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Dienstag, 19. Juni 2012

In den Traditionen der deutschen Arbeiterbewegung: Die Kampfgruppen der Arbeiterklasse der DDR


Ausstellungsbereich über die Kampfgruppen der Arbeiterklasse im DDR-Kabinett-Bochum.
Zu den Traditionen der deutschen Arbeiterbewegung gehören die Kampfgruppen der Arbeiterklasse der DDR. In ihnen wirkten dreieinhalb Jahrzehnte mehrere Hunderttausend Angehörige der Arbeiterklasse. der Intelligenz und der Klasse der Genossenschaftsbauern freiwillig und manche privaten Interessen hintenansetzend für den Schutz der Errungenschaften ihres sozialistischen Vaterlandes und damit auch für den Frieden. Ähnliche Formen der Teilnahme von Arbeitern an der Verteidigung des Sozialismus gab es in der CSSR und in der Ungarischen Volksrepublik.
Die Anfänge der Kampfgruppen reichen in die Anfangsjahre der DDR zurück. Bereits 1951 entstehen Arbeiterwehren und Betriebskampfgruppen gegen subversive Aktionen reaktionärer Elemente. Im Juni 1952 verpflichten sich Arbeiter in einigen Betrieben , so in der Max-Hütte Unterwellenborn, im Stahlwerk Riesa und im RAW „7. Oktober“ Zwickau, zu Maßnahmen zur Sicherung ihrer Werke gegen Anschläge von Agenten. Im März 1953 formiert sich im VEB Bau-Union Chemnitz eine Kampfgruppe.
Entscheidend für die Entstehung der Kampfgruppen werden die Ereignisse im Juni 1953. Mitglieder und Leitungen von Grundorganisationen der SED treffen rasch Maßnahmen, um Menschen und das Volkseigentum gegen Angriffe faschistischer und militaristischer Elemente zu schützen, Ordnung und Sicherheit wiederherzustellen und die Produktion zu gewährleisten. In diesen Tagen werden an der Basis erste Arbeiterwehren bzw. Betriebskampfgruppen organisiert.
Auf seiner 14. Tagung am 21. Juni 1953 regt das Zentralkomitee die Bildung weiterer Arbeiterwehren an. In mindestens 62 Orten bzw. Kreisen entstehen im Juni in Betrieben, Einrichtungen und Institutionen Arbeiterwehren und andere Schutzorgane. In den folgenden Wochen und Monaten organisieren die Leitungen der SED in vielen weiteren VEB, VEG, MTS, staatlichen Verwaltungen und Institutionen „Kampfgruppen der Arbeiterklasse“. Unter den neuen Bedingungen des sozialistischen Aufbaus führen sie die anti-imperialistischen und antifaschistischen Traditionen der Kämpfer der Novemberrevolution 1918/19, gegen den Kapp-Putsch 1920, in Mittel-deutschland im März 1921, in Hamburg 1923, im Roten Frontkämpferbund, in Spanien 1936 bis 1938 und im Zweiten Weltkrieg fort.
Gehören anfangs den Kampfgruppen nur Mitglieder und Kandidaten der SED an, so können seit Mai 1954 auch Parteilose aufgenommen werden. Erstmalig nehmen 1954 Kampfgruppen an 1. Mai-Demonstrationen teil, vorwiegend noch in Zivil mit einer roten Armbinde. Ein Jahr später tragen die Kampfgruppen einheitlich blaue Skimützen und Kombinationen mit roter Armbinde.
Auf der Tagung des NATO-Rates im Oktober 1954 werden die Pariser Verträge unterzeichnet. Mit ihnen tritt die BRD der NATO bei, von der die aggressive Politik der BRD gegenüber der DDR bekräftigt wird. Die BRD darf eine Armee von 500.000 Mann aufstellen, die in die NATO-Streitkräfte einbezogen wird.
Die SED antwortet darauf mit Maßnahmen zum Schutz der DDR. Am 4. Januar 1955 fasst das Politbüro des ZK der SED den Beschluss „Über die Organisierung und Ausbildung der Kampfgruppen“. Danach sollen „die Kampfgruppen der Partei zu einem wirksamen Instrument der Heimat-verteidigung entwickelt werden“ und gemeinsam mit der Volkspolizei und bei der Reichsbahn mit der Transportpolizei die innere Sicherheit gewährleisten. ihre wesentliche Aufgabe ist der Schutz der sozialistischen Betriebe. Sie werden einheitlich nach Hundertschaften formiert, die sich aus Zügen und Gruppen zusammensetzen. Für die politische Führung und Schulung sind die Parteileitungen verantwortlich. Der Dienst erfolgt in der arbeitsfreien Zeit. Die Ausbildung – in Topographie, Taktik, Waffenkunde und Schießen mit dem Karabiner, der Pistole sowie dem LMG – und die materielle Sicherstellung obliegen den Organen der Volkspolizei. Am 20. April 1955 bestätigt das Sekretariat des ZK der SED das vom Ministerium des Innern erarbeitete erste Ausbildungsprogramm, gültig für September 1955 bis März 1956.

