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Mittwoch, 11. April 2012

Der Verlag Das Neue Berlin erhebt wegen der Dokumentation »Der Sturz – Honeckers Ende« schwere Vorwürfe gegen Filmemacher Eric Friedler

Margot Honecker in Santiago de Chile, 12. Oktober 2000

Ohne Zustimmung

 

Unter dem Titel »Margot Honecker gab dem NDR kein Interview« nahm der Verlag Das Neue Berlin in der Eulenspiegel-Verlagsgruppe am Mittwoch zu dem am 2. April im Ersten ausgestrahlten Film »Der Sturz – Honeckers Ende« Stellung. Der Film soll am heutigen Donnerstag im NDR-Fernsehen erneut gezeigt werden. Wir dokumentieren die Presseerklärung des Verlages im Wortlaut:

Im Zusammenhang mit dem von der ARD ausgestrahlten Film »Der Sturz«, dessen Herzstück ein Interview mit Margot Honecker in Chile bildete, verbreitete der NDR zu Ostern eine Pressemitteilung. Darin widersprach der Sender der Erklärung Margot Honeckers, sie habe der ARD kein Interview gegeben. »Es handelte sich um ein gesetztes Interview mit Kameramann und zwei Kameras, das an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Haus von Frau Honecker in Santiago de Chile stattfand. Frau Honecker war mit den Aufnahmen ausdrücklich einverstanden«, heißt es im NDR-Dementi. »Eric Friedler hat dabei weder seine Identität verleugnet noch zu irgendeinem Zeitpunkt heimlich gedreht.«

Wahr ist: Eric Friedler begleitete den Verleger und Publizisten Frank Schumann im September 2011 zu Frau Honecker nach Chile. Reiseanlaß waren Verlagsrecherchen für Buchprojekte zum 100. Geburtstag Erich Honeckers am 25. August 2012 und zum 85. von Margot Honecker am 17. April 2012 – beide Bücher liegen inzwischen vor: »Letzte Aufzeichnungen. Für Margot«, erschienen in der Edition Ost, bereits in vierter, der Gesprächsband »Zur Volksbildung« bei Das Neue Berlin in zweiter Auflage.

Buchprojekte

Margot Honecker hatte am 13. November 2010 die Anfrage des Verlages, ob sie auch für ein von Herrn Friedler geplantes Filmprojekt »Honeckers in Lobetal« als Zeitzeugin zur Verfügung stehe, klar abgesagt und auch begründet: »Und nun drittens, warum ich meine Mitwirkung definitiv ablehne: In einem Film mit Genscher, Schewardnadse, Gorbatschow und Modrow aufzutreten, mit Leuten, die die Konterrevolution wissentlich oder irrtümlich mit gesteuert haben, das geht gegen mein politisches Gewissen, gegen meine politische Ehre.«

Deshalb wurde Friedler im September 2011 sehr wohl unter seinem Namen, aber absprache- und sachgemäß als technischer Assistent der edition ost, der Ton- und Bildaufzeichnungen für die beiden verabredeten Buchprojekte machen würde, von Frank Schumann bei Margot Honecker eingeführt. Zudem sollten, was angesichts des Alters von Frau Honecker und der Einmaligkeit dieser Möglichkeit verständlich ist, Filmaufnahmen dieser bedeutenden Zeitzeugin fürs Archiv, also für die Nachwelt, angefertigt werden. Deshalb lief die ganze Zeit auch die Kamera mit.

Entgegen Friedlers Darstellung – z. B. in der FAZ vom 29. März 2012 – gab es keine von ihm als NDR-Mitarbeiter getroffene Verabredung mit Frau Honecker, schon gar nicht jene, daß sie ihm an drei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils eine Stunde für ein Gespräch zur Verfügung stünde. Es gab auch keinen Kameramann und keine zwei Kameras, wie es im Dementi des NDR heißt. Es gab Schumann und Friedler, Frau Honecker und eine Kamera, die während der unbefristeten Gespräche mitlief. Es handelte sich auch nicht um Friedlers »Reporterglück«. Das Interview mit Frau Honecker führte Schumann, im zweiten Teil der jeweiligen Sitzung nahm Friedler dessen Platz ein und stellte seine Fragen, während Schumann die Kamera kontrollierte. Insgesamt kamen an fünf Tagen etwa 40 Stunden zusammen, die Schumann und Friedler gemeinsam mit Frau Honecker in Chile im Gespräch verbrachten.

