...und am 1. Juli 1991 eine Organisation des Friedens aufgelöst
Während der ganzen Zeit ihrer Existenz erwies sich die Warschauer
Vertragsorganisation als ein zuverlässiges und wirksames Instrument gemeinsamer
und koordinierter Friedenspolitik und als militärpolitisches Bündnis
sozialistischer Staaten Europas. Der Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen
Beistand wurde am 14. Mai 1955 in Warschau von den Vertretern der damaligen
sozialistischen Staaten Europas unterzeichnet.
Mit der Bildung der Organisation folgten die Mitgliedstaaten den
Erfordernissen, die sich aus der inneren Entwicklung des Sozialismus ergaben.
Sie folgten zugleich den Erfordernissen, die sich aus dem Verlauf des
internationalen Klassenkampfes zwischen Kapitalismus und Sozialismus in den
internationalen Beziehungen ergaben und erarbeiteten Lösungen für eine
friedliche Lösung der anstehenden Probleme.
Entgegen den Lehren der Geschichte und gegen den Willen breiter
Kreise der Bevölkerung begannen die Regierenden der imperialistischen Staaten
unter Führung der USA schon kurz nach dem zweiten Weltkrieg ihre
antikommunistische Konzeption in praktische, den Frieden und die Sicherheit
aller Völker gefährdende Maßnahmen umzusetzen. Dazu gehörten u.a. der
Marshallplan, die Gründung der NATO 1949, der SEATO im Jahre 1954 und des
Bagdadpaktes (später CENTO) im Jahre 1955.
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| Waffenbrüder - Klassenbrüder! Exponate aus dem DDR-Kabinett-Bochum. |
Als wichtigstes Instrument zur Verwirklichung ihrer Doktrin der
„Zurückdrängung des Kommunismus" wurde die NATO mit dem Ziel geschaffen, die
imperialistische „Politik der Stärke" zu verwirklichen. Dies führte zu einer
entsprechenden Verschärfung der Spannungen in Europa und in der Welt, zur
Anheizung des Rüstungswettlaufs und zu Verschlechterung in den Beziehungen
zwischen den kapitalistischen und sozialistischen Staaten.
Die Eingliederung der BRD in die NATO durch die Unterzeichnung der
Pariser Verträge im Oktober 1954 und ihr Inkrafttreten im Mai 1955 führte zu
einer weiteren Zuspitzung der Lage. Die in der BRD damals wieder in Gang
gebrachte Militarisierung und die verstärkt auch von der Regierung vertretene
Revision der Ergebnisse des zweiten Weltkrieges wurden durch die Aufnahme in die
NATO nicht nur akzeptiert, sondern zum Bestandteil der NATO-Strategie gemacht.
Das Gefahrenpotenzial in Europa wurde damit beträchtlich erhöht.
Angesichts dieser Lage, sahen sich die sozialistischen Staaten
gezwungen, die Warschauer Vertragsorganisation „zur Gewährleistung ihrer
Sicherheit und im Interesse der Aufrechterhaltung des Friedens in Europa" zu
gründen. Sie erklärten zugleich in Artikel 11 des Vertrages, dass im Falle des
Zustandekommens eines Systems der kollektiven Sicherheit in Europa und des
Abschlusses eines dementsprechenden gesamteuropäischen Vertrages, der Warschauer
Vertrag am Tage des Inkrafttretens eines solchen gesamteuropäischen Vertrages
seine Gültigkeit verliert. Schon allein damit sind alle Behauptungen des Westens
widerlegt, wonach die Gründung des Warschauer Vertrages die Spaltung des
Kontinents herbeigeführt habe.
Auch die Behauptung, dass die Teilnahme der DDR an der Warschauer
Vertragsorganisation zur Spaltung Deutschlands geführt habe entbehrt jeder
Grundlage. Bei der Unterzeichnung des Vertrages stimmten die anderen
Mitgliedstaaten der Erklärung der DDR zu, dass die DDR „nach wie vor die
Wiedervereinigung Deutschlands auf friedliche4r und demokratischer Grundlage als
ihre und des ganzen deutschen Volkes Hauptaufgabe an(sieht) und alles tun wird,
um die Wiedervereinigung Deutschlands zu beschleunigen". Die Regierung der DDR
gehe „davon aus, dass das wiedervereinigte Deutschland von den Verpflichtungen
frei sein wird, die ein Teil Deutschlands in militärpolitischen Verträgen und
Abkommen, die vor der Wiedervereinigung abgeschlossen wurden, eingegangen ist".
Während der Existenz und des Wirkens des Warschauer Vertrages gab
es keinen Krieg in Europa. Es waren die Warschauer Vertragstaaten, die besonders
intensiv seit Mitte der 1960er Jahre um die Verbreitung und Verankerung der Idee
der Sicherheit in Europa gekämpft haben. Ihre Initiativen haben zu den bekannten
Helsinki-Abkommen geführt. Leider wurden auch in diesem Prozess ihrer
außenpolitischen Koordinierung zunehmend politische Positionen, ideologische
Standpunkte und außenpolitische Ziele wirksam, die nicht dem Charakter einer
sozialistischen Außenpolitik entsprachen. Einerseits nationalistische
Engstirnigkeit bei einzelnen Mitgliedstaaten und andererseits Unterschätzung des
Klassengegners, des Klassencharakters der Politik. Trotzdem gilt: die Zeit der
Existenz und des Wirkens der Warschauer Vertragsorganisation war eine Periode
des Friedens in Europa. Bewirkt hat dies der Sozialismus!
Die Tinte der Unterschriften, die die Auflösung des Warschauer
Vertrages besiegelt haben, war noch nicht trocken, da waren auch die Kriege in
Europa wieder da! Der Anschluss der DDR war ein erster Schritt. Besonders die
Aggression gegen Jugoslawien offenbarte den wahren Charakter der Außenpolitik
des Imperialismus. Das Prinzip des Teile und Herrsche konnte wieder ohne
Widerstand verwirklicht werden.
Die militärischen Strukturen des Warschauer Vertrages wurden am
31. März 1991, der Warschauer Vertrag selbst am 1. Juli 1991 offiziell
aufgelöst. Dies erfolgte aber, ohne dass die Ursachen für seine Gründung
beseitigt waren. Diese konnten sich erneut entfalten. Die abgelaufenen Prozesse
Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre gipfelten nicht nur innenpolitisch in
den sozialistischen Staaten mit der Konterrevolution. Diese Konterrevolutionen
öffneten die Schleusen für erneute Kriege.
Anton Latzo



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