neuererbewegung meines Betriebes einbringen. Dafür erhielt ich 1953 als 17-jähriger Lehrling im 3. Lehrjahr die Auszeichnung als Aktivist. Die größte Freude bestand für mich darin, dass mit mir auch Herr Posselt, der Betriebsleiter der volkseigenen Baumschule, als Aktivist ausgezeichnet wurde. Ein Lehrling stand Schulter an Schulter mit dem Betriebsleiter und beide bekamen die gleiche Auszeichnung aus den Händen des BGL-Vorsitzenden.
Für kontinuierlich gute Leistungen im Berufswettbewerb erhielten einige Lehrlinge die Möglichkeit, die Gesellenprüfung ein halbes Jahr früher abzulegen. Zu denen gehörte ich. So konnte ich schon im März 1954 meine Lehrzeit beenden. Nur wenige Wochen später wurde ich vom Betrieb für den Besuch der ABF Potsdam nominiert, um nachfolgend Gartenbau an der Humboldt-Universität studieren zu können. Nach erfolgreicher Aufnahmeprüfung an der ABF im Juni 1954 wurde auf einer Betriebsversammlung meine offizielle Delegierung durch die Betriebsleitung bekannt gegeben. Gute fachliche Arbeit und gesellschaftliches Engagement war die Begründung.
ABF von innen
Der offizielle Studienbeginn war der 1. September 1954. Wie Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck es in ihren Reden vor ABF-Studenten es wiederholt gesagt hatten, galten wir Immatrikulanten nicht als privilegiert. Wir bejahten unseren Staat und wir wollten die Welt nicht nur interpretieren, wie es Karl Marx in der 11. Feuerbachthese den Philosophen unmissverständlich vorgehalten hat, sondern wir fühlten uns aufgefordert, den Fortschritt in der Gesellschaft mit zu gestalten. Ganz so, wie es in unserer Nationalhymne stand. Wir waren durchaus Realisten, keine Revolutionsromantiker. Für uns Neuankömmlinge, die aus der Produktion kamen, fiel zunächst die Umstellung von der jahrelangen manuellen Arbeit zur geistigen Tätigkeit sehr schwer. Wir mussten uns gegenseitig helfen. Konkret hieß das, freiwillig Studiengemeinschaften zu bilden. Die Zusammenschlüsse sind uns nicht verordnet worden. Aus anfänglich lockeren Zusammenschlüssen wurden schnell feste Solidargemeinschaften. Unsere tiefste Überzeugung war, dass wir keinen unseresgleichen auf dem Weg zur Hochschulreife verlieren wollten.
Das erste Studienjahr, die Grundstufe A, bestand aus sechs Klassen. Wegen meiner Erfahrung als Weltfestspielteilnehmer und als FDJ-Sekretär im Betrieb, wurde ich in meiner Klasse wieder als FDJ-Sekretär gewählt. Durchschnittlich hatte eine Klasse im ersten Studienjahr 27 bis 29 Studenten. Im zweiten Studienjahr, der Stufe B, bestanden ebenfalls noch sechs Klassen, doch diese waren nun in drei Zweige differenziert, jeweils zwei Klassen für den medizinisch-biologischen (BM), für den naturwissenschaftlich-mathematischen (BN) und für den geisteswissenschaftlichen (BG) Zweig. Diese Aufgliederung wurde den späteren Berufswünsche der Kandidaten annähernd gerecht. Im dritten Studienjahr, der Stufe C, wurde diese Differenzierung beibehalten. Methodik gehörte nun mal zur durchdachten Planwirtschaft. Die Klassenstärke lag im zweiten Jahr bei etwa 22, im dritten Jahr bei 20 Studenten. Die hohe Klassenfrequenz, das zeigte die Erfahrung, war eine Ursache für manche unbefriedigende fachliche Leistung und für manche gesundheitlichen Probleme, die einige Studenten nach dem ersten Jahr aufgeben ließen.
Strenge Regeln
Der Unterricht begann stets um 8 Uhr, endete um 13 Uhr. Das Schulgebäude befand sich in der Hegelallee in Potsdam, heute das Gebäude des Einstein-Gymnasiums.
