Fritz Johne - ein General mit Herz
Anfang Januar 1958 wurde in Dresden die Militärakademie der DDR, die höchste akademische Lehreinrichtung der Nationalen Volksarmee, gegründet. Ihr erster Kommandeur war Generalmajor Friedrich (Fritz) Johne. Er verkörperte das, was man immer unter einem General des Volkes verstand, und war Vorbild für ganze Generationen von Offizieren. Friedrich Johne wurde am 15. Juni 1911 in Ketten bei Grottau (Chotyne u Hradku, Tschechien) als Sohn eines Tischlers geboren. Nach dem Volksschulabschluß besuchte er die Bürgerschule und absolvierte dann eine kaufmännische Lehre. Danach war er bis August 1931 als Angestellter tätig. Während dieser Zeit trat er dem kommunistischen Jugendverband der SR bei.
Wegen antimilitaristischer Propaganda zu einer Haftstrafe verurteilt, bekam er nach deren Verbüßung keine Arbeit. Von 1933 bis 1935 leistete Fritz Johne seinen Wehrdienst als Soldat in einem Dragonerregiment der tschechoslowakischen Armee ab. Nach erneuter Arbeitslosigkeit fand er Beschäftigung in einer Genossenschaftsfleischerei. Er wurde Mitglied der KP der Tschechoslowakei und leistete deutschen Emigranten aktive Hilfe.
Im August 1937 begab sich Fritz, wie ihn nicht nur seine persönlichen Freunde nannten, nach Spanien. Hier kämpfte er während des Bürgerkriegs zuerst im Bataillon "Dimitroff" und ab März 1938 im tschechoslowakischen 3. Bataillon "T. G. Masaryk" der Internationalen Brigaden. Vom Oktober 1938 bis Februar 1939 war er dessen Politkommissar. Nach dem Rückzug der Spanienkämpfer auf französisches Territorium wurde Fritz Johne zwischen 1939 und 1944 in den Lagern St. Cyprienne, Gurs, Agder und Vernet interniert. Dann lieferte man ihn an die deutschen Faschisten aus. Er lernte elf verschiedene Gefängnisse kennen, bis man ihn schließlich ins KZ Sachsenhausen überführte.
Fritz Johne nahm am Todesmarsch der Häftlinge teil und wurde am 2. Mai 1945 durch die Sowjetarmee befreit. In die SR zurückgekehrt, war er in einer Antifa-Kanzlei in Liberec tätig. Da er als deutscher Kommunist seine Nationalität nicht aufgeben wollte, was von allen nicht ausgewiesenen Deutschen verlangt wurde, betätigte er sich als Mitorganisator der freiwilligen Umsiedlung deutscher Antifaschisten aus dem Sudetenland in die sowjetische Besatzungszone.
Anfangs war er mit seiner Familie in Pirna untergebracht, bevor ihn die SED in Halle einsetzte. Im August 1948 begann der erfahrene Soldat seinen Dienst als Angehöriger der bewaffneten Organe der SBZ, später der DDR. Zunächst war er in der VP-Landesbehörde von Sachsen-Anhalt tätig. Nach einem Sonderlehrgang in der UdSSR setzte man ihn im Oktober 1950 als Offizier in der Hauptverwaltung Ausbildung (HVA) ein. Mit Gründung der Kasernierten Volkspolizei (KVP) arbeitete er in der Verwaltung für Ausbildung und Lehranstalten in leitender Position. Er wurde zum Generalmajor ernannt.
Nach Meinungsverschiedenheiten mit dem Chef der KVP über die zeitweilige Verwendung ehemaliger Wehrmachtsoffiziere versetzte man ihn 1954 nach Leipzig, wo er für die Territorialverwaltung Süd und dann für den Aufbau des Militärbezirks III der NVA Verantwortung trug. Nach dem Besuch der Akademie des Generalstabs der Sowjetarmee (1957-1959) befehligte Fritz Johne bis 1963 als Kommandeur die Militärakademie "Friedrich Engels" in Dresden. Unter den Offizieren und Soldaten war er als sehr menschlicher, hilfsbereiter, undogmatischer und kritisch denkender General bekannt und beliebt. Das brachte ihm bisweilen bei Vorgesetzten Ärger ein.
