Logik und Einfluß

Philosophie – Kybernetik – Sprache der Politik« hätte als Motto über einer Konferenz stehen können, die am Freitag und Samstag in Berlin stattfand, deren offizieller Titel komplizierter angelegt war: »Kybernetik, Informatik, Logik und Semiotik aus philosophischer Sicht. Zur Dialektik ihrer ambivalenten Wirkungen« hieß die Veranstaltung, ausgerichtet von der Leibniz-Sozietät, der Deutschen Gesellschaft für Kybernetik und der Hochschule für Technik und Wirtschaft, in deren Räumen auf dem Gelände des ehemaligen Kabelwerks Oberspree das Ganze stattfand.
Anlaß war der bevorstehende 100. Geburtstag von Georg Klaus (1912–1974) am 28. Dezember. Von Klaus stammt die philosophische Begründung der Kybernetik in der DDR, die noch gegen die Verunglimpfung als vermeintlich reaktionäre Pseudowissenschaft verteidigen mußte. Bekanntlich wurden kybernetische Modelle für Staatschef Ulbricht immer interessanter, gerade was die ökonomische Planung betraf.
Auf der Konferenz wurde Klaus interdiszplinär in insgesamt 25 Beiträgen von Wissenschaftlern aus Ost und West gewürdigt. Mehrere Vorträge waren den Anwendungen der Kybernetik, zum Beispiel in der Informationsverarbeitung, in Biologie, Medizin und Psychologie, in der Wirtschaftsleitung und -planung sowie dem Verständnis der Selbstorganisation gewidmet. Nicht minder bedeutsam waren Klaus’ Beiträge zur mathematischen Logik bzw. zum Verhältnis von formaler und dialektischer Logik, wiederum auch in der Auseinandersetzung mit pseudomarxistischer Geringschätzung der formalen Logik – deren praktischer Einfluß auf die heutige Wissenschaft allerdings auf der Konferenz ebenfalls unterschiedlich bewertet wurde.
Anlaß war der bevorstehende 100. Geburtstag von Georg Klaus (1912–1974) am 28. Dezember. Von Klaus stammt die philosophische Begründung der Kybernetik in der DDR, die noch gegen die Verunglimpfung als vermeintlich reaktionäre Pseudowissenschaft verteidigen mußte. Bekanntlich wurden kybernetische Modelle für Staatschef Ulbricht immer interessanter, gerade was die ökonomische Planung betraf.
Auf der Konferenz wurde Klaus interdiszplinär in insgesamt 25 Beiträgen von Wissenschaftlern aus Ost und West gewürdigt. Mehrere Vorträge waren den Anwendungen der Kybernetik, zum Beispiel in der Informationsverarbeitung, in Biologie, Medizin und Psychologie, in der Wirtschaftsleitung und -planung sowie dem Verständnis der Selbstorganisation gewidmet. Nicht minder bedeutsam waren Klaus’ Beiträge zur mathematischen Logik bzw. zum Verhältnis von formaler und dialektischer Logik, wiederum auch in der Auseinandersetzung mit pseudomarxistischer Geringschätzung der formalen Logik – deren praktischer Einfluß auf die heutige Wissenschaft allerdings auf der Konferenz ebenfalls unterschiedlich bewertet wurde.
Ein weiteres Thema war Klaus’ Semiotik, die Theorie der sprachlichen »Zeichen« im weitesten Sinn des Wortes, die er von der »Semiotik und Erkenntnistheorie« bis zur unmittelbar praktischen Anwendung in der »Macht des Wortes« und der »Sprache der Politik« (Monographien aus den Jahren 1963, 1964, 1971) abhandelte.
Gewürdigt wurde »Jesuiten, Gott, Materie«, eine brillante Streitschrift aus dem Jahre 1957 gegen den Versuch einer umfassenden Widerlegung des dialektischen Materialismus durch den Jesuitenpater G. A. Wetter. Als eine Art »Anti-Wetter« mit Engels’ »Anti-Dühring« vergleichbar, bot diese erste Buchpublikation von Klaus erstmals im Nachkriegsdeutschland eine systematische Darstellung großer Teile der materialistischen Dialektik. Das war der Lesestoff für eine ganze Generation von Studenten und vielen anderen, die wissen wollten. Hier fanden sich wesentliche Anstöße für die rege und undogmatische Diskussion zwischen Philosophen und Vertretern einzelwissenschaftlicher Disziplinen in der DDR. Auch heute regt es angesichts historischer Entwicklungen, die weder Klaus noch sein Kontrahent vorausgesehen haben dürften, zum Weiterdenken an – über eine Zukunft, die nicht vorherbestimmt, sondern gestaltbar ist.
Klaus’ Biographie spiegelt die Kämpfe und Umbrüche des 20. Jahrhunderts exemplarisch wider. 1932 Studium des mathematikbegeisterten Arbeiterjungen an der Universität Erlangen, Mitgliedschaft und später illegale Arbeit in der KPD, 1933 Verhaftung, brutale Folterung, Hochverratsprozeß, Haft im KZ Dachau bis 1939, gefolgt von Kriegseinsatz an der Ost- und Westfront, schwere Verwundung mit lebenslangen Nachwirkungen und Kriegsgefangenschaft. Nach der Befreiung Presse- und Parteiarbeit für KPD und SED in Thüringen, 1947 Fortsetzung des Studiums in Jena und bereits 1948 Promotion mit einer Dissertation zur erkenntnistheoretischen Isomorphierelation. Schon zwei Jahre später habilitierte er an der Berliner Humboldt-Universität über Dialektik und Materialismus in den Frühschriften Immanuel Kants. Er wurde erst Professor in Jena, ab 1953 für Logik und Erkenntnistheorie an der Humboldt-Universität. 1962 wurde Klaus Direktor am Institut (später Zentralinstitut) für Philosophie der Deutschen Akademie der Wissenschaften (seit 1972 Akademie der Wissenschaften der DDR).
Eine Veröffentlichung der Konferenzbeiträge ist vorgesehen; einige von ihnen decken sich weitgehend mit Aufsätzen in der Zeitschrift für Semiotik, Band 33, Heft 3–4/2011, das »Die Semiotik von Georg Klaus« zum Inhalt hat.
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