Foto-, Video - und Musik Seiten - Blog-Impressum

Mittwoch, 7. November 2012

Gedenken an Richard Sorge - Kommunist und Kundschafter für den Frieden

Ausgerechnet am 7. November 1944, dem 27. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, wurde Dr. Richard Sorge, aufrechter Kommunist und Internationalist, Kundschafter und Kämpfer gegen den Faschismus, der „Held der Sowjetunion“ in Tokyo von der Reaktion hingerichtet.
In Erinnerung an seinen Todestag veröffentlichen wir einen Beitrag über den Umgang seines Vermächtnisses nach der Konterrevolution in der DDR:

Aus dem Archivbestand des DDR-Kabinett-Bochum e.V.

Angst vor Richard Sorges Vermächtnis inspiriert Bilderstürmer

Es muß wohl 1967 gewesen sein, als die FDJ-Grundorganisation der "Spezialschule zur Vorbereitung auf ein Russischlehrer-Studium" in Wickersdorf vom Parlament des Jugendverbandes in Karl-Marx-Stadt mit dem Namen "Richard Sorge" zurückkam. Obwohl ich damals bereits stellvertretender Direktor war und die Schule dann von 1968 bis zu ihrem Untergang im Jahre 1991 leitete, kann ich mich nicht daran erinnern, wie die Namensverleihung zustande kam. Das ist auch uninteressant. Alle Träger dieses Namens in der DDR wurden dann durch eine Patenbrigade aus dem VEB Berliner Bremsenwerk - heute wohl wieder als Knorr-Bremse bekannt - betreut. All die Jahre haben wir durch vielfältige Veranstaltungen das Vermächtnis Richard Sorges bewahrt.
Unerwarteten Auftrieb erhielt unsere Arbeit, als eine sowjetische Lehrerin namens Galina Romanowna Starowoitowa im Zuge des Ausbaus eines erweiterten Russischunterrichts an der Schule ihre Tätigkeit aufnahm. Schnell stellte sich heraus, daß sie gemeinsam mit ihrem Mann während des Großen Vaterländischen Krieges hinter den feindlichen Linien als Partisanin gekämpft hatte. Der Vortrag beider über dieses Thema ist mir noch in bester Erinnerung.
Dann passierte etwas kaum Vorstellbares: In den 20er Jahren, als viele sowjetische Schüler die damalige Freie Schulgemeinde Wickersdorf besuchten, hatte sich unter ihnen auch Maria Poljakowa befunden. Eines Tages tauchte sie, es muß wohl Mitte der 80er gewesen sein, bei der Hauptverwaltung Aufklärung des MfS - der legendären HVA - in Berlin auf und bat, man möge sie unbedingt nach Wickersdorf bringen. Zusammen mit einem ehemaligen Schüler des Jahrgangs 1960, inzwischen selbst Offizier der HVA, besuchte sie uns und berichtete von ihrer Kundschaftertätigkeit im durch die Hitlerfaschisten an das Deutsche Reich angeschlossenen Österreich. Das und anderes veranlaßte uns dazu, im Schulhof eine Stele zu Ehren von Richard Sorge aufzustellen.
Dann kam das Jahr 1990 und mit ihm die famose Rückwende: Kaum waren die Grenzen geöffnet, stellten sich alle, die - aus welchen Gründen auch immer - irgendwann verschwunden waren, wieder ein, um die ihnen verhaßte Schule, so wie sie war, zu liquidieren und in eine Privatschule "umzustrukturieren", wie sie das nannten. Der erste "Neuerer" schrieb mir gleich einen Brief, in dem er seine Verwunderung darüber zum Ausdruck brachte, daß in Deutschland - damals hießen wir immerhin noch DDR - ein "Sowjetspion" geehrt werde. Wie da wohl Geschichte "aufgearbeitet" worden ist, um dieses idiotische Wort zu gebrauchen! Den Höhepunkt bildete allerdings ein Offener Brief, der von einem Herrn Professor verfaßt worden war und an der Wandzeitung erschien. Dort wurde nun endlich "einiges richtiggestellt", was wir an diesem hervorragenden Kundschafter alles falsch gesehen hätten. Ob es wohl auch ein Fehler Sorges war, Stalin über den bevorstehenden Krieg zu informieren? Vielleicht wäre der Überraschungseffekt dann noch größer gewesen!
Mit schwerer Technik wurde die Stele bei uns entfernt, wobei sogar einige Kollegen tatkräftig mithalfen, vermutlich aus Angst um den späteren Arbeitsplatz. Rein äußerlich betrachtet, wurde die Erinnerung an Richard Sorge so getilgt ...
 
Dieter Barth
 
Aus dem Archivbestand des DDR-Kabinett-Bochum e.V.
 

1 Kommentar:

Durch Absenden des Kommentars erkläre ich mich einverstanden, dass meine eingegebenen Daten elektronisch gespeichert und zum Zweck der Kontaktaufnahme verarbeitet und genutzt werden. Mir ist bekannt, dass ich meine Einwilligung jederzeit widerrufen kann. Der weitergehende Datenschutzhinweis für Kommentare befindet sich im Impressum.