Der „König“ Fußball faszinierte auch in der DDR die Massen! Manche Vorgesetzte berichteten darüber, dass in den Betrieben besser gearbeitet wurde wenn „ihr“ Team amWochenende vorher siegreich war. Dabei fing im Osten alles mal ganz bescheiden an. In den 50-er Jahren war manches dabei noch chaotisch organisiert. Während die BRD den Weltmeistertitel 1954 in Bern als die „Geburt der Nation“ feierte, wurde im DDR-Fußball vieles administrativ entschieden. Teilweise wurden sogar ganze Mannschaften vom Erzgebirge an die Ostsee umgesetzt!
Mit der Gründung der Bundesliga in der BRD (1963) sahen auch die DDR-Funktionäre ein, dass sie neue Strukturen schaffen mussten. 1965 bildeten sich die „Fußballclubs“ (FC)– mit starker Bindung an sogenannte „Trägerbetriebe“. Damit hoffte man der fortschreitenden Professionalisierung des Fußballs im Westen Paroli bieten zu können. Immerhin war es im „Westen“ damals schon erlaubt, die Teams mit maximal drei EU-Ausländern zu verstärken. Der Österreicher Willi Huberts, der Ungar Istvan Sztani (Eintracht Frankfurt), die Dänen Simonsen, Le Fevre und Jensen (alle Borussia Mönchengladbach) sind Beispiele der kommerziellen Fußballzeit des Westens um die 60er und 70er Jahre.
| Aus dem Archiv des DDR-Kabinett-Bochum |
Trotzdem zählten die 70er Jahre zu den erfolgreichsten des DDR-Fußballs! Die Ära des BFC Dynamo Berlin – der Prestigeverein von Staatssicherheits-minister Mielke – spielte dabei am professionellsten! Zehnmal hintereinander holte Dynamo die Meisterschaft. Manchmal auch ein wenig begünstigt durch fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen. Man scheute sich „offiziell“, den verhassten Profifußball des Westens einzuführen. Dies passte auch ideologisch nicht zu dieser Republik.
Aber man sah ein, dass man dem Fußball in der DDR eine gewisse Sonderrolle einräumen musste. Ob man wollte oder nicht bestand durch die Nähe zum anderen Deutschland Handlungsbedarf in der Professionalität des Fußballsportes! Erhielt 1974 jeder Spieler Ost bei der Teilnahme an der WM mal gerade 2 000 Mark als Prämie, bekamen die westdeutschen Spieler 70 000 DM. Auch die Höhe der monatlichen Bezüge waren hier völlig unterschiedlich! Dort (DDR) ca. 3 000 Mark pro Monat – hier (BRD) pro Monat 20 000 bis 30 000 DM für
Spitzenspieler ...
![]() |
| "Lexikon Fußball" - VEB Bibliographisches Institur Leipzig 1988 - aus dem Bibliotheksbestand des DDR-Kabinett-Bochum e.V. |
Unter diesen Bedingungen wurde jede
Reise in den kapitalistischen Westen für
DDR Funktionäre eine Reise in das Ungewisse!
Mit den Worten „Freiheit“ und
„Demokratie“ setzten sich hoffnungsvolle
DDR-Fußballspieler – wie Nachtweih,
Pahl, Götz (später Trainer bei Hertha BSC)
und Jörg Berger in den Westen ab!
Deren Gehalt wuchs nach einer kurzen
Sperre auf Tausende DM pro Monat! Solche Wechsel wurden auch von
„Schleußerbanden“ professionell vorbereitet.
Natürlich – aus Angst um das sportliche
Ausbluten – kam es auch seitens der
DDR-Funktionäre zu „Überreaktionen“.
Fußballer, die mit ihrem Verein in den
Westen reisten, wurden abgeschottet, beobachtet
und kaum aus dem Auge gelassen.
![]() |
| "Fussball-Magnet für Millionen" - Sportverlag Berlin 1977 - aus dem Bibliotheksbestand des DDR-Kabinett-Bochum e.V. |
Am 22. Juni 1974 schließlich kam es in
Hamburg bei der WM zur Fußballsensation.
Der Kampf David (DDR) gegen
Goliath (BRD) stand an. Weltstars wie
Beckenbauer, Müller, Breitner und
Overath spielten gegen Wätzlich, Lauck,
Bransch, Croy, Hamann und einen gewissen gewissen Sparwasser. Vom Papier her reine
Formsache. Schon zur Halbzeit (0:0)
rieb mancher sich die Augen – das DDR
Team ärgerte den Favoriten gewaltig !
Als in der 78. Minute Jürgen Sparwasser
gar das 1:0 gelang, war die Sensation
perfekt. Mit Ausnahme des Wembley
Tores wurde später kein Treffer so beschrieben,
wie dieses Tor. Die DDR-Bilanz
gegen die BRD wird dadurch immer
positiv bleiben.
Dieses innerdeutsche Länderspiel blieb
bis zur Wende das einzige Aufeinandertreffen
der beiden Länder. Versuche des
DFB an den DFV zu einem Freundschaftsspiel
wurden von Ostseite immer
dankbar abgelehnt.
![]() |
| Foto aus "Fussball-Magnet für Millionen" - Sportverlag Berlin 1977 |
In
die 1. Bundesliga wurden ab 1990 zwei
Ostvereine und sechs in die 2. Liga eingegliedert.
Von der ruhmreichen DDR-Zeit ist im
Fußballsport nichts mehr übrig. Tristesse
aller Orten. Und wenn was geht, dann
nur mit Millionen von Sponsoren, mit
Spielern aus aller Herren Länder. Die
Spieler der ehemaligen DDR werden
heute im Alter von 16 bis 17 Jahren von
den reichen Westvereinen („Braucht
dein Vater einen Arbeitsplatz“?) abgeworben.
Der DDR-Fußball ist nur noch Geschichte. Die Meinung, ob der ein
„verhätscheltes Stiefkind der Funktionäre“
oder ein „Prestigeobjekt der Staatsicherheit“
gewesen sei, gehen dabei auseinander.
Eigentlich schade – denn im
Vergleich zum westlichen Fußball à la
BRD war er jedenfalls eines nicht: „Werbelitfasssäule
und Pressesprecher für das
ihn finanzierende Großkapital ...“
Und das war ja immerhin auch schon etwas...
Werner Bischoff
Einen Überblick über den Fußball in der DDR, der DDR-Oberliga und dem FDGB-Pokal findet man hier:



Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Durch Absenden des Kommentars erkläre ich mich einverstanden, dass meine eingegebenen Daten elektronisch gespeichert und zum Zweck der Kontaktaufnahme verarbeitet und genutzt werden. Mir ist bekannt, dass ich meine Einwilligung jederzeit widerrufen kann. Der weitergehende Datenschutzhinweis für Kommentare befindet sich im Impressum.