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Montag, 7. Mai 2012

Vom Arbeiterjungen zum Armeegeneral der Nationalen Volksarmee

Fotografie aus dem Archivbestand des DDR-Kabinett-Bochum e.V.
Der Kommunist und Spanienkämpfer Heinz Hoffmann berichtet aus seinem Leben
Ich bin in einer Arbeiterfamilie aufgewachsen. Mein Vater war Metallschleifer. Nach meiner Schulzeit erlernte ich von 1925 bis 1928 den Beruf eines Maschinenschlossers. Durch die Erziehung im Elternhaus und unter dem Einfluß der Klollegen im Betrieb fand ich schnell zur Arbeiterbewegung. Gleich nach meinem Arbeitsantritt wurde ich Mitglied der Gewerkschaftsjugend und des Kommunistischen Jugendverbandes.
Wir Arbeiterjungen verstanden ziemlich schnell, daß es im Kapitalismus nicht genügt, lediglich um mehr Lohn zu kämpfen, sondern daß die Arbeiterklasse die politische Macht erobern muß. Mit dem Eintritt in den KJVD war ich natürlich noch längst kein Kommunist. Aber ich wollte einer werden.
Deshalb studierte ich nach Feierabend und in den wöchentlichen Zirkelabenden den Marxismus-Leninismus, um mir das Rüstzeug eines guten Klassenkämpfers anzueigenen. Das erste marxistische Buch, das ich las, war das „Kommunistische Manifest“. Das Studium wie die gesammte politische Arbeit verliefen damals unter recht schwierigen Bedingungen: Wir hatten keine Jugendklubs; Bücher mußten wir vom knappen Lehrlingsgeld kaufen. Unsere Versammlungen veranstalteten wir in Hinterzimmern von Gaststätten. Natürlich haben wir nicht nur studiert. Wir wanderten auch und trieben viel Sport.
Unser politischer Kampf in der Fabrik und auf der Straße richtete sich vor allem gegen die faschistische Gefahr. Bereits in den Jahren bis 1930 trat die faschistische Hitlerorganisation immer dreister an die Öffentlichkeit.
Vor allen in Streiks standen wir Jungkommunisten Seite an Seite mit anderen fortschrittlichen Jugendlichen. Trotzdem gelang es uns nicht, die Einheitsfront aller Arbeiter durchzusetzen, so daß der Faschismus schließlich doch an die Macht gelangen konnte. Da war es selbstverständlich, daß ich auch an der Arbeit des Rotfrontkämpferbundes (RFB) teilnahm. In dieser Schutzorganisation der Arbeiterklasse gegen die faschistischen Schlägerkolonnen haben wir uns so manches Mal gegen die Knüppelgarden Hitlers mit den Fäusten uns zur Wehr setzen müssen.
In diesem Prozeß des Lernens, des Kampfes, der täglichen praktischen Arbeit unter der Arbeiterjugend wurde ich Funktionär des Jugendverbandes. Zuerst habe ich als Kassierer einer Gruppe, dann als politischer Funktionär einer Gruppe, später eines Stadtteils, dann in der Kreisleitung und von 1929 bis 1930 in der Bezirksleitung des Kommunistischen Jugendverbandes Baden-Pfalz gearbeitet.
Wir Funktionäre machten in der Regel große Fahrten ins Land hinein mit dem Fahrrad, um Geld zu sparen. Ich erinnere mich zum Beispiel noch daran, wie ich einmal 30 Kilometer hin und zurück mit dem Fahrrad gefahren bin, um in einer Versammlung zu sprechen, nur um 20 Pfennig Fahrgeld zu sparen. Die Jahre meiner Tätigkeit im Kommunistischen Jugendverband waren schöne, aber auch schwere Jahre.
1930 wurde ich Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands und später zur hauptamtlichen Partei eingesetzt, so daß ich die letzten Jahre vor dem Machtantritt des Faschismus als Funktionär der KPD arbeitete.
In diesen Jahren, es waren die Jahre der großen Krise, in der die Zahl der Arbeitslosen fast bis auf 7 Millionen anstieg, führte die KPD den Kampf gegen die verheerenden Auswirkungen der Krise, für die Rechte der Arbeiterklasse und allere anderen Werktätigen, gegen die drohende Gefahr des Faschismus und des Krieges. Es waren Jahre der politischen und manchmal auch sehr handgreiflicher Auseinandersetzungen mit den immer frecher auftretenden faschistischen Horden.
Noch in den letzten Tagen vor dem Machtantritt des Faschismis, im Januar 1933, in Süddeutschland sogar noch nach der Wahl am 3. März 1933, waren alle Funktionäre der Partei und des KJVD in den Betrieben, um zusammen mit klassenbewußten Sozialdemokraten den Kampf gegen die Errichtung der faschistischen Diktatur zu führen. Infolge des Verrats der rechten SPD-Führung gelang es jedoch nicht, die große Massendemonstrationen und den Generalstreik gegen die Machtergreifung durch die Hitlerfaschisten zu organisieren und damit den Faschismus zu verhindern.
Viele Genossen wurden verhaftet, darunter auch ich, kam aber auf Grund der besonderen Lage in Süddeutschland – der Staatsapperat war nicht so schnell von den Faschisten besetzt wie in Norddeutschland – nach wenigen Wochen wieder frei und ging in die Illegalität, das heißt ich wurde illegaler Parteiarbeiter. Ich habe bis zu meiner Emigration im Jahre 1935 in verschiedenen Gegenden Deutschlands als politischer Funktionär der KPD illegal gearbeitet. Am 1. Mai 1934 haben wir zum Beispiel in den Höchstwerken Frankfurt/Main eine rote Fahne auf dem höchsten Kamin aufgepflanst.
Eine wichtige Episode meiner illegalen Arbeit war im Jahre 1935 die Schaffung eines Arbeitskomitees von Kommunisten und sozialdemokratischen Arbeitern. In einer Gartenlaube verfassten wir einen öffentlichen Aufruf zum Kampf gegen den Faschismis und zur Verhinderung eines Krieges. Dieser Azfruf erschien später in der illegalen „Roten Fahne“.
1935 emigrierte ich auf Beschluß der Kommunistischen Partei Deutschlands in die Sowjetunion. Dieser Schritt hatte für mein ganzes weiters Leben große Bedeutung. Ich erlebte aus eigener Anschauung, zu welchen hervorragenden Leistungen die Menschen im Sozialismu fähig sind und was es bedeutet, in einem Arbeiter- und Bauerenstaat zu leben.
In der Sowjetunion hatte ich als deutscher Arbeitesohn auch erstmalig Gelegenheit, den Marxismus-Leninismus gründlich zu studieren. Aber das Studium hatte kaum begonnen – schon wurde es nötig, das Buch mit dem Gewehr zu vertauschen, um den Faschismus auf einen anderen Kampfplatz gegenüber zu treten: in Spanien. Der Diktator Franco bedrohte die junge spanische Republik mit Waffengewalt, und die deutschen und italienischen Faschisten unterstützten ihn dabei.

