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| Käuzchenkuhle - Der Kinderbuchverlag Berlin - Berlin 1983 - im Bibliotheksbestand des DDR-Kabinett-Bochum e.V. |
Seit 1969 lebt er in einem Bauernhaus in Hinzenhagen unweit von Güstrow. Der Autor von "Käuzchenkuhle" wurde am 29. Mai 1925 in Berlin geboren. Er zählte zu den erfolgreichsten Kinderbuchautoren der DDR, schrieb aber auch Romane und Filmszenarien. Ende der 40er bis Mitte der 50er Jahre erschienen in Ost und West zahlreiche Prosaarbeiten mit Erlebnisberichten, Abrechnungen und Rückblicken auf den 2. Weltkrieg, aber auch Versuchen, seiner Mystifizierung und Fehldarstellung zu begegnen. Aus der Feder von DDR-Autoren stammten u. a. viel gelesene Titel Franz Fühmanns, Dieter Nolls, Karl Mundstocks, Harry Thürks und Herbert Ottos. In diese Reihe gehört auch Horst Beseler mit "Im Garten der Königin" (1957). Der Autor erzählt in dem novellistisch angelegten Roman von Sanitätern einer Fallschirmjägereinheit der faschistischen Wehrmacht. Diese haben im Spätsommer 1944 in einem idyllischen französischen Schloßpark ihre Zelte aufgeschlagen. Ludwig XV. hatte vor 200 Jahren dieses Areal für die Königin anlegen lassen. Beseler schildert, wie drei verführte deutsche Soldaten desillusioniert werden, sich wandeln und die Nazi-Phrase von der "Volksgemeinschaft" zu durchschauen beginnen.
Der spannende Roman über eine "Idylle im Schatten der Barbarei" habe bereits "echtes erzählerisches und kompositorisches Talent" verraten, bemerkte damals der Rezensent des "Sonntag". Das Werk, für das der Autor den Fontane-Preis erhielt, erreichte zwölf Auflagen und wurde u. a. ins Tschechische übersetzt.
Mit der Erzählung "Der lange Schatten" (1987) griff Beseler jahrzehntelang nachwirkende, belastende und unbewältigte Kriegserlebnisse auf, wobei er thematisch an "Im Garten der Königin" anknüpfte. Ein Sechzehnjähriger sieht seine kameradschaftliche Bindung an den Onkel plötzlich in Frage gestellt, als ihn eine Reihe von Rätseln beim Besuch einer französischen Ausstellung in Berlin bedrängt. In der Geschichte lüftete Beseler den "Mantel trügerischen Vergessens".
Der Schriftsteller veröffentlichte acht Kinderbücher - darunter "Die Moorbande" (1951, auch als Theaterstück), "Heißer Atem" (1953), "Auf dem Flug nach Havanna", "Die Linde vor Priebes Haus", "Der Baum" (alle drei 1970), "Jemand kommt" (1972) und "Tiefer blauer Schnee" (1976). Herausragend ist jedoch Beselers Bestseller "Käuzchenkuhle" (1965). Dieses Buch erreichte mehr als ein Dutzend Auflagen. Der Stadtjunge "Jampoll", der die Ferien bei den Großeltern in einem märkischen Dorf verbringt und hier mit anderen Kindern bereits befreundet ist, wird auf ungewöhnliche Weise mit der Vergangenheit konfrontiert, versucht sie unbewußt zu ergründen. "Käuzchenkuhle" zählte zu den mit Abstand beliebtesten und meistgelesenen Kinderbüchern der DDR, so daß es zu Recht zur willkommenen Lektüre im Literaturunterricht der 7. Klassen gehörte. Der "Kinderkrimi" wurde weit über ein Jahrzehnt als Ganzschrift in allen Schulen von der Ostsee bis zum Erzgebirge und von der Oder bis ins Eichsfeld behandelt. Für "Käuzchenkuhle" waren vier Unterrichtsstunden vorgesehen. Offensichtlich vermittelte das Buch ein nachhaltiges Leseerlebnis. Die an abenteuerlich-kriminalistischen Elementen reiche, stimmungsvolle Geschichte mit ihrer wirklich atemberaubenden Spannung und farbenprächtigen Romantik sprach die Heranwachsenden intellektuell und emotional an. Regisseur Walter Beck drehte 1968 den gleichnamigen Kinder- und Jugendfilm mit Manfred Krug, Martin Flörchinger, Dieter Wien, Regina Beyer und anderen.
Einen weiteren Höhepunkt im Schaffen Beselers bildete der Roman "Tule Hinrichs Sofa" (1981), der besonders für junge Erwachsene gedacht war. Der Autor setzte eine gegenwärtige Liebesgeschichte in Beziehung zu einer in den 30er Jahren, die unerfüllt blieb und tragisch endete. Dabei zog sich die Ausdeutung der Legende um Tule Hinrich und Oma Wulff wie ein roter Faden durch den Roman. Auch hier bereicherten abenteuerhafte und kriminalistische Elemente die Handlung. Der Antiquitäten-Spekulant, der beharrlich das alte, legendenumwobene Sofa erwerben wollte, erinnerte an den "Fremden" in "Käuzchenkuhle". Beselers Roman bot detaillierte Einblicke in das konfliktreiche Leben der Altersstufe zwischen Kindheit und frühem Erwachsensein.
Beseler verschmolz in seinen Büchern immer wieder eine moderne Alltagswelt mit Abenteuerlichkeit und Romantik. Er verfolgte dabei auf zunächst rätselhafte Weise Nachwirkungen von Menschenschicksalen aus dem 2. Weltkrieg. Der Schriftsteller wurde mit dem Fontane-Preis, dem Fritz-Reuter-Preis und dem Alex-Wedding-Preis ausgezeichnet.
Beselers Tochter Ulrike illustrierte 1997 die Erzählung ihres Vaters "Der Fall der schwarzen Eule". Bestechend an Horst Beselers Geschichten "war immer wieder das sauber durchgearbeitete gedankliche Konzept und sein kultiviertes Erzählen", resümierte Katrin Pieper in ihrer Laudatio zu seinem 70. Geburtstag 1995.
Auch "Tiefer blauer Schnee" ist verfilmt (1981, Regie: Fred Noczynski) und ins Tschechische, Russische und Norwegische übersetzt worden. Beselers Kurzgeschichte "Im Schatten des großen José" war in Lehrmaterialien deutschsprachiger Gymnasien Australiens enthalten und wurde später in eine Anthologie von 35 europäischen Short-Stories aufgenommen.
Dieter Fechner
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Preise und Auszeichnungen von Horst Beseler:
Aktivist des Fünfjahresplans 1953
2. Preis im Preisausschreiben zur Schaffung einer neuen Kinder- und Jugendliteratur (3-mal gewonnen)
Fontanepreis 1957
Erich-Weinert-Medaille 1966
Fritz-Reuter-Preis 1973

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