Die Mittagspause dauerte von 13-14 Uhr. Daran schloss sich eine obligatorische Ruhepause unter Einhaltung von Bettruhe an, kontrolliert von einem Lehrer und einem Studenten vom Dienst. Nach 15:30 Uhr folgte das Selbststudium, das in der Gruppe oder auch individuell gestaltet werden konnte. Zwischen 18 und 19 Uhr war Abendbrotpause. Der Abend war weitgehend frei. Doch oft gab es Veranstaltungen, Versammlungen, Sporttraining.
Freizeit war sehr kurz bemessen, weil ja auch das Selbststudium fortgesetzt werden musste. Das freie Wochenende wurde von den meisten Studenten für eine Heimfahrt genutzt oder für die Vorbereitung auf die nächste Woche. Für Unterhaltungsabende stand uns der Studentenklub zur Verfügung. Auch Künstler vom nahegelegenen Hans-Otto-Theater waren da zu Gast. Manche Studenten besuchten zudem das Haus der sowjetischen Offiziere, als gern gesehene Gäste.
Einige Studenten empfanden das strenge Studienregime als paramilitärisch. Auf den ersten Blick mag das den Anschein haben. Doch bei kritischer Wertung aus heutiger Sicht hat sich bei den meisten diese Ordnung als zweckdienlich erwiesen. Bei einigen, die später an der Universität eine locker Studienführung vorfanden und die glaubten, Freiheit ohne Stress genießen zu können, endete die weitere Laufbahn mit der Exmatrikulation. Von den sieben immatrikulierten Studenten der Humanmedizin an der Humboldt-Universität zu Berlin haben nur drei Medizinstudenten ihr Studium mit dem Staatsexamen abgeschlossen.
Unsere Gemeinschaft
Während des Volksaufstandes 1956 in Ungarn streuten westliche Medien unter den ABF-Studenten in Potsdam, dass unser Abitur nach nur drei jähriger Ausbildung von geringerem Wert sei als das der Oberschulen. Wir haben das rasch durchschaut, schließlich lag nebenan ja Westberlin und von dorther waren solche verbalen Schießübungen gängige Alltagspraxis. Dennoch war uns diese Diskriminierung Anlass, vor unserer Schulleitung klarzustellen, dass wir nach dem gleichen Lehrinhalten unterrichtet und geprüft wurden, die für alle Oberschulen galten. Für das Studium erforderte das von uns strikte Disziplin, Selbstdisziplin, die konsequente Einhaltung der Schulordnung und vor allem Solidarität untereinander.
In den Sommerferien 1955 und 1956 fanden jeweils Lehrgänge für den Beginn des neuen Studienjahres in der Pionierrepublik "Wilhelm Pieck" am Werbellinsee statt. Das waren Mischungen aus studentischem Ferienlager mit Vorbereitungsseminaren für das nächste Studienjahr. Auch gesellschaftspolitische Bildung hatte darin einen festen Platz. Da gab es durchaus nicht immer Übereinstimmung. Einige von uns haben das Auftreten einiger Vorzeigereferenten aus Kreisen der Kultur, der Massenorganisationen, vereinzelt auch aus der Politik mit Skepsis und Zurückhaltung begleitet, waren doch unter ihnen keine Werktätigen aus Betrieben, die über Erfahrungen hätten berichten können. Wir, die wir ja aus der Produktion kamen, hätten uns solche Diskussionspartner sehr gewünscht.
Arbeits- und Ernteeinsätze
Ihre Notwendigkeit war für uns schon in den Versen unserer Nationalhymne
"Lass uns dir zum Guten dienen,
Deutschland einig Vaterland.
Alte Not gilt es zu zwingen,
und wir zwingen sie vereint."
eindringlich nahe gebracht worden. Arbeits- und Ernteeinsätze sind bis weit in die 60er Jahre durchgeführt worden, um bei der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs zu helfen. Unsere Philosophie, dass Wertschöpfung immer aus sinnvollem Zusammenwirken von Theorie und Praxis hervorgeht, sollte ja auch uns, der lernenden Jugend, vor Augen geführt werden. Daraus ergab sich auch, dass unsere Zwischenzeugnisse den Kaderleitungen in den Betrieben vorzulegen waren. Damit blieb der Kontakt zwischen uns und der Belegschaft des Betriebes erhalten.