Im Juni 1963 wurde Fritz Johne zum Botschafter der DDR in der Republik Kuba ernannt. Diese Aufgabe erfüllte er bis zu einer schweren Erkrankung im Juni 1967. Die letzte Zeit seines Lebens verbrachte er als Rentner in Dresden, wo er sich auch als Vorsitzender des Bezirkskomitees der antifaschistischen Widerstandskämpfer einen Namen machte. Fritz Johne verstarb am 14. September 1989.
Dr. Dieter Kürschner, Leipzig
Wegen antimilitaristischer Propaganda zu einer Haftstrafe verurteilt, bekam er nach deren Verbüßung keine Arbeit. Von 1933 bis 1935 leistete Fritz Johne seinen Wehrdienst als Soldat in einem Dragonerregiment der tschechoslowakischen Armee ab. Nach erneuter Arbeitslosigkeit fand er Beschäftigung in einer Genossenschaftsfleischerei. Er wurde Mitglied der KP der Tschechoslowakei und leistete deutschen Emigranten aktive Hilfe.
Im August 1937 begab sich Fritz, wie ihn nicht nur seine persönlichen Freunde nannten, nach Spanien. Hier kämpfte er während des Bürgerkriegs zuerst im Bataillon "Dimitroff" und ab März 1938 im tschechoslowakischen 3. Bataillon "T. G. Masaryk" der Internationalen Brigaden. Vom Oktober 1938 bis Februar 1939 war er dessen Politkommissar. Nach dem Rückzug der Spanienkämpfer auf französisches Territorium wurde Fritz Johne zwischen 1939 und 1944 in den Lagern St. Cyprienne, Gurs, Agder und Vernet interniert. Dann lieferte man ihn an die deutschen Faschisten aus. Er lernte elf verschiedene Gefängnisse kennen, bis man ihn schließlich ins KZ Sachsenhausen überführte.
Fritz Johne nahm am Todesmarsch der Häftlinge teil und wurde am 2. Mai 1945 durch die Sowjetarmee befreit. In die SR zurückgekehrt, war er in einer Antifa-Kanzlei in Liberec tätig. Da er als deutscher Kommunist seine Nationalität nicht aufgeben wollte, was von allen nicht ausgewiesenen Deutschen verlangt wurde, betätigte er sich als Mitorganisator der freiwilligen Umsiedlung deutscher Antifaschisten aus dem Sudetenland in die sowjetische Besatzungszone.
Anfangs war er mit seiner Familie in Pirna untergebracht, bevor ihn die SED in Halle einsetzte. Im August 1948 begann der erfahrene Soldat seinen Dienst als Angehöriger der bewaffneten Organe der SBZ, später der DDR. Zunächst war er in der VP-Landesbehörde von Sachsen-Anhalt tätig. Nach einem Sonderlehrgang in der UdSSR setzte man ihn im Oktober 1950 als Offizier in der Hauptverwaltung Ausbildung (HVA) ein. Mit Gründung der Kasernierten Volkspolizei (KVP) arbeitete er in der Verwaltung für Ausbildung und Lehranstalten in leitender Position. Er wurde zum Generalmajor ernannt.
Nach Meinungsverschiedenheiten mit dem Chef der KVP über die zeitweilige Verwendung ehemaliger Wehrmachtsoffiziere versetzte man ihn 1954 nach Leipzig, wo er für die Territorialverwaltung Süd und dann für den Aufbau des Militärbezirks III der NVA Verantwortung trug. Nach dem Besuch der Akademie des Generalstabs der Sowjetarmee (1957-1959) befehligte Fritz Johne bis 1963 als Kommandeur die Militärakademie "Friedrich Engels" in Dresden. Unter den Offizieren und Soldaten war er als sehr menschlicher, hilfsbereiter, undogmatischer und kritisch denkender General bekannt und beliebt. Das brachte ihm bisweilen bei Vorgesetzten Ärger ein.
![]() |
| Absolventenabzeichen der Militärakademie "Friedrich Engels" |
Dr. Dieter Kürschner, Leipzig

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Durch Absenden des Kommentars erkläre ich mich einverstanden, dass meine eingegebenen Daten elektronisch gespeichert und zum Zweck der Kontaktaufnahme verarbeitet und genutzt werden. Mir ist bekannt, dass ich meine Einwilligung jederzeit widerrufen kann. Der weitergehende Datenschutzhinweis für Kommentare befindet sich im Impressum.