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Samstag, 21. April 2012

Fritz Weineck - Der kleine Trompeter

Der kleine Trompeter: ein Lied, das in der DDR wohl jedes Kind gekannt hat. Die Verse erinnern an Fritz Weineck, Hornist im Roten Frontkämpferbund. Der wurde wenige Tage vor seinem 28. Geburtstag erschossen, als die Polizei eine Versammlung mit Ernst Thälmann am 13. März 1925 in Halle gewaltsam auflöste. Zehn Menschen starben im Kugelhagel, eines der Opfer war Fritz Weineck.

Ansichtskartenmotiv des "Trompeterdenkmal" in Halle, 80er Jahre.
Fritz Weineck wurde am 26. März 1897 in der Kanzleigasse von Glaucha - einem damaligen Arbeiterviertel von Halle - geboren. Er erlernte den Beruf des Bürstenbinders und war Soldat im Ersten Weltkrieg, in dem er verwundet wurde. 1921 heiratete er Meta Dietze, mit der er ein Kind hatte. Ab 1924 wurde er Mitglied im Roten Frontkämpferbund (RFB) und betätigte sich musikalisch als Hornist in einem Spielmannszug des RFB. Er starb am 13. März 1925 in Folge der gewaltsamen Auflösung einer  Wahlveranstaltung der KPD durch die Polizei zusammen mit neun weiteren Personen. Als die Todesopfer zu Grabe getragen wurden, folgten Zehntausende ihren Särgen und in allen größeren Betrieben der Stadt legten die Arbeiter die Arbeit nieder.
Durch den Tod Friedrich Eberts am 28. Februar 1925 wurde eine Präsidentschaftswahl notwendig. Die KPD hatte hierfür Ernst Thälmann nominiert und die starke Arbeiterschaft in Bitterfeld demonstrierte für ihn als Kandidaten. Im Zusammenhang mit der Präsidentschaftswahl fand am 13. März 1925 im halleschen Volkspark eine Wahlveranstaltung statt, bei der sich Ernst Thälmann mit einer Rede an die Bevölkerung wandte. Nachdem zunächst einige ausländische Redner Begrüßungs-worte an die Versammlung gerichtet hatten, wurden sie in ihrer Rede unterbrochen, bevor diese ins Deutsche übersetzt werden konnte. Durch einen Seiteneingang betrat die Schutzpolizei unter Führung des Polizeioffiziers Leutnant Pietzer den Saal, um die Versammlung aufzulösen. Einige Teilnehmer der Versammlung versuchten die Menge zu beruhigen, mit dem Leutnant in Verbindung zu treten und ihn zur Bühne zu bitten, was jedoch scheiterte. Die Anweisungen des Leutnants wurden im allgemeinen Tumult nicht verstanden bzw. nicht befolgt.
Die Schutzpolizei drängte daraufhin die Versammlungsteilnehmer mit Gummiknüppeln aus dem Saal. Leutnant Pietzer und Angehörige der Schutzpolizei sollen mehr als 50 Schuss in die Menge abgegeben haben. Durch die nach draußen drängende Menge brachen die Streben des Treppengeländers. Insgesamt gab es 10 Todesopfer. Fritz Weineck und drei weitere Menschen waren sofort tot, die anderen starben auf dem Weg ins Krankenhaus. Laut dem Obduktionsbericht starb Weineck durch einen Schuss in den Rücken in Brusthöhe.

In Erinnerung an Fritz Weineck entstand 1925, aus einem umgedichteten Soldatenlied des 1. Weltkrieges, das bekannte Lied Der kleine Trompeter, dass bis zum heutigen Tage weite Verbreitung findet. 


Die Fassung von 1925 bestand aus fünf Strophen:

Von all’ unsern Kameraden
war keiner so lieb und gut,
wie unser kleiner Trompeter,
ein lustiges Rotgardistenblut.

Wir saßen so fröhlich beisammen
in einer so stürmischen Nacht,
mit seinen Freiheitsliedern
hat er uns so fröhlich gemacht.

Da kam eine feindliche Kugel
bei ein’ so fröhlichem Spiel,
mit einem so mutigen Lächeln
unser kleiner Trompeter, er fiel.

Da nahmen wir Hacke und Spaten
und gruben ihm morgens ein Grab.
Und die ihn am liebsten hatten,
die senkten ihn stille hinab.

Schlaf wohl, du kleiner Trompeter,
wir waren dir alle so gut.
Schlaf wohl du kleiner Trompeter,
du lustiges Rotgardistenblut.




In der Deutschen Demokratische Republik wurde das Andenken an Fritz Weineck, im Sinne der Traditionen der revolutionären Arbeiterbewegung, in Ehren gehalten. Die Originalversion wurde dabei um eine Textstrophe verlängert:

Du bist nicht vergeblich gefallen,
dein Werk haben wir nun vollbracht.
Wir bauten den Staat, der uns allen
die Freiheit und den Frieden gebracht.
Laßt stolz unsern Ruf drum erschallen:
Es lebe die Arbeitermacht!


Darüberhinaus wurden u.a.:
  • Straßen, Schulen und Plätze in der DDR nach Fritz Weineck benannt.
  • 1958 erfolgte im Rahmen des III. Pioniertreffens eine Umbenennung des Rive-Ufers in Halle (Saale) in "Weineck-Ufer". Dort wurde das „Trompeterdenkmal“ errichtet, welches für Fahnenappelle der Pionierorganisation genutzt wurde. (Nach der Konterrevolution wurde das Weineck-Denkmal entfernt und befindet sich heute im Magazin des Museums für Stadtge-schichte Halle.)
  • 1964 entstand der DEFA-Film "Das Lied vom Trompeter" von Konrad Petzold.
  • 1970 erschien eine 10-Pfennig-Briefmarke „Der kleine Trompeter“, auf welcher die Statue aus Halle abgebildet war.
  • Das „Motorisierte Schützenregiment 17“ der 11. motorisierten Schützendivision der NVA in Halle trug den Ehrennamen „Fritz Weineck“.
  • Eines der größten Ferienhotels in Oberhof war das 1974 eröffnete FDGB-Erholungsheim „Fritz Weineck“ für 700 Gäste.
  • Vom Kinderbuchverlag Berlin wurde die Taschenbuchreihe Die kleinen Trompeterbücher herausgegeben. Die Geschichte über Fritz Weineck ist als Band 1 der Reihe erschienen.




Das Lied vom kleinen Trompeter

Ein Film von Konrad Petzold nach dem Roman "Unser kleiner Trompeter" von Otto Gotsche.
DEFA-Film von 1964. ICESTORM DDR-TV Archiv

1 Kommentar:

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