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Freitag, 11. Mai 2012

Die DDR unterm Lügenberg


Ralph Hartmann, bekannt als Autor des Bestsellers "Die Liquidatoren" geht in seinem Buch "Die DDR unterm Lügenberg" der Frage nach, warum die Herrschenden und die in ihrem Auftrag handeln den "verblichenen Staat" DDR "nicht in Frieden ruhen" lassen können. Was nämlich als Aufarbeitung verkauft wird, stellt in Wahrheit eine Abrechnung mit dem ersten sozialistischen Versuch auf deutschem Boden dar. Die Möglichkeit einer gesellschaftlichen Alternative zu dem nach Profit heischenden Kapitalismus soll für immer und ewig aus den Köpfen der Menschen verschwinden. Stattdessen sollen sie glauben, was täglich durch die Medien in ihre Wohnzimmer strahlt. Mit allen Mitteln der Kunst werden die dreistesten Lügen und Horrormeldungen über die DDR verbreitet. Mit solcher Gehirnwäsche wird gleichzeitig von den aktuellen Problemen des real existierenden Kapitalismus abgelenkt, die angesichts der behaupteten Gräuslichkeiten in der DDR verblassen.
Ein Gespenst geht um, das ist die "Lügenkrankheit", so beginnt Ralph Hartmanns gründliche und differenzierte Arbeit. Der ehemalige Botschafter der DDR in Jugoslawien steht immer noch zur Deutschen Demokratischen Republik. Dieses Bekenntnis zwingt ihn weder die DDR als "das ersehnte Land Utopia" zu preisen noch ihre Schwächen zu rechtfertigen, die leider - so der Autor - mit zum Niedergang der Deutschen Demokratischen Republik geführt haben. Er hält sich einfach nur an die Fakten. Hartmanns Buch ist in zehn Kapitel aufgeteilt. Die wichtigsten Lügen, die über die Deutsche Demokratische Republik verbreitet werden, sind darin im Wesentlichen zusammengefasst. "Lüge Nr. 1 - Die zwei deutschen Diktaturen" eröffnet den Reigen. Sie ist die unwürdigste und infamste von allen. Dass selbst der Antifaschismus, der Gründungskonsens und tragende Säule von Staat und Gesellschaft der DDR war, ihr auf hinterhältige Weise streitig gemacht wird, zeigt "Lüge Nr. 3 - Der verordnete Antifaschismus". Man dreht den Spieß einfach um und projiziert die Versäumnisse der Bundesrepublik im Umgang mit den Verbrechen des Faschismus auf die DDR. In einem Zitat aus dem Focus vom 8. Mai 2010 heißt es: "... feiert die Linkspartei wieder die 'antifaschistische' DDR. Selbst DDR-Gegner glauben die Mär vom Antifaschismus. In Wahrheit machten viele Naziverbrecher Karriere."
Hartmann entlarvt mit sprachlicher Perfektion und spitzer Feder diese Lügen. Er beginnt mit Zitaten aus Horrormeldungen, wie beispielsweise im Kapitel "Lüge Nr. 2 - Stasifolter und Stasiterror". Ein ehemaliger Häftling packt aus, er ist "einer von 240 Häftlingen, die in Hohenschönhausen täglich acht Stunden verhört wurden." Anschließend vergleicht er diese Lügen mit Fakten aus der Realität der DDR, ohne schön zu färben, z.B. zum Thema "Die Alleinschuld der DDR an der Mauer". Er sieht dabei durchaus den Widerspruch, in den sich die DDR begab, als die Entscheidung (übrigens nicht allein von der DDR ausgehend) über den Bau der Mauer fiel: "Die Errichtung der Mauer war ein Sieg der Länder, 'die sich sozialistische Staatengemeinschaft nannten', und eine Niederlage für den Sozialismus mit seinen zutiefst humanistischen Zielen." Schließlich und endlich überprüft er die Behauptungen noch einmal, indem er bundesrepublikanische Wirklichkeit betrachtet und offen legt. Er belegt, dass trotz aller Rhetorik um die "Deutsche Einheit" die Spaltung Deutschlands eine westliche Bestrebung war.

Ulla Ermen

Ralph Hartmann
Die DDR unterm Lügenberg
ISBN 978-3-360-01820-5
Preis 9,95 Euro

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