Urheberrechte

Die Mitschnitte, so hatten Schumann und Friedler mündlich vereinbart, sollten das Basismaterial insbesondere für das Gesprächsbuch mit Margot Honecker bilden. Friedler wollte dafür die Abschriften anfertigen. Beides, Abschriften wie Filmmaterial, hält Friedler bis heute zurück. Inwieweit Teile des von Schumann geführten Gesprächs im NDR-Film Verwendung fanden und dabei auch gegen Schumanns Urheberrecht verstoßen wird, ist derzeit nicht genau feststellbar.

Im übrigen gab es Überlegungen, daß andere Interviews, die Friedler für den Film »Honeckers in Lobetal« bereits geführt hatte, als Sammelband im Verlag Das Neue Berlin erscheinen sollten. Diese Interviewpartner, von denen Schumann einige an Friedler vermittelt hatte, unterzeichneten vor dem Dreh – wie Schumann auch, der einmal im Film als »Honecker-Vertrauter« auftauchte – den Vordruck einer Erklärung, daß sie mit Aufzeichnung und Verbreitung der mit ihnen gemachten Aufnahmen einverstanden seien.

Ein solcher Vordruck für eine schriftliche Zustimmung ist Margot Honecker nie vorgelegt worden. Sie ist von Friedler auch nicht mündlich nach einer solchen Einwilligung gefragt worden.

Zwischen Friedler, Schumann und Frau Honecker war zudem verabredet, daß kein Bild und keine Zeile ohne ihre Kenntnis verbreitet werden würde. Schumann hielt sich daran: Manuskripte und die von ihm gemachten Fotos wurden Margot Honecker später, wie jedem anderen Autor auch, vor Drucklegung zur Autorisierung vorgelegt. Für den Fall der Verwendung von bewegten Bildern in dem von Friedler geplanten Film »Honeckers in Lobetal« hätte die Einwilligung Margot Honeckers also noch nachträglich eingeholt werden müssen, wie es auch vorab zwischen Friedler und Schumann verabredet worden war. Diese Zustimmung lag durchaus im Bereich des Möglichen, weil es Friedler in jener Woche in Chile durchaus gelungen war, Margot Honeckers Sympathie für sich zu gewinnen.

Gesprächsverweigerung

Ende März kündigte der NDR völlig überraschend die Ausstrahlung eines Interviewfilms mit Margot Honecker an, nachdem die Tagebuchaufzeichnungen Erich Honeckers bereits in der dritten Woche in den einschlägigen Bestsellerlisten auf vorderen Plätzen rangierten und Margot Honeckers Gesprächsband erfolgreich in den Medien war.

Der Versuch Schumanns, bei Friedler Erkundigungen über diesen avisierten Film einzuholen, scheiterte. Friedler verweigerte das Gespräch, andere Versuche der Kontaktaufnahme mit dem Büro Sondervorhaben des NDR und per Mail scheiterten mit dem Hinweis, Herr Friedler sei bis 30. April nicht erreichbar.

Halten wir also fest:

1. Margot Honecker hat in der Tat weder wissentlich noch willentlich dem NDR ein Interview gegeben; anderslautende Darstellungen entsprechen nicht der Wahrheit.

2. Margot Honecker war einverstanden mit Gesprächen, die sie dem Verleger und Publizisten Frank Schumann für zwei Buchprojekte gewährte. Zwischen beiden herrschte jenes vertrauliche Verhältnis, das sich in den Filmaufzeichnungen auch sichtbar mitteilt. Ihm begegnete sie offen und ohne Arg, keinem anderen.

3. Eric Friedler übernahm für die Möglichkeit, Frau Honecker persönlich kennenzulernen und mit ihr zu sprechen, Schumanns Reise- und Übernachtungskosten. Es wurde an Schumann kein Honorar gezahlt. Das hätte auch dem tatsächlichen Verhältnis zwischen beiden – wer nämlich bei der Mission Koch und wer Kellner war – auch nicht entsprochen.

Junge Welt

Das Neue Berlin



 

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