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Freitag, 10. August 2012

Das Geheimnis der DDR-Sporterfolge

Titelseite "Neues Deutschland" vom 2. August 1976 aus dem Zeitungsarchiv
des DDR-Kabinett-Bochum e.V.

Soziale Rahmenbedingungen, Trainingsfleiß und Treue zur olympischen Idee

Der Sport der DDR errang erst nach und nach internationales Ansehen, weil hervorragende Leistungen seiner Protagonisten trotz massiver Störversuche, angesichts der Alleinvertretungsanmaßung Bonns - kurz Hallstein-Doktrin genannt - sowie ständiger Interventionen der westdeutschen Sportführung errungen werden mußten. Auf der 90. Tagung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die 1985 in Berlin stattfand, würdigte dessen damaliger Präsident Juan Antonio Samaranch erstmals den bedeutenden Beitrag der DDR zur olympischen Bewegung und die Leistungen ihrer Sportler bei den Spielen.
Die Forderung "Sport für alle" war in der DDR zur Realität geworden. Das entsprach dem Prinzip des Sozialismus, Leistungsvermögen zu entdecken, zu entwickeln und zu fördern.
Im Geiste der olympischen Idee waren 1989 Verbände und Gremien des DDR-Sports als aktive Mitglieder in 92 internationalen Sportföderationen und -organisationen tätig. 129 seiner Repräsentanten hatten dort verantwortungsvolle Funktionen übernommen.

Der Deutsche Turn- und Sportbund (DTSB) der DDR unterhielt Beziehungen zu nationalen Sportorganisationen in etwa 90 Ländern. Trainer und Experten unseres Landes förderten die Sportentwicklung in über 50 Staaten. An der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) in Leipzig wurden mehr als 2100 Sportkader aus 90 Staaten ausgebildet. Damit erfüllte die DDR ihre Verpflichtungen im Rahmen des Programms für Olympische Solidarität des IOC.
Besondere Aufmerksamkeit maß man im DDR-Sport der Entwicklung einer allseitig gebildeten, geistig und körperlich leistungsfähigen jungen Generation bei. Dieses Ziel stellte dem DTSB gemeinsam mit den Volksbildungsorganen sowie der Pionierorganisation und der FDJ die Aufgabe, Kinder und Jugendliche für eine regelmäßige sportliche Betätigung zu gewinnen. Es ging darum, ihnen Freude und Erholung bei Sport und Spiel zu vermitteln und im Trainingsprozeß mitzuhelfen, körperliche Leistungsfähigkeit und Gesundheit zu erwerben sowie wertvolle moralische Eigenschaften wie Beharrlichkeit, Zielstrebigkeit, Mut und Einsatzbereitschaft zu entwickeln.
Die Anerkennung, die dem Sport in der DDR zukam, zeigte sich nicht zuletzt in den Leistungen bei der gesundheitlichen Betreuung der Athleten sowie in der prophylaktischen Medizin.

Auch die Trainingswissenschaft der DDR beantwortete wichtige Fragen. Sie betrafen vor allem die Trainierbarkeit menschlicher Leistungsfähigkeit. Niemals wurde der Sport dazu mißbraucht, in natürliche Schutzmechanismen des Sportlers gegen Überanstrengung "einzudringen".
Die wissenschaftliche Neubestimmung des Trainingsgegenstandes erfolgte zu Beginn der 60er Jahre. Ihm zufolge war nicht die internationale Integrations- und Konkurrenzfähigkeit Ziel der Entwicklung von Leistungskapazitäten, sondern Ergebnis des Wirkens sozialer Faktoren und der Förderung von Voraussetzungen sportlicher Leistungsfähigkeit, die von allgemeinen Theorien der Entwicklung menschlichen Leistungsvermögens ausgingen. Die DDR gehörte zu den wenigen Mitgliedsländern des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die sich bei zunehmender Härte sportlicher Auseinandersetzungen und angesichts des Ringens vieler Länder um sportlichen Erfolg immer einer breiten Förderung des olympischen Sports verpflichtet fühlten. Eine Gleichsetzung von olympischem Sport mit anderen Sportarten im Programm der Spiele sowie eine Trennung von Massen- und Leistungssport fanden keinen Anklang.

1989 übten in der DDR 70.000 Kinder in Trainingszentren, 12.000 Heranwachsende besuchten die Kinder- und Jugendsportschulen, und 3500 Aktive gehörten als A- und B-Kader den Sportclubs an. Der Antrieb zum Erreichen des höchsten Niveaus wurde aus dem Bewußtsein des humanistischen Wertes sportlicher Spitzenleistungen (nicht zu verwechseln mit jetzt immer mehr zunehmenden mittelmäßigen Siegleistungen) geschöpft.
Als Trainer und Übungsleiter in einem Trainingszentrum vertraute ich dem Leistungswillen und Fleiß der Kinder und der hochmotivierten Sportler. Es ist nicht hinnehmbar, daß das humanistische Ideal des körperlich und geistig gebildeten Menschen - Hauptthema der sozialen Verantwortung des Sports - den Profitinteressen der kapitalistischen Industrie und millionenschwerer Finanzkräfte geopfert wird.

Manfred Wozniak, Meister des Sports, Erfurt

Von Sportlern der DDR bei Olympischen Spielen errungene
Medaillen
Winterspiele Gold Silber Bronze
1956 Cortina d'Ampezzo
1960 Squaw Valley
1964 Innsbruck
1968 Grenoble
1972 Sapporo
1976 Innsbruck
1980 Lake Placid
1984 Sarajevo
1988 Calgary
-
2
2
1
4
7
9
9
9
-
1
2
2
3
5
7
9
10
1
-
-
2
7
7
7
6
6
Sommerspiele Gold SiIber Bronze
1956 Melbourne
1960 Rom
1964 Tokio
1968 Mexiko-Stadt
1972 München
1976 Montreal
1980 Moskau
1988 Seoul
1
3
3
9
20
40
47
37
4
9
11
9
23
25
37
35
2
7
5
7
23
25
42
30

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