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Montag, 30. April 2012

1. Mai - Kampftag der Internationalen Arbeiterklasse

Der 1. Mai ist tief in der kämpferischen Tradition der internationalen Arbeiterbewegung verwurzelt. Durch die sich im 19. Jahrhundert rasant vollziehende weltweite industrielle Revolution wuchs das Heer der Lohnarbeiter in Europa und Nordamerika stetig an, allerdings regional differenziert. Lag der Anteil der Fabrikarbeiter 1848 in Preußen erst bei 4,2 Prozent der männlichen Bevölkerung, so 50 Jahre später im gesamten Deutschen Reich bereits bei 44 Prozent, gemessen an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen. Die Lohnarbeiter mussten für Hungerlöhne mehr als 12 Stunden ohne jeglichen Arbeitsschutz täglich hart arbeiten. Oft mussten Frauen und Kinder zu noch schlechteren Bedingungen mit arbeiten, um die Familie ernähren zu können. Ein vergleichbares frühkapitalistisches Elend soll heute wieder den abhängig Beschäftigten aufgebürdet werden. Der zwölfstündige Arbeitstag, verbunden mit enormer Arbeitshetze, ist schon wieder keine Ausnahme mehr.

Bereits die frühen Proletarier erkannten durch eigene Erfahrung, dass ihnen niemand hilft ihre soziale Lage zu verbessern außer sie selbst, indem sie gemeinsam Widerstand gegen die Unternehmer und ihre Handlanger leisteten. Dies verdeutlichte in Deutschland erstmals der schlesische Weberaufstand, der 1844 brutal niedergeschlagen wurde. Trotzdem bewirkte er einen Aufschwung der politischen Massenbewegung unter den Lohnarbeitern und beschleunigte die Entwicklung des proletarischen Klassenbewusstseins in der sich formierenden Arbeiterklasse. Der tagtägliche Klassenkampf enthüllte den Gegensatz von Lohnarbeit und Kapital. Er verdeutlichte, dass sich materielle Interessen unversöhnlich gegenüber stehen. Dieser Kampf mag seine Formen ändern, nicht aber sein Wesen. Georg Herweghs Ausspruch „Mann der Arbeit aufgewacht und erkenne deine Macht alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will" hat bis heute seine Bedeutung nicht verloren. Er ging als „geflügeltes Wort" aus den Anfängen der organisierten deutschen Arbeiterbewegung in das öffentliche Bewußtsein ein.
Zur Entwicklung des für die Arbeiter lebensnotwendigen Klassenbewusstseins trugen entscheidend, nur drei Jahre später und damit bereits am Vorabend der bürgerlichen Revolution von 1848/1849, Karl Marx und Friedrich Engels mit der Abfassung des „Manifest(es) der Kommunistischen Partei" bei. Es entstand 1847 im Auftrag des Bundes der Kommunisten. In ihm wurden mit sezierender Schärfe Fortschritt, aber vor allem die Ausweglosigkeit der kapitalistischen Produktionsweise gekennzeichnet. Im Ergebnis dieser Analyse wurde im Manifest das Erfordernis der Ergreifung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse im Weltmaßstab, mit dem Ziel der Aufhebung des Privateigentums, der Errichtung einer klassenlosen Gesellschaft herausgearbeitet. Eine der grundlegenden Schlußfolgerungen des "Kommunistischen Manifestes" ist das internationalistische Zusammenwirken der Arbeiterklasse aller Länder. Sie wurde treffend in der Losung „Proletarier aller Länder vereinigt Euch" erfaßt. Wer will angesichts der heute sich vollziehenden Globalisierung des Kapitals, die ihren Ursprung in der kapitalistischen Gesellschaft selbst hat, bestreiten, dass diese Losung für die internationale Arbeiterklasse aktueller denn je ist. Leipziger Transportarbeiter folgten diesem Grundsatz, als sie trotz ihres Streiks zur Leipziger Messe Pelze des jungen sowjetischen Arbeiter- und Bauernstaates auf Bitten des Moskauer Zentralen Gewerkschaftsrates entluden. Wladimir Majakowski schrieb darüber 1923 in seinem Gedicht > Solidarität <: "Man bestaunt die Sowjetpelze in Leipzig. Die Arbeiter-Eintracht besiegt alle Würger." Im Aufruf zur Maifeier in Leipzig 1920, gerichtet an "Hand- und Kopfarbeiter Leipzigs" hieß es: "Proletarier Leipzigs bekundet am 1. Mai einmütig Eure Solidarität mit dem internationalen revolutionären Proletariat."