Unser erster Arbeitseinsatz fand im Januar und Februar 1955 bei klirrender Kälte im Braunkohlentagebau "Schwarze Pumpe" statt. Das war einprägsam, denn wir lernten erstmals die schweren Arbeitsbedingungen der Kohlekumpel kennen. Außer einem kleinen Fläschchen Grubenschnaps gab es keine Vergütung für uns. Andere Einsätze führten zur Kartoffelernte nach Putbus und in ein Dorf bei Nauen. Unsere Hilfe wurde von der Bevölkerung dankbar anerkannt, auch, weil wir ja jugendlichen Schwung ins Dorf brachten.
Unsere Transportzüge sorgten zudem auf den Bahnhöfen dafür, dass Einwohner von der Existenz der Arbeiter- und Bauernfakultäten erfuhren. Für uns war der Zuspruch, den es gab, eine bestätigende Erfahrung.
Mit dem Abschluss
des Abiturs Anfang Juni 1957 kam es zu einem unverhofften Wendepunkt im Leben einiger Kommilitonen, auch meines Lebens. Der Direktor Fritz Leib schlug uns vor, abweichend von unseren bisherigen Studienplänen, Medizin an der Humboldt-Universität zu studieren. Warum? 1956 gab es bei der offenen Staatsgrenze zwischen der BRD und der DDR nach offensichtlich gesteuerten Abwerbeaktionen eine Fluchtwelle von DDR-Ärzten. Die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung wurde empfindlich gestört und drohte in einigen Orten zu versagen. Dass das unsere Brüder sein sollten, bekam einen faden Beigeschmack. Der bisherige medizinische Nachwuchs hätte nicht ausgereicht, die entstandenen Lücken zu schließen. Da musste rasch aufgestockt werden.
So war der Wechsel vom Gartenbau- zum Medizinstudium nicht mein Wunsch, sondern mehr ein Ausdruck meines Pflichtverständnisses. Die Entscheidungsfrage hatte uns überrumpelt. Und es gab nur drei Tage Bedenkzeit. Ich schwankte zwischen Pflichtbewusstein und dem Versprechen, das ich den Angehörigen meines Betriebes gegeben hatte.
Am zweiten Juniwochenende 1957 ging ich zum Kaderchef meiner Baumschule. Hilflos und unbeholfen stand ich vor ihm. Ich wusste nicht, wie er auf meine Ankündigung reagieren würde. Doch der, Spanienkämpfer und alter Kommunist, hatte bald durchschaut, was mich umtrieb und sagte: "Das ist eine Auszeichnung. Willst Du? Oder Nicht? Und du willst. Jawohl."
Und ich sagte: "Ja", und fuhr zurück nach Potsdam, um seine und meine Entscheidung dem Lehrerkollektiv mitzuteilen.
ABF für mich
Für mich war sie DDR. Mit der Gründung der ersten Arbeiter- und Bauernrepublik auf deutschem Boden war es möglich geworden, das Leben vieler junger Menschen, ihre weitere persönliche und berufliche Entwicklung zu fördern. Natürlich mussten neben den persönlichen Neigungen des einzelnen auch die Bedürfnisse des Staates, seine Fähigkeit, auf aktuelle und künftige ökonomische, kulturelle, wissenschaftliche, bildungspolitische, ja auch gesundheitspolitische Anforderungen angemessen reagieren zu können, bedacht werden. Für mich, den heute 74-jährigen, resultiert daraus die Überzeugung: Das war zweifelsfrei für mich eine richtige Entscheidung und gemäß dem Eid des Hippokrates, den ich 1957 vor dem Dekan der Medizinischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin geleistet habe, war das auch für meine späteren Patienten gut und richtig.
Dem Inhalt dieser Eidesverpflichtung bin ich treu gefolgt. Auf dem Wege zum Arztwerden und Arztsein standen mir aufrechte DDR-Bürger, erfahrene Menschenkenner und Hochschullehrer auch aus Westberlin und hilfsbereite, selbstlose Marxisten zur Seite. Einem von ihnen, meinem früheren Klassenkameraden Ingolf Schwerdtfeger aus Luckenwalde, schulde ich besonderen Dank dafür, dass er mich mit Rat und Tat bei diesem Bericht unterstützt hat.
Erhardt Thomas
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