Für uns deutsche Antifaschisten gab es kein Zögern, dem spanischen Volk als Freiwillige zu helfen. Nach einer kurzen millitätischen Ausbildung wurde ich Offizier der Internationalen Brigaden. Anfangs war ich Zugführer, dann Kompanieführer in der XI. Internationalen Brigade und später Politkommisar im „Hans Beimler-Bataillon“. Ich kämpfte mit diesem Bataillon vor Madrid und Guadalajara und in anderen Ländern, so zum Beispiel mit den Schriftstellern Erich Weinert, Ludwig Renn und Hans Maaßen, dem politischen Armeegeneral Walter und vielen anderen.
Leider hatte unser Kampf für mich ein vorzeitiges Ende: Im Juli 1937, während der Brunet-Offensive, wurde ich schwer verwundet. Lange lag ich im Lazearett, zuerst in Spanien, dann in Frankreich. Anfang 1939 kam ich wieder in die Sowjetunion. Dort haben mich sowjetische Ärzte wieder geheilt. Erst 1940 konnte ich mein Studium der Gesellschaftswissenschaften fortsetzen.
Nach dem Überfall des Hitlerfaschismus auf die Sowjetunion arbeitete ich vot allen als Lehrer in einer Antifa-Schule bei Moskau. Ich wollte mithelfen, den verblendeten deutschen Soldaten die Augen zu öffnen und ihnen den richtigen Weg an der Seite des Volkes zu zeigen.

In der Neujahrsnacht 1945/46 kehrte ich nach Deutschland zurück, war bis 1947 im Parteivorstand der SED tätig und bis Mai 1949 als Sekretär des Landesvorstandes der SED in Berlin.
1949 wurde mir ein Amt in der damilgen Verwaltung des Inneren mit dem hochklingenden Namen Vizepräsident übertragen. Ich war für die politische Arbeit in den Polizeikräften verantwortlich. 1952 wurde ich zum Chef der Kasernierten Volkspolizei ernannt.
Von 1955 bis 1957 ging ich noch einmal zur „Schule“. Ich absolvierte die Generalstabsakedemie in Moskau. Danach wurde ich Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung und seit 1960 bekleide ich das Amt des Ministers für Nationale Verteidigung:

Heinz Hoffmann
Armeegeneral der Nationalen Volksarmee der DDR
(† 02. 12 1985)

Teil 1 u. 2, Deutscher Militärverlag Berlin 1971, aus dem Bibliotheksbestand des DDR-Kabinett-Bochum.

Heinz Hoffmann (* 28. November 1910 in Mannheim; † 2. Dezember 1985 in Strausberg, eigentlich Karl-Heinz Hoffmann) war Armeegeneral, Mitglied des Ministerrats der DDR, Minister für Nationale Verteidigung und Abgeordneter der Volkskammer der DDR. Seit dem 2. Oktober 1973 war er Mitglied des Politbüros des ZK der SED.

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