Der Vorstand des DDR-Kabinett-Bochum e.V. gratuliert Heinz Florian Oertel auf diesem Wege recht herzlich zum Geburtstag, verbunden mit den besten Wünschen und vor allem Gesundheit!
»Sport ist nur Teil der korrupten Gesellschaft«
Ein Gespräch mit Heinz Florian Oertel
Interview: Thomas Behlert in jungeWelt 11.12.2012
Heinz Florian Oertel, geboren in Cottbus, Reporter, Moderator und Schauspieler war von 1949 bis 1990 für den DDR-Rundfunk und ab 1955 für das DDR- Fernsehen dabei, wenn es um Plazierungen und Pokale ging. Heute (11. Dezember 2012) wird er 85 Jahre alt.
Sie haben bis 1990 mehr erlebt als die meisten DDR-Bürger. Gibt
es in Ihrem Leben etwas zu bereuen – und was hätten Sie gerne noch
unbedingt gemacht, moderiert oder gesehen?
Zu bereuen gibt es nichts. Zu allem, was ich tat und sprach, stehe ich
bis heute. Alles, was ich mir wünschen konnte, hat sich erfüllt. Ich war
bei acht Fußballweltmeisterschaften dabei, begleitete 17 Olympische
Spiele und 17 Friedensfahrten als Reporter. Insgesamt blicke ich auf ein
erfülltes und erfahrungsreiches Journalistenleben zurück, für das ich
sehr, sehr dankbar bin.
Was würden Sie als Ihren größten Erfolg bezeichnen? Welches Sportereignis wollen Sie nicht missen?
Etwas, das ich nie vergessen werde: Meine ersten Olympischen Spiele
waren die in Helsinki 1952. Dort lernte ich den tschechoslowakischen
Läufer Emil Zàtopek kennen, der die 5000 Meter, die 10000 Meter und den
Marathon gewann. Das war eine einmalige Leistung, zumal er diese drei
Strecken innerhalb von zehn Tagen absolvierte.
In Sachen Sport hat sich viel verändert. Überall regiert das
Geld, besonders im Fußball. Welche Sportveranstaltungen lohnt es sich
noch anzusehen?
Daß der Sport so versaut ist, ist für mich keine Überraschung, denn die
Welt ringsherum ist ebenso versaut und heuchlerisch. Es geht nur noch um
Geld, Geld, Geld. Wenn jemand etwas zu Recht kritisieren will, dann
sollte er nicht zuerst den Sport nennen, sondern sich mit der
Gesellschaft auseinandersetzen. Der Sport ist nur ein Teil der korrupten
Gesellschaft.
Haben Sie am Anfang Ihrer Karriere auch nur vermutet, daß Sie so lange als Moderator unterwegs sein werden?
Vielleicht erträumte ich es mir, aber ahnte bestimmt nicht, daß ich so
viele wunderbare Erlebnisse haben werde. Durch den Sport konnte ich die
Welt kennenlernen und so viele wunderbare Menschen erleben. Ich halte
den Sport für etwas Besonderes, denn Sport ist Frieden und Freundschaft.
Dafür einzutreten, war für mich als Reporter und Journalist eine große
und wertvolle Aufgabe. Dabei bin ich durch Zufall zum Sport gekommen.
Begonnen habe ich als Schauspieler und Zeitungsreporter. Als in Cottbus
ein Rundfunkstudio eingerichtet wurde, suchte man neue, junge Leute. So
konnte ich am 2. April 1949 meine erste Sportreportage durchführen. In
Cottbus, im »Stadion der Freundschaft«, fand das Endspiel um die
»Brandenburgische Landesmeisterschaft im Frauenfeldhandball« statt. Es
spielten Luckenwalde gegen Spremberg. Luckenwalde gewann 1:0, durch ein
Tor in der dritten Minute. Es war der größte Langweiler der Welt mit 30
Zuschauern und völlig ausgeglichenen Mannschaften. Ich mußte die letzten
drei Spielminuten kommentieren, die eher an eine Beerdigung erinnerten.
Wird es jemals eine ostdeutsche Fußballmannschaft der Männer schaffen, in der höchsten Klasse erfolgreich zu spielen?
Hier entscheidet doch nur das Geld. Wer viel davon hat, kann sich die
besten Spieler kaufen. Die anderen bekommen den Rest. Energie Cottbus
zum Beispiel hat im Moment nur den Rest, macht aber das Beste daraus.
Die Mannschaft gehört in der 2. Bundesliga zur Spitzenklasse, und das
ist toll.
Wenn vom DDR-Sport die Rede ist, geht es gleich um Doping.
Echte Leistungen bei Wettkämpfen werden fast nicht genannt. Spielt da
Neid eine Rolle?
Das mag sicherlich auch eine gewisse Rolle spielen. Das am DDR-Sport
festzumachen, ist eine riesige Heuchelei. Es wurde und wird immer auf
der ganzen Welt gedopt.
Nicht nur der Sport, auch die Politik hat es Ihnen angetan. Wen
kann man wählen, und was denken Sie über Regierung, Parteien und das
Verhalten vieler Politiker?
Ich wähle Menschen, die sich auf der ganzen Welt für den tatsächlichen
Frieden einsetzen und den Krieg verabscheuen. Und vor allem bin ich für
diejenigen, die gegen Waffen und Waffenhandel sind. Deutschland ist in
der Welt der drittgrößte Waffenproduzent, nach den USA und Rußland. Für
diese Bronzemedaille sollten sich das Land und die Politiker einfach nur
schämen.
Nun gibt es ein Buch, indem Sie locker auf Fragen über den
Sport, das Leben und die Welt antworten. Warum haben Sie gerade Jan
Hofer als Partner für das Interview-Buch »Ein Leben für den Sport« (Das
Neue Berlin) erwählt?
Ich kenne Jan Hofer schon seit Jahren als freundlichen, aufgeschlossenen
und vor allem korrekt arbeitenden Journalisten. Außerdem war er der
Erste, der sich bei mir meldete und über mich und mit mir etwas Längeres
machen wollte. Daraus ist dann eben das Buch geworden.
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