Ausstellungsbereich über die Kampfgruppen der Arbeiterklasse im DDR-Kabinett-Bochum.
Um eine weitere Zuspitzung der angespannten Lage im Herbst 1956 zu verhindern und die Absichten revisionistischer und antisozialistischer Gruppen zu vereiteln, demonstrieren bewaffnete Kampfgruppeneinheiten in Berlin und anderen Städten vom 24. bis 26. Oktober mit Appellen und am 3. November mit Aufmärschen vor verschiedenen Institutionen der Hauptstadt der DDR ihre Einsatzbereitschaft.
In der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre werden die Bewaffnung, Ausrüstung und Ausbildung der Kampfgruppen verbessert. Im Mai 1957 nimmt die Zentralschule zur Ausbildung von Kommandeuren der Kampfgruppen in Schmerwitz, Kreis Belzig, ihre Tätigkeit auf. Im Oktober 1957 erscheint erstmals der „Kämpfer“ als monatlich herausgegebenes Mitteilungsorgan. Ihre größte Bewährungsprobe bestehen die Kampfgruppen im August 1961. In der Nacht zum 13. August wird die bis dahin offene Staatsgrenze der DDR zu Berlin(West) ohne Vorankündigung schlagartig und auch für die herrschenden Kreise der BRD und anderer NATO-Staaten völlig überraschend unter zuverlässige Kontrolle genommen und der Schutz der Grenze zur BRD verstärkt. Einheiten der Kampfgruppen, der Grenz- und der Bereitschaftspolizei bilden die erste Sicherungsstaffel. So helfen sie mit, der Ausblutung der DDR ein Ende zu setzen und die aggressiven imperialistischen Kräfte zu zügeln. das trägt dazu bei, den Frieden an der Trennlinie der beiden entgegengesetzten Gesellschaftssysteme auf deutschem Boden zu festigen, die Souveränität der DDR zu wahren und die Bedingungen für den sozialistischen Aufbau günstiger zu gestalten.
In der Folgezeit erstarken die Kampfgruppen als Bestandteil der territorial gebundenen Kräfte im System der Landesverteidigung weiter. Ihre zahlen- mäßige Stärke bewegt sich um 200.000 Mann. Sie erhöhen ihre Fähigkeit,
gegen imperialistische Bedrohungen Aufgaben zum Schutz wichtiger Objekte vor feindlichen Anschlägen, zur Ausschaltung von Agenten sowie zur Vernichtung von Diversantengruppen zu erfüllen. 1970 sind erstmals Kampf-gruppeneinheiten an einem Manöver der Streitkräfte der Staaten des Warschauer Vertrages, der Feldübung „Waffenbrüderschaft“ beteiligt.