Als sich die Arbeiterklasse mit einem eigenen Klassenbewusstsein entwickelt hatte, bekam auch der 1. Mai über den Charakter einer volkstümlichen Maifeier hinaus, eine eindeutig politische Bedeutung. Das geschah durch den Beschluss des Gründungskongresses der II. Internationale in Paris 1889, gleichzeitig in allen Ländern und Städten "eine große internationale Manifestation" für die Erkämpfung des Achtstundentages und für internationale proletarische Solidarität durchzuführen. In Erinnerung an die Kämpfe vom 1. Mai 1886 der amerikanischen Arbeiter für den Achtstundenarbeitstag wurde dafür der 1. Mai 1890 vorgesehen. Trotz des Sozialistengesetzes legten an diesem Tag in Deutschland rd. 200.000 Arbeiter die Arbeit nieder. Auch in einigen anderen Ländern wurden Demonstrationen veranstaltet. Der Brüsseler Kongreß der II. Internationale 1891 beschloß daraufhin, alljährlich den 1. Mai als gemeinsamen "Festtag der Arbeiter aller Länder, an dem die Arbeiter die Gemeinsamkeit ihrer Forderungen und Solidarität bekunden sollen", zu feiern. Damit wurde der Charakter des 1. Mai als alljährlicher Kampftag der Arbeiterklasse bekräftig und endgültig beschlossen. Von der herrschenden Klasse und ihrem Staat wurde die Durchführung von Veranstaltungen am 1. Mai mit Aussperrungen, sofortigen Entlassungen, Verboten und Waffengewalt bekämpft. Der Blutmai 1929 in Berlin steht unauslöschbar im kollektiven Gedächtnis der deutschen Arbeiterbewegung; er wurde in den "Arbeiter-Taschenkalender" von 1930 aufgenommen. Gemeinsam mit den reformistischen Führern der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften war die Bourgeoisie bestrebt, den 1. Mai in ein bürgerliches "Volksfest" zu verwandeln - in der Weimarer Republik wurde der 1. Mai formal zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Dieser Tradition fühlt sich die heutige neoliberale SPD – als Partei zur Etablierung des bürgerlichen Bewußtseins in der Arbeiterklasse - verpflichtet. Wer glaubt ernsthaft einem Franz Müntefering seinen "Vorstoß" gegen das Kapital, wenn er doch auf den Staat des Monopolkapitals, den staatsmonopolistischen Kapitalismus setzt.

Höhepunkt des Mißbrauchs der Veranstaltungen zum 1. Mai durch die Bourgeoisie war seine Schändung durch die deutschen Faschisten, indem die Nazis die Maifeierlichkeiten vereinnahmten und den 1. Mai als gesetzlich festgelegten „Festtag der nationalen Arbeit" begingen. In einem Staat, der die Organisationen der Arbeiterbewegung gewaltsam zerschlug und Tausende ihrer Mitglieder ermorden ließ, wurde damit der politische Zynismus der Behandlung des Proletariats als reines Ausbeutungsobjekt auf die Spitze getrieben; nie war der 1. Mai besudelter. Der Staat der BRD, der im Rahmen der Nachkriegsentwicklung den Antikommunismus des faschistischen Terrors in den Antikommunismus des Machtbereichs der USA fast nahtlos überleiten konnte, ignorierte die Beschlüsse des alliierten Kontrollrates und hat die nazifaschistische Demagogie vom 1. Mai als "Tag der nationalen Arbeit" faktisch beibehalten. In Wirklichkeit ist dieser Tag aber ein internationaler Protesttag gegen die Ausbeutung der Lohnarbeit; er gehört dem werktätigen Volk!
Zeichnung aus: "Unsere Fibel 8", Berlin 1981 - im Bestand des DDR-Kabinett-Bochum e.V.
Ganz anders in der DDR. "Die Wiedergeburt des 1. Mai" so lautete schon am 28. April 1946 der Titel des Leitartikels im "Neuen Deutschland". Der 1. Mai sollte wieder eine wichtige Rolle im Ringen um die Einheit der Arbeiterklasse spielen. Gerade auch am Beispiel der in den Jahren der Weimarer Republik von KPD und SPD getrennt durchgeführten Maidemonstrationen war den klassenbewussten Arbeitern das ganze Unglück der Spaltung deutlich geworden. Für Rosa Luxemburg war der 1. Mai noch "ein lebendiges historisches Stück des internationalen proletarischen Klassenkampfes", in dem sich "alle Phasen, alle Momente dieses Kampfes" widerspiegeln. Dies wurde bis zur Konterrevolution 1989 nicht nur durch große Manifestationen der Werktätigen auf die Straße getragen, sondern war jeden Tag gelebte Praxis in den Betrieben. Daran gilt es anzuknüpfen!

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