
...Im gewohnten täglichen Rhythmus begannen der Dienst und das Ablösen der Grenzposten im Abschnitt Wiesenfeld auch am 14. August 1962. Ein Teil der Kompanie arbeitete am Bau der Sicherungsanlage. Doch schon seit den frühen Morgenstunden bemerkten die Grenzsoldaten ein geschäftiges Treiben jenseits der Staatsgrenze. Angehörige des Bundesgrenzschutzes sowie Zivilisten hielten sich in Gruppen nahe der Grenzmarkierungen auf und versuchten durch Beschimpfungen und Drohungen die Grenzposten der DDR zu provozieren.
Hauptmann Rudi Arnstadt fuhr in Begleitung des Soldaten Rösner an die Grenzem während der Kontrolle noch mit einem Soldaten zu sprechen, der für die Qualifizierung als Funker vorgesehen war. Dabei bekam er die Meldung, daß sich an der Straße von Wiesenfeld nach Roßdorf, auf dem Territorium der BRD, eine größere Menge von Fahrzeugen angesammelt und Personen zusammengerottet haben. Bevor er an diese Stelle kam, schaute er schnell einmal bei seiner ehemaligen Quartiermutter vorbei, um sich nach ihrer Gesundhei zu erkundigen. Danach verließ er die Ortschaft Wiesenfeld, um den Kontrollgang zu beginnen. Er sah, daß sich viele Angehörige des Bundesgrenzschutzes direkt an der Staatsgrenze befanden und eine größere Anzahl sich in unmittelbarer Nähe aufhielt. Die Grenzsoldaten beobachteten außerdem, daß an die Grenzposten des BGS größere Mengen Alkohol ausgegeben wurden.
Als zwei Angehörige des BGS die Staatsgrenze überschritten, wurden sie von Hauptmann Arnstadt mit allen Nachdruck darauf aufmerksam gemacht, daß sie das Territorium der DDR betreten haben, worauf diese sich eilig zurückzogen. Jetzt näherte sich ein Zivilist einem Hauptmann des BGS und redete auf ihn ein. Darauf ließ sich dieser eine Schnellfeuerwaffe aushändigen und drang in provokatorischer Art und Weise mit zwei weiteren Angehörigen des BGS erneut auf dasTerritorium der DDR vor. Hauptmann Rudi Arnsatdt ging ihnen entgegen und machte sie auf ihr verbrecherisches Verhalten Aufmerksam. Seine Aufforderung zum Verlassen des Territoriums der Deutschen Demokratischen Republik und einen darauf in die Luft abgegebenen Warnschuß beantworteten die Grenzprovokateure mit Salven aus Schnellfeuergewehren auf Rudi Arnsatd und die Grenzposten. Durch einen gezielten Kopfschuß wurde Hauptmann Rudi Arnstadt ermordet.
Zeitpunkt und Tatort ließen keinen Zweifel über die Motive des Verbrechens. Hatten doch Adenauer, Lübke und Strauß für den 13. August 1962 in Westberlin große Provokationen gegen die Staatsgrenze der DDR geplant. Das gelang nicht, weil unsere Sicherheitsorgane das Vorhaben rechtzeig aufdeckten. Deshalb versuchte man in anderen Grenzbereichen, so auch bei Wiesenfeld, zum Zuge zu kommen.
Doch trotz der hinterhältigen Ermordung von Rudi Arnstadt scheiterte der Gegner auch hier an der Besonnenheit und Wachsamkeit unserer Grenzsicherungsorgane. Seine grenzenlose Wut darüber zeigte sich in den Handlungen des BGS in den darauffolgenden Tagen. Im Grenzabschnitt Schöneberg/Bezirk Schwerin beispielsweise riefen sie unseren Grenzsoldaten zu: „Bei euch ist schon wieder einer krepiert! Bald wird der nächste krepieren!“.
Im Kreis Lobenstein klatschten BGS-Leute an der Grenze nach der Meldung über den Mord an Hauptmann Rudi Arnstadt frenetischen Beifall.
Das Verbrechen, dem Genosse Arnstadt zum Opfer fiel, wurde von der Bevölkerung der DDR mit Empörung aufgenommen und scharf verurteilt. Seine Mutter betrachtete unter Tränen sein Bild. „Ich kann es noch gar nicht fassen, daß er nicht mehrlebt, mein Rudi. Diese Banditen haben ihn ermordet, meinen Sohn. So wie sie schon damals in den zwanziger Jahren gemordet haben, als der große Pels-Streik hier in Erfurt war. Mir haben sie mit dem Knüppel auf den Kopf geschlagen, weil ich als Mitglied der KPD den Streik unterstützte -, genauso morden dieselben Verbrecher heute an der Grenze auch. Ich hasse sie! Ich klage sie an, diese Faschisten des Bonner Staates.. Warum habt ihr meinen Rudi ermordet? Es ist furchbar. Mein Rudi lebt nicht mehr und sine Worte : „Mutter ich kommen wieder“, ich werde sie nicht mehr Hören.“ …..
Edgar Doehler
Quelle: FÜR EIN SOZIALISTISCHES VATERLAND – Lebensbilder deutscher Kommunisten und Aktivisten der ersten Stunde
Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik / 1. Auflage 1981
Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik / 1. Auflage 1981

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