Ausstellungsbereich über die Kampfgruppen der Arbeiterklasse im DDR-Kabinett-Bochum.
Nach Jahren des Voranschreitens beim sozialistischen Aufbaus der DDR nehmen seit der zweiten Hälfte der siebziger Jahre Schwierigkeiten zu. 1989 gerät die DDR in eine schwere Krise. Auch bei den Angehörigen der Kampfgruppen mehren sich Fragen und Zweifel, wachsen die Erwartungen und Hoffnungen auf Veränderungen. Noch in der im November erscheinenden letzten Nummer des „Kämpfers“ bekräftigt die Redaktion angesichts der „vielfältigen Diskussionen und davon ausgehenden Aktivitäten“ in der Republik die Notwendigkeit, „mit dem Blick nach vorn Veränderungen herbeizuführen, Hemmendes über Bord zu werfen“. Sie wendet sich gegen die von der BRD ausgehende Einmischung in die inneren Angelegenheiten der DDR und erklärt: „Die Kampfgruppen der Arbeiterklasse sind Teil des werktätigen Volkes ... der sichere Schutz unserer Gesellschaftsordnung ist und bleibt wichtigste Voraussetzung für alles, was wir uns in gemeinschaftlicher Arbeit für eine gute gemeinsame sozialistische Zukunft vorgenommen haben und vornehmen werden.“ Doch die Zerrüttung der DDR als Bestandteil der Krise des Sozialismus in der UdSSR, in Ost- und Südeuropa ist schon zu weit fortgeschritten. Die Lähmung der Führung der SED, die von den Feinden des Sozialismus diesseits und jenseits der Grenzen in immer schnellerem Tempo betriebene Erosion der Grundlagen der Staats- und Gesellschaftsordnung, begleitet von der Preisgabe der DDR durch Gorbatschow und seine Parteigänger sowie die um sich greifende Verunsicherung führten letztlich dazu, dass die Kampfgruppen ebenso wie die gesamte Landesverteidigung ihres Sinnes beraubt werden. Am 15. Dezember 1989 beschließt die Modrow-Regierung, dass die Kampfgruppen bis zum 30. Juni 1990 ihre Tätigkeit beenden müssen, worauf ihre Entwaffnung und Auflösung erfolgt.
Mit dem Sieg der Konterrevolution endet eine längere Periode, in der neben den regulären Streitkräften das werktätige Volk erstmals in der deutschen Geschichte mit der Waffe in der Hand für seine Errungenschaften stand.

Prof. Dr. Eckhard Trümpler

Das große Buch der Kampfgruppen

Die Kampfgruppen der Arbeiterklasse entstanden zu Beginn der 50er Jahre. Es waren Arbeiterwehren, die die ersten volkseigenen Betriebe schützten.
Es tobte kalter Krieg in Deutschland. Fabriken gingen in Flammen auf, Buntmetall wurde verschoben und Vieh vergiftet. Diese Art proletarischer Selbstschutz hatte Tradition, seit 1848 Berliner Arbeiter und Handwerker das Zeughaus gestürmt und sich bewaffnet hatten. In der Weimarer Republik formierten sich Wehr- und Schutzorganisationen bei SPD und KPD, das Reichsbanner und der RFB. Und in den 30er Jahren kämpften deutsche Demokraten in Spanien in internationalen Brigaden gegen den internationalen Faschismus ...
Das Buch dokumentiert optisch opulent Geschichte und Aufgaben der Kampfgruppen, die zwischen 1952 und 1989 in der DDR bestanden.

2 Kommentare:

  1. ihre darstellung der kampfgruppen ist ideologisch geprägt und hat mit den einstellungen und motiven der kämpfer wenig zu tun. es war allgemein bekannt, dass die kg in erster linie die macht der sed sichern sollte. in meiner kg-zeit waren die meisten mitglieder der kg mitgkieder der intelligenz und nicht der arbeiterklasse. der grund war ganz einfach die tatsache, dass kg-teilnahme für die berufliche karriere nützlich war und bei der jahresendprämie berücksichtigt wurde.ein arbeiter konnte nicht gezwungen werden kämpfer zu werden, weil er nichts zu verlieren hatte. der moralische wert der kg zeigte sich in der politischen wendezeit. ich habe in einer großstadt nicht einen einzigen kämpfer erlebt der bereit war die waffe in die hand zu nehmen für den arbeiter und bauerstaat. ich kann ihnen nur den freundlichen hinweis geben sich mit ehemaligen kämpfer zu unterhalten, damit sie wenigstens annähernd den kern der sache treffen.

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    1. @anonym: es ist zwar nicht meine darstellung sondern die des autors, allerdings deckt es sich mit den vielen gesprächen, die ich mit angehörigen der kampfgruppen geführt habe. im übrigen alles arbeiter aus kleinen und grossen kombinaten. das es in der ddr, wie überall auf der welt, einen anteil von opportunisten gab ist nichts neues. wie ich aus ihrem kommentar schliesse gehör(t)en sie zu dieser sorte menschen. wenn sie darauf stolz sind ist das nicht mein problem. ich würde mich in grund und boden schämen und damit nicht auch noch öffentlich angeben. und nun können sie ja endlich froh sein, der "macht der sed" entronnen zu sein und sich ganz der macht der ausbeuter, banken und konzernherren hingeben. ob diese macht allerdings von dauer ist wird die geschichte zeigen.

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